Jerusalem

Israel veröffentlicht Liste angeblicher Terror-Journalisten

Immer wieder wird Israel vorgeworfen, gezielt palästinensische Journalisten zu töten. Die Armee veröffentlicht im Vorfeld des 7. Oktober eine Liste, die Verbindungen zum Terrorismus belegen soll. Fragen bleiben offen.

Chan Junis: Palästinenser tragen die Leiche eines Journalisten, der bei einem israelischen Angriff auf das Nasser-Krankenhaus getötet wurde (Archivfoto).

© Abed Rahim Khatib/dpa

Chan Junis: Palästinenser tragen die Leiche eines Journalisten, der bei einem israelischen Angriff auf das Nasser-Krankenhaus getötet wurde (Archivfoto).

Israel beschuldigt erneut im Gazakrieg getötete palästinensische Journalisten, als „militärische Akteure der Hamas“ und anderer islamistischer Milizen tätig gewesen zu sein. Am Donnerstag veröffentlichte die Armee rund 170 Namen auf einer eigens eingerichteten Internetseite. Bislang werden die Vorwürfe nicht eingehend belegt.

Das Militär teilte mit, man gebe zusammen mit der Identität der Journalisten auch „Geheimdienstinformationen, Dokumente, Fotos und weitere Beweise“ bekannt, die eine Verbindung zu Terrororganisationen offenlegten. Die veröffentlichten Bilder zeigen die Beschuldigten teils mit Waffen und terroristischen Emblemen. In einigen Fällen sind angebliche Auszüge von Personalregistern der Milizen beigefügt.

Wie es auf der Internetseite heißt, hatten sich die Betreffenden „als seriöse Medienvertreter ausgegeben, während sie laut Israel in Wirklichkeit für terroristische Organisationen tätig waren, die regelmäßig auf Propaganda und psychologische Kriegsführung zurückgreifen“. Einige hätten für internationale Medien wie Reuters, CNN, ABC Australia, BBC, „Le Monde“, AFP, AP und andere gearbeitet.

Keine unabhängige Berichterstattung

Nach Angaben von Organisationen wie „Reporter ohne Grenzen“ und dem „Committee to Protect Journalists“ (CPJ) wurden seit Beginn des Gazakriegs im Oktober 2023 mindestens 189 palästinensische Journalisten im Gazastreifen durch Israel getötet. Das CPJ hatte im Juni mitgeteilt, dass nach umfassender Überprüfung der eigenen Datenbank die Namen von acht Getöteten entfernt worden seien, die sich später als islamistische Kämpfer erwiesen hätten. Bei der Aufnahme in die Datenbank stüzte man sich auf mindestens zwei unabhängige Informationsquellen.

Israel lässt seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2023 keine ausländischen Journalisten zur unabhängigen Berichterstattung in den Gazastreifen. Am obersten Gericht Israels ist seit September 2024 eine Petition anhängig, mit der der Verband der Auslandspresse in Israel und den palästinensischen Gebieten freien und unabhängigen Zugang von Journalisten in den Gazastreifen fordert. Israel lehnt dies unter anderem mit dem Argument einer Gefährdung seiner Soldaten ab.

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Erstellt:
1. Oktober 2026, 19:28 Uhr

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