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Im Dienste der Naturschätze

Manfred Krautter dürfte vielen als engagierter Naturparkführer bekannt sein. Seinen Einsatz für Umwelt und Naturschutz hat das Land nun mit einem Verdienstorden gewürdigt. Als Geologe und Paläontologe war er zudem auf internationalem Forschungsparkett aktiv.

Manfred Krautter an Deck des kanadischen Forschungsschiffs „John P: Tully“ 1999 mit einem Kieselschwamm in der Hand. Fotos: privat/Landratsamt

Manfred Krautter an Deck des kanadischen Forschungsschiffs „John P: Tully“ 1999 mit einem Kieselschwamm in der Hand. Fotos: privat/Landratsamt

Von Christine Schick

MURRHARDT/PLÜDERHAUSEN. Manfred Krautter freut sich, wenn er auf einer Wanderung oder Radtour abseits der Hauptlinien unterwegs sein kann, Zeit für die kleinen Wunder der Natur hat und vielleicht ein Laubfrosch oder sogar Salamander seinen Weg kreuzt. Als Naturparkführer im Schwäbischen Wald macht er Einheimische und Gäste seit vielen Jahren auf diese Schätze aufmerksam. Zudem ist er Naturschutzbeauftragter und Biberberater im Rems-Murr-Kreis. Wenn die streng geschützten Nager auftauchen und infolge ihrer Bauten landwirtschaftliche Wiesen überschwemmt werden, heißt es zu überlegen, was vielleicht als Ausgleich oder Kompromiss möglich ist. An der Lein finden sich mittlerweile fünf Biberburgen. „Das sind echte Landschaftsgestalter. Wenn man die Tiere machen lassen kann, ist das richtig gut“, sagt er. Aus ökologischer Sicht könne man sich da die Finger lecken. Zudem ist Krautter Pilzsachverständiger und erkundet den Naturpark als neugieriger Mensch auch auf weiteren Ebenen. Dabei vertieft er sich beispielsweise in alte Handwerksberufe inklusive historisch-technischer Aspekte wie die Köhlerei (Mitbegründer des Köhlervereins Schwäbischer Wald), Glasherstellung (Initiator des ersten Walkersbacher Waldglastags) oder Mühlen. Nicht zuletzt hat er mit seinem Naturparkführerkollegen Walter Hieber die Premiumwanderwege Feenspuren und den jährlichen Wandermarathon aus der Taufe gehoben.

Natur- und Welterkundung hat bei Manfred Krautter immer schon eine zentrale Rolle gespielt, und in dieser Hinsicht war er auch lange als Forscher unterwegs. Geboren und aufgewachsen in Plüderhausen war relativ schnell klar: „Mich hat es raus in die Welt gezogen.“ Der Plan, das als Braumeister umzusetzen, ging zwar nicht auf, aber da er sich auch für Fossilien begeistert, entschloss er sich zu einem Studium der Geologie und Paläontologie an der Universität Stuttgart, blieb ihr als Assistent treu, promovierte und habilitierte. Seine Arbeit, die ihn zum Professor machte, befasst sich mit Kieselschwämmen und deren Ökosystemen aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit. Es galt, die damaligen Lebensbedingungen zu erforschen, herauszufinden, wie viel Sauerstoff, Sedimente und Nährstoffe die Schwämme zum Leben und Wachsen gebraucht haben könnten. Er zeigt auf eine Fensterbank, dort im Treuchtlinger Marmor stecken auch Teile versteinerter Schwammriffe, die sich somit ganz selbstverständlich im Alltag finden.

Das Besondere an Kieselschwämmen ist, dass ihr Skelett aus Glas besteht. Um sich der damaligen Ökologie zu nähern, ziehen Geologen und Paläontologen auch Rückschlüsse aus noch heute vorkommenden Exemplaren. „Die sind allerdings sehr schwer zu finden, wenn man sie entdeckt, ist das meist Zufall.“ Weil sie „echte Sensibelchen sind, ist es auch nicht möglich, sie aus ihrer Umgebung herauszunehmen und zu züchten“.

Insofern war er absolut gebannt, als er nach seiner Habilitation auf die Beschreibung von Arealen aktueller Kieselschwammriffe stieß, die ein kanadischer Wissenschaftler verfasst hatte. Krautter charakterisiert die Bedeutung in einem Vergleich: Er hat sich lange Zeit mit der Nachzeichnung eines Dinosauriers befasst und stellte nun fest, dass es noch lebendige Exemplare gibt. Er nahm Kontakt zu Kim Conway auf und es entstand eine 25-jährige intensive Zusammenarbeit. Im Rahmen eines Projekts, für das er als Professor auch deutsche Forschungsgelder akquirierte, ging es 1999 mit einem Forschungsschiff auf Expedition. Zur Ausrüstung gehörte ein kleines U-Boot, mit dem Krautter auf etlichen Tauchgängen die Kieselschwammriffe vor der kanadischen Westküste untersucht hat. Die Forschungsarbeit war fordernd. Im U-Boot war wenig Platz, sodass er auf dem Bauch liegend so viel Wissen wie möglich anhand von Proben und Aufnahmen einzusammeln versuchte, während der Fahrer auf seinem Rücken saß und das Gefährt steuerte.

Krautter und das Team fanden heraus, dass die Riffe von Booten mit Schleppnetzen zerstört wurden.

Warm war es in der Tiefe mit vielleicht fünf Grad und ohne viel Bewegungsmöglichkeit auch nicht gerade. Der Einsatz hat sich gelohnt. Die Ergebnisse ermöglichten viele wissenschaftliche Folgearbeiten und Artikel. „Wir waren total happy, da war die Welt noch in Ordnung.“ Die Ernüchterung folgte 2002, als sie bei Nachforschungen feststellen mussten, dass erhebliche Teile der Riffe verschwunden waren. Es zeigte sich, dass Fischerboote, die mit Schleppnetzen arbeiten, dafür verantwortlich waren. „Der Handlungsbedarf war offensichtlich, die Riffe waren bereits zu 50 Prozent zerstört.“ Manfred Krautter setzte sich für den Erhalt der weltweit einzigartigen und als ökologische Räume wertvollen Riffe ein und erhielt tatkräftige Unterstützung von Sabine Jessen und der Umweltschutzorganisation „Canadian Parks and Wilderness Society“ (CPAWS). Nach vielen Jahren Aufklärungsarbeit wurden die Riffe 2017 unter Schutz gestellt: Das Projekt gab den maßgeblichen Impuls für die Errichtung des Meeresnationalparks vor der kanadischen Westküste. Die Forschung kann weitergehen, wobei er auch klarmacht, wie wenig man bisher über die Schwämme weiß. Faszinierend sei das filigrane Zusammenspiel der vielleicht 15 Stellschrauben der Umgebungsbedingungen, die für ein Schwammriff notwendig sind.

Auch wenn Krautter mittlerweile nicht mehr an der Universität tätig ist, ist der 64-Jährige immer noch mit seinem damaligen Forschungsprojekt verbunden. Mit Sabine Jessen von CPAWS hat er einen Antrag gestellt, die Schwammriffe vor der kanadischen Küste ins Unesco-Welterbe aufnehmen zu lassen. Nun heißt es, auf die Entscheidung zu warten, was möglicherweise noch ein paar Jahre dauern kann.

Für sein umfangreiches Engagement hat Manfred Krautter nun den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg erhalten. Eigentlich war dies bereits 2020 geplant, wurde im April vergangenen Jahres aber wegen Corona vertagt. Staatssekretär Andre Baumann sagte gestern bei der Verleihung im Landratsamt: „Egal ob in seiner Heimatstadt Plüderhausen, in Baden-Württemberg oder rund um den Globus: Professor Dr. Manfred Krautter leistet mit seinem außergewöhnlichen Engagement seit Jahrzehnten einen wertvollen Beitrag für Umwelt und Naturschutz sowie für den Erhalt und die Pflege unserer vielfältigen Landschaft.“ Auch Landrat Richard Sigel unterstrich Krautters leidenschaftlichen Einsatz. „Die Vermittlung von Nachhaltigkeitsthemen und die Sensibilisierung für die Besonderheiten der Natur sind Professor Krautter seit jeher Herzensangelegenheit. Seit Jahrzehnten bereichert er unsere Gesellschaft mit seinem außergewöhnlichen Engagement im Dienst der Natur, des Naturschutzes und der Landschaftsvermittlung – hier in der Region und international“, so Sigel.

Staatssekretär Andre Baumann (links) bei der Auszeichnung von Manfred Krautter.

Staatssekretär Andre Baumann (links) bei der Auszeichnung von Manfred Krautter.

Der Verdienstorden des Landes

Der baden-württembergische Verdienstorden ist die höchste Auszeichnung des Landes. Der Ministerpräsident verleiht ihn für herausragende Verdienste um das Land, insbesondere im sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich.

Die Verleihung erfolgt normalerweise einmal jährlich im Rahmen eines Festakts und zwar immer im zeitlichen Zusammenhang mit dem Gründungstag des Landes am 25. April. Im Jahr 2020 wurde sie wegen der Pandemie ausgesetzt.

Alle Gruppen der Bevölkerung und alle Regionen des Landes sollen möglichst gleichmäßig berücksichtigt werden. Die Zahl der Ordensträger ist auf insgesamt 1000 lebende Personen begrenzt.

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Erstellt:
6. Mai 2021, 06:00 Uhr

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