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Große Enttäuschung bei der IG Metall

Gewerkschaftsvertreter von Waiblingen und Göppingen/Geislingen kritisieren den Verkauf nur zweier Werke der Schweizer Group.

„Eine Schließung während eines Insolvenzverfahrens ist hochdramatisch“, sagt Sandra Kocken von der IG Metall Waiblingen. Wird der Verkauf nur zweier Werke vollzogen, bedeutet dies das Aus der Standorte Murrhardt (Foto) und Hattenhofen der Schweizer Group Global GmbH. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

„Eine Schließung während eines Insolvenzverfahrens ist hochdramatisch“, sagt Sandra Kocken von der IG Metall Waiblingen. Wird der Verkauf nur zweier Werke vollzogen, bedeutet dies das Aus der Standorte Murrhardt (Foto) und Hattenhofen der Schweizer Group Global GmbH. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Für die Standorte Murrhardt (102 Arbeitsplätze) und Hattenhofen (174 Arbeitsplätze) der insolventen Schweizer Group Global GmbH stehen die Zeichen auf Schließung, nachdem nur die Werke in Roding und Plauen von der AE Group übernommen werden sollen (wir berichteten). Dies hatte der Insolvenzverwalter Marcus Winkler vergangene Woche mitgeteilt. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt bestimmter Bedingungen, auf die Winkler aber nicht weiter einging.

Martin Purschke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Göppingen/Geislingen, räumt zwar ein, dass es vor dem Hintergrund einer angeschlagenen, krisengeschüttelten Weltwirtschaft und Corona nicht gerade einfach sei, für die Schweizer Group Global GmbH, die sich in ihrer zweiten Insolvenz befindet, einen Käufer zu finden. Gleichzeitig macht er aber keinen Hehl daraus, dass er die Entscheidung für einen Verkauf nur zweier Standorte an den thüringischen Zulieferer AE Group für falsch hält. Sie bedeutet das Aus für die Standorte Hattenhofen, für dessen Zukunft sich die IG Metall Göppingen/Geislingen einsetzt, und Murrhardt. Martin Purschke versteht nicht, warum man sich so schnell für die AE Group entschieden und nicht noch nach einer möglichen gemeinsamen Schnittmenge – mit einem potenziellen Partner mit Interesse an allen vier Standorten – gesucht habe. Die Mitteilung über den geplanten Verkauf und die Konsequenzen habe die IG Metall wie ein Blitz getroffen. Zumal gerade Hattenhofen, wo mittlerweile die zentrale Verwaltung der vier Werke sitzt, in der letzten Zeit gut bis sehr gut ausgelastet gewesen sei. Nach der Kurzarbeitsphase von Frühjahr bis Sommer habe man nun die absurde Situation, dass aufgrund von Urlaub und Krankheit händeringend nach Arbeitskräften gesucht werde und ein Konflikt um Leiharbeit entbrannt sei, obwohl das Werk vor der Schließung stünde. Er fordert, dass Winkler weiterhin nach einer Lösung für alle Standorte sucht. „Wir wissen, dass das nicht einfach ist“, sagt er. Gelinge dies nicht, sei es für die Arbeitnehmer momentan sehr schwer, auf dem Arbeitsmarkt schnell wieder Fuß zu fassen, weshalb er sich in diesem Fall für die Einrichtung einer Transfergesellschaft ausspricht. Dies ist ein arbeitsmarktpolitisches Instrument mit dem Ziel, von Arbeitslosigkeit bedrohte Mitarbeiter eines Betriebs im Rahmen einer maximal zwölfmonatigen Beschäftigung in neue Arbeitsverhältnisse zu vermitteln. Denn so schön das Stichwort sozialverträgliche Lösung auch klingt, bei der Schließung eines Werks hoffe man zwar auf eine Abfindung – in Höhe und Umfang festgelegt in der Insolvenzordnung –, aber oft werde diese nicht beim Ausscheiden der Arbeitnehmer ausgezahlt, sondern erst bei Ende der Insolvenz, und das könne auch schon mal zwei oder drei Jahre später sein. Darüber hinaus hänge dies davon ab, was an Geld zum Schluss noch übrig ist. „Meistens gehen die Beschäftigten leer aus.“ Purschke geht davon aus, dass die Produktion vorerst weiterläuft. Eine entsprechende Vereinbarung mit den Kunden bestehe bis zum Jahresende.

„Man muss alle Optionen der Fortführung prüfen“, sagt auch Sandra Kocken, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Waiblingen. „Eine Schließung während eines Insolvenzverfahrens ist hochdramatisch“, sprich, wenn die Beschäftigten damit ihren Arbeitsplatz verlieren. Sandra Kocken thematisiert ebenso, dass unklar sei, ob eine Abfindung möglich ist. Letztere sei in der Regel auf drei Monatsgehälter gedeckelt, aber wenn je nach Insolvenzlage kein Geld mehr vorhanden sei, gebe es auch keines mehr zu verteilen. Zwar hat die Gewerkschaftssekretärin vernommen, dass die Auslastung in Murrhardt nicht so gut sei, hofft aber, dass eine Prüfung der Möglichkeiten nochmals intensiv erfolge und man die Beschäftigten des Murrhardter Werks nicht einfach vom Hof jage.

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Erstellt:
19. November 2020, 06:00 Uhr

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