Schupfen und Husten
Hilft Zink dabei, eine Erkältung schneller loszuwerden?
Viele Menschen greifen bei einer Erkältung zu Zink. Doch hilft die Einnahme wirklich gegen die Symptome?
© Bernd Weißbrod/dpa
Können Zinktabletten gegen die Erkältung helfen?
Von Lukas Böhl
Die Nase läuft, der Hals kratzt und der Kopf schmerzt: Wer erkältet ist, möchte die Beschwerden möglichst schnell wieder loswerden. Neben Ruhe, ausreichend Schlaf und viel Flüssigkeit wird häufig Zink als Mittel gegen Erkältungen empfohlen. Doch kann das Spurenelement die Krankheitsdauer tatsächlich verkürzen? Wissenschaftliche Studien liefern interessante Hinweise – allerdings auch einige Einschränkungen.
Kann Zink eine Erkältung verkürzen?
Zink spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem. Der Körper benötigt das Spurenelement unter anderem für die normale Funktion von Immunzellen. Deshalb untersuchen Wissenschaftler seit Jahrzehnten, ob zusätzlich eingenommenes Zink dabei helfen kann, Erkältungen schneller zu überwinden.
Eine umfangreiche Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kommt zu einem vorsichtig positiven Ergebnis: Zink könnte die Dauer einer Erkältung um durchschnittlich rund zwei Tage verkürzen.
Für die Auswertung zur Krankheitsdauer berücksichtigten die Forschenden acht Studien mit insgesamt 972 Teilnehmenden. Im Vergleich zu einem Placebo dauerte die Erkältung bei Personen, die Zink einnahmen, durchschnittlich 2,37 Tage weniger lang.
Allerdings waren die Ergebnisse der einzelnen Studien sehr unterschiedlich. Die Wissenschaftler stuften die Sicherheit der Evidenz deshalb als niedrig ein. Ob Zink tatsächlich hilft und wie groß der Nutzen im Einzelfall ausfällt, lässt sich derzeit nicht zuverlässig vorhersagen.
Zink gegen Erkältung: Wann sollte man es einnehmen?
Der Zeitpunkt der Einnahme könnte eine wichtige Rolle spielen. Nach Einschätzung der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) gibt es Hinweise darauf, dass Zink insbesondere dann wirksam sein könnte, wenn es innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten der Erkältungssymptome eingenommen wird.
Wer morgens mit Halsschmerzen oder einer laufenden Nase aufwacht, könnte demnach eher profitieren als jemand, der bereits seit mehreren Tagen erkältet ist.
Allerdings ist auch dieser Zusammenhang nicht abschließend bewiesen. Die Studien unterscheiden sich unter anderem darin, wann mit der Behandlung begonnen wurde und welche Zinkpräparate verwendet wurden.
Welche Zinkpräparate wurden untersucht?
Nicht jedes Zinkpräparat ist gleichermaßen gut untersucht. Besonders häufig kamen in klinischen Studien Zink-Lutschtabletten mit Zinkacetat oder Zinkgluconat zum Einsatz.
Eine mögliche Erklärung für deren Wirkung ist, dass beim Lutschen Zinkionen direkt im Mund- und Rachenraum freigesetzt werden. Ob dieser Mechanismus tatsächlich für die beobachteten Effekte verantwortlich ist, ist wissenschaftlich jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Für gewöhnliche Zinktabletten zum Schlucken ist die Datenlage weniger eindeutig. Deshalb lassen sich die Ergebnisse der Lutschtabletten-Studien nicht ohne Weiteres auf jedes Zinkpräparat aus der Drogerie oder Apotheke übertragen.
Von zinkhaltigen Nasensprays raten Gesundheitsbehörden ausdrücklich ab. Sie wurden mit teilweise dauerhaften Störungen des Geruchssinns in Verbindung gebracht.
Wie viel Zink hilft bei einer Erkältung?
Eine allgemeingültige Dosierung gibt es bislang nicht. In klinischen Studien wurden häufig deutlich höhere Mengen verwendet als in gewöhnlichen Nahrungsergänzungsmitteln.
Einige Untersuchungen beschäftigten sich mit Dosierungen von mehr als 75 Milligramm elementarem Zink pro Tag. Teilweise zeigten sich dabei positive Ergebnisse. Andere Studien konnten jedoch trotz vergleichsweise hoher Dosierungen keinen überzeugenden Nutzen nachweisen.
Mehr Zink bedeutet daher nicht automatisch eine schnellere Genesung.
Hinzu kommt, dass hochdosiertes Zink Nebenwirkungen verursachen kann. Das US-amerikanische NIH nennt für Erwachsene eine tolerierbare obere Gesamtzufuhr von 40 Milligramm Zink täglich. Diese Grenze bezieht sich auf die längerfristig als unbedenklich angesehene Gesamtzufuhr und ist keine pauschale Dosierungsempfehlung zur Erkältungsbehandlung.
Wer ein hochdosiertes Zinkpräparat gegen eine Erkältung verwenden möchte, sollte die Einnahme deshalb vorher mit einem Arzt oder Apotheker besprechen.
Welche Nebenwirkungen kann Zink haben?
Zink ist zwar ein lebensnotwendiges Spurenelement, in hohen Mengen aber keineswegs harmlos.
Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:
- Übelkeit und Magenbeschwerden
- Durchfall
- Ein unangenehmer oder metallischer Geschmack im Mund
- Bei längerfristiger hoher Einnahme ein Kupfermangel
Außerdem kann Zink die Aufnahme bestimmter Medikamente beeinflussen, darunter einige Antibiotika.
Insbesondere hochdosierte Präparate sollten deshalb nicht über längere Zeit ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.
Was hilft sonst dabei, eine Erkältung schnell loszuwerden?
Auch wenn Zink möglicherweise einen gewissen Vorteil bietet, bleibt die Behandlung einer gewöhnlichen Erkältung vor allem auf die Linderung der Beschwerden ausgerichtet.
Gesundheitsbehörden wie die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und der britische National Health Service (NHS) empfehlen insbesondere ausreichend Ruhe, Schlaf und Flüssigkeit.
Zudem liegen die in Studien verwendeten Dosierungen häufig über den üblichen Empfehlungen für die tägliche Zinkzufuhr und können Nebenwirkungen verursachen.
Quellen:
Cochrane (2024): Zinc for prevention and treatment of the common cold. Systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit und Sicherheit von Zink bei Erkältungen. https://doi.org/10.1002/14651858.CD014914.pub2
National Institutes of Health (NIH): Colds, Flu, and Complementary Health Approaches: What the Science Says. https://www.nccih.nih.gov/health/colds-flu-and-complementary-health-approaches
NIH Office of Dietary Supplements: Zinc – Fact Sheet for Health Professionals. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Zinc-HealthProfessional/
Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Manage Common Cold. https://www.cdc.gov/common-cold/treatment/
National Health Service (NHS): Common cold. https://www.nhs.uk/conditions/common-cold/
