Nach Wahl in Berlin

Grünen-Chefin will Garantien von Linken-Wahlsiegerin Eralp

Kommen Linke und Grüne in Berlin zusammen? Die Grünen-Chefin fordert die Linke auf, sich klar von Antisemitismus und Clan-Größen zu distanzieren. Auch bei einem Wahlkampfthema ist sie skeptisch.

Franziska Brantner, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (Archivbild).

© Sebastian Gollnow/dpa

Franziska Brantner, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen (Archivbild).

Grünen-Chefin Franziska Brantner hat die Spitzenkandidatin der Berliner Linken, Elif Eralp, zu einer klaren Abgrenzung von Extremisten und kriminellen Milieus aufgefordert. „Antisemiten oder Personen mit Verbindungen zur organisierten Kriminalität oder Islamismus dürfen keine Regierung mittragen oder gar prägen. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp muss jetzt durchgreifen und das garantieren“, sagte Brantner der „Süddeutschen Zeitung“. „Die Linke weiß ganz genau, dass wir mit solchen Leuten nicht koalieren können und werden.“

Die Linke will nach ihrem Erfolg bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus eine Koalition mit Grünen und SPD schmieden. In den vergangenen Tagen ist sie jedoch immer stärker in die Kritik geraten, auch wegen umstrittener Positionen von Teilen der Partei zum Nahostkonflikt und Antisemitismus. Bei einer Wahlparty des Kreisverbands Neukölln waren zudem eine bekannte Clan-Größe sowie ein umstrittener propalästinensischer Aktivist zu Gast. Der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak wiederum steht unter Druck, weil er in Chatkontakt mit einem Sohn der dem Clan-Milieu zugeordneten Großfamilie stand. 

Haßelmann sieht Pläne für Vergesellschaftung skeptisch 

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sagte im „Frühstart“ von RTL/ntv, sie verstehe nicht, warum jemand wie Koçak nicht aus der Bundestagsfraktion ausgeschlossen werde. Auch sie forderte eine eindeutige Positionierung: „Die Linken müssen Klarheit herstellen in der Frage: Wie stehen sie zum Existenzrecht Israels? Wie halten sie es mit der Bekämpfung von Antisemitismus? Wie gehen sie auch gegen antisemitische Äußerungen und Positionen in ihrer eigenen Partei vor?»

Bei möglichen Sondierungen könnte auch das den Wahlkampf bestimmende Thema Mieten ein Knackpunkt werden. Die Linke will große Wohnungsunternehmen vergesellschaften. Brantner sieht das skeptisch. „Die Möglichkeit zur Enteignung steht im Grundgesetz, aber sie ist an harte Bedingungen geknüpft und muss dem Allgemeinwohl dienen. Man muss sich auch fragen, ob es sinnvoll ist, Milliarden für alten Wohnraum auszugeben“, sagte sie. Das schaffe nicht eine neue Wohnung.

Zum Artikel

Erstellt:
24. September 2026, 11:24 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Neue Befugnisse geplant

Reform des Bundespolizeigesetzes: Diesmal soll es sitzen

Die Reform des Bundespolizeigesetzes ist schon mehrfach gescheitert: 2021 im Bundesrat, 2024 am Bruch der Ampel-Koalition – dann an einer Abstimmungspanne im Bundestag. Jetzt folgt ein neuer Anlauf.

Secret Service beschlagnahmt Ausweis

Trotz Richterspruch: Reporter dürfen nicht ins Weiße Haus

Trump geht gegen führende US-Medien vor und verbannt sie aus dem Weißen Haus. Doch bereits nach wenigen Tagen untersagt dies ein Gericht vorerst. Doch danach gibt es erneut Probleme am Eingang.

Pressefreiheit

Trump verfährt wie ein Diktator

Der US-Präsident wollte unliebsamen Medien den Zugang zum Weißen Haus verwehren. Ein Gericht untersagte das, doch er ignoriert das Urteil.