Unternehmer aus Baden-Württemberg

Herrenknecht wettert gegen „Scheißbürokratie“ und „Softie-Gesellschaft“

Tunnelbauer Herrenknecht hält Deutschland für zu bequem und zu bürokratisch. Für die Wirtschaft sieht er drastische Folgen.

Der Unternehmer Martin Herrenknecht. Seine Firma wirkte auch bei Stuttgart 21 mit.

© Frank Rumpenhorst/dpa/Frank Rumpenhorst

Der Unternehmer Martin Herrenknecht. Seine Firma wirkte auch bei Stuttgart 21 mit.

Von red/dpa/lsw

Ernüchternde Worte zum Wirtschaftsstandort Deutschland kommen vom Chef des Tunnelbohrmaschinen-Herstellers Herrenknecht, Martin Herrenknecht. „Wir fahren dieses Jahr vor die Wand, wenn wir nicht drastisch den Kurs wechseln“, sagte der Unternehmer dem Magazin „Focus“. Deutschland sei „wie in einem Dornröschenschlaf“ versunken.

Herrenknecht, dessen Unternehmen nach eigenen Angaben weltweit rund 5.500 Mitarbeiter beschäftigt, beklagte vor allem ausufernden bürokratischen Aufwand. „Mein eigenes Unternehmen könnte ich mit der – entschuldigen Sie – Scheißbürokratie heute gar nicht mehr gründen“, so der 83-Jährige. Als Beispiel nennt er ein geplantes Logistikzentrum in Baden-Württemberg: „Wir planen jetzt seit dreieinhalb Jahren. Ein ähnliches Projekt habe ich im indischen Chennai in drei Monaten bewilligt bekommen.“

Herrenknecht: Sind Softie-Gesellschaft mit höchsten Ansprüchen

Grundsätzliche Kritik äußerte Herrenknecht zudem auch an der gesellschaftlichen Einstellung. „Wir sind schon auch eine Softie-Gesellschaft geworden mit höchsten Ansprüchen“, führt er aus. „Sie glauben nicht, was junge Hochschulabsolventen bei mir schon alles verlangen an Sabbatical-Möglichkeiten, Homeoffice-Optionen und Elternzeit-Modellen.“

Herrenknechts Spezialfirma aus Schwanau (Ortenaukreis) gilt als Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen. In Europa machte sich das Unternehmen mit Großprojekten wie dem Gotthardtunnel, dem Brenner Basistunnel und dem Bahnprojekt Stuttgart 21 einen Namen.

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Erstellt:
6. Mai 2026, 17:38 Uhr

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