FDP-Politiker auf Instagram

„Hochpeinliche Aktion“ – Rülke zieht in Video Gefängnis dem Gendern vor

Der baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Hans-Ulrich Rülke bekommt auf Instagram Häme und Spott ab. Grund dafür ist ein Video, in dem sich der Spitzenpolitiker gegen das Gendern positioniert.

Kein Freund von Binnen-I, Sternchen oder Doppelpunkten: der FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke.

© dpa/Bernd Weißbrod

Kein Freund von Binnen-I, Sternchen oder Doppelpunkten: der FDP-Politiker Hans-Ulrich Rülke.

Von Valentin Schwarz

Ein Video zum Thema Gendern mit Hans-Ulrich Rülke hat auf Instagram einen Shitstorm ausgelöst. Es zeigt den baden-württembergischen Landesvorsitzenden der FDP, wie er gemeinsam mit zwei jungen Männern in die Knie geht. Dabei kreuzen alle drei die Arme – so, als würden ihnen Handschellen angelegt. Überschrieben ist der Clip mit den Worten: „Gendern oder ins Gefängnis?“

Zu finden ist der Post auf dem Kanal der Jungen Liberalen (JuLis) Ulm-Biberach. Die FDP-Jugendorganisation greift damit einen Internettrend auf und macht deutlich, wie wenig sie von gendergerechter Sprache hält. Man wandere lieber hinter Gitter, als Binnen-I, Sternchen oder Doppelpunkte zu verwenden, so die humoristische Botschaft. Die Beschreibung des Videos untermauert dies: „Was auf keinen Fall geht, ist es, Menschen vorzuschreiben, wie sie zu sprechen haben.“

Nutzer bezeichnen Video mit Rülke als „cringe“

Das kommt nicht überall gut an. Zwar hat der am Sonntag hochgeladene Clip bislang rund 400 Likes erhalten. Und von manchen Nutzerinnen und Nutzern erhalten die JuLis und Rülke in der Kommentarspalte Zuspruch. Insgesamt überwiegen dort jedoch Häme und Spott.

Einige bezeichnen den Post als „Unfug“, „hochpeinliche Aktion“ und „cringe“. Kritik kommt scheinbar auch aus den eigenen Reihen. In einem Kommentar heißt es: „Wann sind wir als Verband falsch abgebogen?“ Tarek Carls, der 2020 bei Kommunalwahlen in Regensburg für die FDP kandidierte, schreibt: „Anscheinend sind wir zu Recht rausgeflogen.“

Damit nimmt er Bezug darauf, dass es seine Partei nicht in den aktuellen Bundestag geschafft hat. Schadenfreude über das schwache Abschneiden der FDP bei der vergangenen Bundestagswahl zieht sich durch die Kommentare.

Thema Gendern: FDP-Politiker Rülke äußert sich im Landtag

Andere Nutzerinnen und Nutzer stört es, dass sich in dem Video ausgerechnet drei Männer über das Gendern echauffieren. Außerdem weisen einige Kommentierende darauf hin, dass in keinem deutschen Bundesland eine Gender-Pflicht gibt.

Rülke hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrmals an dem Thema gerieben. So kritisierte er Anfang 2024 im Landtag, das Gendern erschwere Integration und Inklusion. Im amtlichen Schriftverkehr seien Konventionen notwendig, sagte der 63-Jährige damals. Man dürfe Kindern, Ausländern, Menschen mit Behinderung und Legasthenikern das Lernen der Sprache nicht zusätzlich durch Genderzeichen erschweren.

Pforzheimer FDP und Rülke kritisieren Plakat zum Weltfrauentag

Außerdem nahm Rülke im vergangenen Februar an einem Plakat der Stadt Pforzheim zum Weltfrauentag Anstoß. Durch die Schreibweise „Weltfrauen*tag“ sollten nicht-binäre, trans und intergeschlechtliche Menschen mit eingeschlossen werden.

Daraufhin verfasste die FDP-Fraktion im Pforzheimer Gemeinderat eine Pressemitteilung. Rülke, der auch dieser Fraktion vorsitzt, wird darin folgendermaßen zitiert: „Wortentstellende Schreibweisen mit Gendersternchen, Doppelpunkten und Großbuchstaben im Wortinnern haben in der Verwaltungssprache nichts verloren.“

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Erstellt:
1. April 2025, 16:30 Uhr
Aktualisiert:
1. April 2025, 16:35 Uhr

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