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Hilfsdienstplanungen gut angelaufen

Ehrenamtliche stehen bereit, um Ältere und Bedürftige in Murrhardt zu unterstützen – Klare Regeln bei der Übergabesituation

In vielen Städten und Gemeinden sind Hilfsdienste angelaufen. Auch in Murrhardt steht mittlerweile eine Reihe von Ehrenamtlichen bereit, die Menschen beispielsweise in Form von Einkäufen oder Besorgungen in der Apotheke unterstützen können. In der Walterichstadt kann auch durch das Quartiersprojekt auf ein Netz an Engagierten zurückgegriffen werden.

Christian Müller (rechts) und Lewin Kollak (links) haben aus den unverderblichen, verpackten Waren vom Tafelladen einige Stofftütenbündel geschnürt, sodass diese noch an Bedürftige abgegeben werden können. Birgit Wolf, Leiterin der Stelle Bürgerschaftliches Engagement, schaut kurz vorbei, ihr Arbeitsplatz ist aber einen Stock tiefer, sodass das Team auch insgesamt die Abstände wahren kann. Foto: C. Schick

Christian Müller (rechts) und Lewin Kollak (links) haben aus den unverderblichen, verpackten Waren vom Tafelladen einige Stofftütenbündel geschnürt, sodass diese noch an Bedürftige abgegeben werden können. Birgit Wolf, Leiterin der Stelle Bürgerschaftliches Engagement, schaut kurz vorbei, ihr Arbeitsplatz ist aber einen Stock tiefer, sodass das Team auch insgesamt die Abstände wahren kann. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Vor einigen Wochen hätte Christian Müller wohl kaum vermutet, wie sich seine Arbeit entwickeln würde. Als Verantwortlicher für das Projekt „Gemeinsam Lust auf Leben“, bei dem es darum geht, Konzepte für eine älter werdende Gesellschaft in Hilfsstrukturen und Netzwerke zu verwandeln, hat nun einen sehr konkreten Anlass, um zu unterstützen. Gemeinsam mit der Stelle Bürgerschaftliches Engagement (BE), wo das Projekt angesiedelt ist, sowie Partnern und Engagierten galt es, einen Hilfsdienst für den durch die Coronakrise völlig veränderten Alltag aufzubauen. „Seit vergangenen Montag sind wir intensiv mit der Planung beschäftigt“, sagt Christian Müller. Nachdem Bürgermeister Armin Mößner ihn und Birgit Wolf, Leiterin der Stelle Bürgerschaftliches Engagement, informiert hatte, dass im Rathaus Anfragen rund um eine Art Nachbarschaftshilfe aufgetaucht seien, habe man losgelegt.

Der Vorteil ist, dass das Projekt „Gemeinsam Lust auf Leben“ bereits auf Kontakte und Ehrenamtliche zurückgreifen konnte, die während der ersten Treffen ihr Interesse signalisiert hatten. Die Frage war, wer nun bei Einkäufen und kleinen Hilfsdiensten zur Verfügung stehen könnte. Es ist ein guter Pool zusammengekommen: Neben etwa 15 privaten Einzelpersonen haben sich bei Christian Müller auch Mitglieder des Vereins Kubus gemeldet, der sich in der Flüchtlingsarbeit engagiert, sowie der Türkische Sportclub Murrhardt. „Der Trainer Onufrios Michailidis hat signalisiert, dass sie mit zehn bis 15 Freiwilligen unterstützen können“, berichtet der Projektleiter. Auch einzelne Geflüchtete möchten sich engagieren.

Zudem steht Christian Müller mit Elke Kleinknecht in Kontakt, bei der die Fäden für den neuen Online-Marktplatz der Stadt zusammenlaufen und die wiederum Verbindungen zum Handel in Murrhardt herstellen kann – beispielsweise für einzelne Lieferungen beziehungsweise Nachfragen.

Eines der Themen in dieser Hinsicht ist wie in anderen Städten und Gemeinden die Tatsache, dass sich die Verbraucher massiv auf Klopapier gestürzt haben beziehungsweise stürzen und die Händler in den Discountern kaum mit den Nachlieferungen hinterherkommen. „Wenn jemand Älteres es aber nur einmal die Woche zum Einkaufen schafft, hat er kaum die Chance, da etwas abzubekommen“, so Müller. Es gibt aber nun die Möglichkeit, Bedürftige mit einer einzelnen Packung zu versorgen.

Ein weiteres Thema war, dass auch die Tafel Murrhardt sich gezwungen sah, ihren Laden in der Werrenstraße zu schließen. Zum einen, um das Team der Ehrenamtlichen zu schützen, zum anderen, weil auch die Spenden in letzter Zeit zurückgegangen waren. Um wenigstens noch die Bestände entsprechend verteilen zu können, ist das Projektteam im Schulterschluss mit der Arbeiterwohlfahrt Murrhardt eingesprungen. Alles, was über einen gewissen Zeitraum haltbar ist wie Trockenware, haben Birgit Wolf, Christian Müller und Lewin Kollak, der seinen Bundesfreiwilligendienst bei der Volkshochschule Murrhardt, gleichzeitig Sitz der BE-Stelle, macht, in kleineren Einheiten zusammengestellt und in einzelne Stofftaschen verpackt. Um die schneller verderblichen Waren hat sich die Arbeiterwohlfahrt gekümmert. „Wir können das jetzt ähnlich wie im Laden auch an Menschen abgeben, die einen entsprechenden Ausweis haben“, erläutert Christian Müller. Wie es danach weitergeht, ist erst mal offen und Birgit Wolf lässt durchblicken, dass es ihr nicht sehr wohl bei dem Gedanken ist, die Unterstützung für Menschen in finanziell prekärer Situation wegbrechen zu sehen.

Und wie groß ist die Nachfrage in Bezug auf die konkrete Alltagshilfe? Was die Hilfsdienste angeht, so unterstützt das Team bisher drei Murrhardter. „Es gibt aber zehn bis 15 Personen, die signalisiert haben, dass sie das unter Umständen auch in Anspruch nehmen möchten“, so Christian Müller. Im Vordergrund steht bisher das Einkaufen, Besorgungen von Arzneimitteln in der Apotheke können hinzukommen. Anbieten will Christian Müller grundsätzlich auch einfach Gespräche am Telefon oder einen Gang mit dem Haustier, wenn dies benötigt werde.

Für die ehrenamtlichen Helfer gibt es mit Blick auf das Einkaufen bei ihrem Einsatz klare Regeln. Die Grundlage bilden die Vorgaben des Ministeriums, wie Christian Müller erläutert. Um sowohl die Unterstützer als auch die zu Unterstützenden zu schützen, hat man sich auf einen bestimmten Ablauf geeinigt: Es wird ein Termin vereinbart, zu dem die Einkaufsliste und das Geld an einem abgesprochenen, sicheren Ort kurz vor dem Eintreffen deponiert wird. Ebenso werden die Besorgungen dann ohne Kontakt zwischen den beiden Personen weitergegeben – wandern vor die Haustür – und dann wird die Ankunft beispielsweise mit einem bestimmten Klingel- oder Klopfzeichen oder Ähnlichem signalisiert. Natürlich sei es trotzdem wichtig, auch auf die schon oftmals kommunizierten Hygieneregeln zu achten wie regelmäßiges, gründliches Händewaschen oder Husten- und Nies-Etikette. Christian Müller schätzt zudem den Luxus der schon bestehenden Kontakte und des Netzwerks, da diese eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit bieten.

Info

Im Zuge der Maßnahmen rund um Covid-19 bietet die Stadtverwaltung Murrhardt über die Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement in Kooperation mit dem Quartiersprojekt „Gemeinsam Lust auf Leben“ Unterstützung für Bürger an, die aktuell Hilfe benötigen.

Dieser Hilfsdienst richtet sich insbesondere an ältere Mitbürger, die zurzeit nicht mehr aus dem Haus gehen können, und Mitmenschen, die vorsorglich zu Hause bleiben müssen und über keine anderweitige Unterstützung verfügen.

Die Unterstützung umfasst Lebensmittel- und Arzneieinkäufe, Besorgungen, Internetzugang, Gespräche am Telefon, das Ausführen von Hunden sowie sonstige Erledigungen, die einen Gang in die Öffentlichkeit benötigen.

Melden kann man sich montags bis freitags bei der Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement von 8.15 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr unter Telefon 07192/935815 oder per E-Mail jederzeit unter der Adresse GemeinsamLustaufLeben@vhs-murrhardt.de. An diese beiden Kontakte können sich auch Bürger wenden, die gerne helfen möchten. Die Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement fungiert dabei als Brückenbauer zwischen Hilfesuchenden und Helfenden.

Informationen und Antworten auf Fragen zum Thema Coronavirus finden sich auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de), auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de) sowie auf der Homepage des Rems-Murr-Kreises unter www.rems-murr-kreis.de.

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Erstellt:
24. März 2020, 06:00 Uhr

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