Angriff auf Yandex
Hat die Ukraine mit Drohnen pro AfD-Bots abgeschaltet?
Nach dem Drohnenangriff auf das russische Pendant zu Google häufen sich Behauptungen über weniger pro-russische und pro-AfD‑Bots. Gibt es dafür Belege?
© Maxim Shipenkov/dpa
Das Yandex-Logo an der Zentrale des Unternehmens in Moskau, Russland. Ukrainische Angriffe zielten zuletzt immer wieder auf die technische Infrastruktur des Unternehmens. (Archivbild)
Von Ole Rockrohr
Ein ukrainischer Angriff auf ein Datencenter in Russland schlägt derzeit hohe Wellen. Mit der Attacke auf die russische Firma Yandex trifft das ukrainische Militär das russische Pendant zum Internetriesen Google und schränkt damit Zahldienste und weitere Dienstleistungen ein. Seitdem häufen sich Berichte, der Angriff hätte zu einem Rückgang der Aktivitäten von Bots geführt, die pro-russische oder pro-AfD Inhalte verbreiten. Ist da was dran?
Es ist das dritte Mal innerhalb weniger Tage, dass das ukrainische Militär mit einem Drohnenangriff den russischen Technologie-Konzern Yandex trifft. Infolge der Attacke am Sonntag (11. Oktober) sei die Infrastruktur eines Rechenzentrums im mehr als 170 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Wladimir beschädigt worden, teilte das Unternehmen mit. Der Betrieb des Rechenzentrums sei zunächst vollständig eingestellt worden. „Die Dienste von Yandex nehmen nach der Störung nach und nach wieder ihren Betrieb auf“, schrieb Yandex nun auf Telegram. Dennoch bleibe die Plattform vorerst im Notfallmodus.
Verletzte gab es demnach nicht. Berichten zufolge hatten Menschen in mehreren Regionen Russlands und auch im Ausland unter anderem Probleme dabei, den Bezahl- oder Taxidienst zu nutzen. Auch einige Tage später deutet der firmeneigene Status-Monitor noch immer auf massive Probleme hin und zeigt die Dienste des Technologieunternehmens als „nicht erreichbar“ an. Bereits am Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche hatte die Ukraine Standorte des Internetriesen in Sassowo im Gebiet Rjasan und in Kaluga getroffen.
Weniger AfD-Inhalte durch den Angriff auf Russland?
Angeblich sollen die Auswirkungen der Angriffsserie auf die russische technologische Infrastruktur auch in Europa zu spüren sein. So verbreitet sich derzeit eine Grafik im Internet, die zeigen soll, dass nach dem Angriff die Aktivität pro-russischer und pro-AfD‑Bots in sozialen Medien abrupt eingebrochen ist. Der tschechische konservative EU-Politiker Tomáš Zdechovský teilte etwa das Bild auf seinem X-Account.
Doch die Erzählung hat Schwächen, wie der Informatiker an der Universität Regensburg, Prof. Dr. Raphael Wimmer, auf seinem Bluesky-Account analysiert. So gibt der Graph keinerlei Rückschlüsse darauf, woher die Daten über den Einbruch der Aktivitäten kommen sollen. Außerdem sind die Abstände zwischen den Punkten auf der Zeitachse unregelmäßig, wie auch die Abstände auf der Y-Achse, die die „Aktivität pro Tag“ angeben sollen. Alles in allem sehe der Graph „fishy“ aus, so Wimmer. Er vermute eher, dass es eine KI‑generierte Grafik sei, schreibt Wimmer auf seinem Account.
Zweifel äußert auch Josef Holnburger, der Geschäftsführer vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS). Gegenüber netpolitik.org sagte Holnburger, dass seine Organisation keinen Rückgang von anorganischen Aktivitäten erkennen könne.
Nicht alle russischen Bots verbreiten Falschmeldungen
Neben der vermutlich KI‑generierten Grafik gibt es noch eine weitere, die derzeit in den sozialen Medien Verbreitung findet. Ein Schaubild des Cloud-Anbieters Cloudflare, das zeigt, dass die Bot Aktivitäten von einem System, das mit dem russischen Yandex-Konzern zusammenhängt, tatsächlich eingebrochen sind. Auch diese Grafik wird derzeit von einigen Nutzern als Beleg dafür verbreitet, dass die Bots, die etwa russische Propaganda teilen, nun weniger Aktivitäten haben.
Die Grafik ist jedoch kein Hinweis darauf, dass es sich bei den eingebrochenen Aktivitäten um Social-Bots, also Bots, die in sozialen Medien sich als echte Personen ausgeben und dort posten, handelt. Bots können ebenso von Suchmaschinen zum Durchsuchen von Seiten genutzt werden oder um Sicherheitslücken zu identifizieren. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für die Verwendung von Bots, die inzwischen mehr Internet-Traffic verursachen als menschliche Nutzer. Eine generelle Aussage über die Abnahme der Verbreitung von Falschinformationen lässt sich also auch aus dieser Grafik nicht herleiten.
© Ole Rockrohr (Screenshot von Cloudfare.com)
Auf der Website von Cloudfare lassen sich vershciedene Aktivitäten im Internet nachvollziehen. Diese Grafik soll laut einiger Beiträge zeigen, dass es nun weniger pro-russische Propaganda gibt.
