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Kameruner findet sein Glück bei der TSG Backnang

Bomby Nyemb ist Nachwuchstrainer bei den Volleyballern der TSG. Geboren wurde er in Edea im Süden von Kamerun. Dort hat der 38-Jährige dann das erste Mal Volleyball gespielt: „Als ich meinen Berufsabschluss machte, hatte mich ein Kollege zum Training eingeladen.“

Volleyballcoach Bomby Nyemb aus Kamerun ist beim TSG-Training immer für einen Scherz zu haben. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Volleyballcoach Bomby Nyemb aus Kamerun ist beim TSG-Training immer für einen Scherz zu haben. Foto: Alexander Becher

Von Katharina Riener

2012 verließ Bomby Nyemb sein Heimatland, die Sicherheitslage war damals schon angespannt. Dort und auch in den Nachbarstaaten kam es nach Nyembs Flucht zu bewaffneten Kämpfen, die bis heute andauern. Deshalb ist der 38-Jährige froh, den Schritt in eine andere Welt gemacht zu haben. In Deutschland angekommen verschlug es den Kameruner zunächst nach Fellbach, wo die Halle des SV bald zu einer seiner festen Anlaufstellen wurde. Für ihn war der Volleyballsport damals ein Stück Normalität. Bei den Spielen sei es nicht wichtig gewesen, dass er damals noch nicht gut Deutsch sprach, er kam mit Einheimischen in Kontakt und stellte fest, dass Deutschland und Kamerun zumindest eins gemeinsam haben: „In beiden Ländern ist nicht Volleyball, sondern Fußball die beliebteste und die bekannteste Sportart.“

Fürs Volleyball sei eher das Gegenteil der Fall, zumindest was die Bekanntheit angeht. Das findet der Nachwuchstrainer schade: „Neben der Atmosphäre bei den Spielen begeistert mich am Volleyball besonders die Vielfältigkeit. Es macht zum Beispiel einen großen Unterschied, ob man Hallen- oder Beachvolleyball spielt.“ Und zwar nicht nur beim Untergrund, sondern auch bei den Spielregeln. Der Trainer erklärt: „In der Halle sind das Feld und die Mannschaften größer“, während sich dort je sechs Spieler mit festen Positionen gegenüberstehen, wird ein Beach-Match in der Regel mit Duos bestritten. „Dementsprechend ändert sich die Strategie, außerdem darf man beim Beachvolleyball nicht wechseln, die Sätze sind aber auch kürzer.“

Kameruner bringt sich mit der TSG auch viel an Schulen ein

Ein weiterer Punkt. so Nyemb: „Das Verletzungsrisiko ist viel geringer als bei kontaktreicheren Ballsportarten wie Hand- oder Basketball.“ Trotzdem sei man, anders als beim Tennis, auf dem Platz nie auf sich allein gestellt. Der Nachwuchscoach ist überzeugt: „Ohne Teamgeist ist man nicht erfolgreich und hat keinen Spaß.“ Das gibt er auch so an seine Schützlinge weiter.

Allgemein findet es der Kameruner wichtig, dass Kinder viel mit Sport in Kontakt kommen. Er bringt sich deshalb auch mit der TSG viel an Schulen ein, wie beim Sporttag der Mörikeschule. „Da vermitteln wir hauptsächlich die Grundlagen, also Baggern und Pritschen und wie man es im Spiel anwendet, da waren die Kinder voll dabei.“ Laut Nyemb merke man, dass die Leute nach der Coronapause mit neuem Elan dabei sind, „das gemeinsame Training, der Kontakt zu den Mitspielern hat einfach allen gefehlt“. Jetzt, wo es wieder stattfinden kann, sind die Kids topmotiviert, kamen auch über die Sommerferien zuverlässig ins Training. „In einer Jugendgruppe, die ich trainiere“, erklärt Nyemb stolz, „treffen sich die, die Zeit haben, sogar schon, bevor es losgeht, um länger trainieren zu können“.

Auch auf einige Erfolge kann der Kameruner als Coach der TSG dieses Jahr blicken. Mit den U-13-Mädchen wurde Backnang württembergischer Meister. Die weibliche U 17 belegte Platz vier. „Das haben beide Teams echt super gemacht“, freut sich der Coach über die Ergebnisse und ist optimistisch, auch bald mit einem Backnanger Jungenteam an den Start zu gehen. „Wir haben dieses Jahr einen großen Mitgliederzuwachs.“ Nicht zuletzt, weil die Abteilung sehr aktiv ist. Unter anderem fand ein Jedermannturnier auf den neuen Beachvolleyballfeldern im Freibad statt. Auch präsentierten sich die Volleyballer beim Ballsportevent zum 175. Geburtstag der TSG.

So, das erzählen die Vereinsurgesteine Ernst Bachmann und Wolfgang Sterzel, habe Nyemb seinen Weg zur TSG gefunden. „Das war 2019 beim 50. Jubiläum der Abteilung, da haben wir groß gefeiert“, erinnert sich Sterzel. Nach einer Begegnung des MTV Ludwigsburg mit dem TV Rottenburg wurde zum Jedermannturnier in der Katharinenplaisirhalle eingeladen. „Da ist Bomby zum ersten Mal bei uns aufgetaucht“, so Sterzel. Und zwar keinesfalls als Unbekannter. „Er hat ja schon in Fellbach gespielt und durch Bekannte hatten wir schon von ihm gehört“, sagt Bachmann. „Als er dann hier war, haben wir ihn angesprochen, und er hat gleich Interesse gezeigt, bei uns als Trainer mit einzusteigen.“ Gesagt, getan.

Wie lange Nyemb die TSG als Trainer unterstützen würde, war zunächst aber nicht klar. Die Asylbewerberunterkunft bei der Hohenheimer Straße, in der Nyemb untergekommen war, wurde nämlich von der Stadt aufgelöst. „Da wussten wir erst mal nicht, wie es weitergeht“, schildert Bachmann. Inzwischen hat Nyemb eine Wohnung gefunden. „Darüber sind wir sehr froh“, so Bachmann. „Bomby ist seit Jahren ein fester Bestandteil unserer Abteilung und als zuverlässiger Nachwuchstrainer für uns nicht mehr wegzudenken.“

Der TSG-Nachwuchs teilt die Ansicht voll und ganz. Als einige von ihnen beim Training gefragt werden, sind sich Alexander und Amina schnell einig: „Bomby bringt uns viel bei und ist dabei immer lustig.“ Alessandra fühlt sich durch sein routiniertes Aufwärmtraining optimal auf jedes Spiel vorbereitet. Für Maxim aus der Ukraine ist Nyembs Mehrsprachigkeit von Vorteil. Er ist froh, „von dem freundlichen Trainer viele Tipps zu bekommen, wie ich mich verbessern kann“. Für die Zukunft möchte Bomby Nyemb, der Rechnungswesen gelernt hat, in Backnang bleiben und als Finanzbuchhalter oder Steuerberater arbeiten. Das Training soll aber auf jeden Fall weitergeführt werden. Für ihn ist klar: „Durch den Sportverein bin ich in Backnang angekommen.“

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Erstellt:
1. Oktober 2022, 06:00 Uhr

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