Hybridautos aus China

Kann die deutsche Autoindustrie aufatmen?

Branchenverband VDA begrüßt Einigung: EU will Einfuhr von Hybridfahrzeugen aus China deutlich eindämmen.

Hybrid-Motor eines Porsche Cayenne – kann China das genauso gut?

© imago/Sebastian Geisler

Hybrid-Motor eines Porsche Cayenne – kann China das genauso gut?

Von Michael Maier

Vorsichtiges Aufatmen im Handelsstreit, und am Montag könnten die schwer gebeutelten Aktien von Porsche und VW wieder etwas steigen. China akzeptiert eine Drosselung der Exporte von Hybridautos nach Europa – das freut grundsätzlich auch die deutsche Automobilindustrie, denn im Fall der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos wird sich die Zahl der von China nach Europa exportierten Fahrzeuge über die kommenden vier Jahre um „einige Millionen Fahrzeuge“ reduzieren. Die Lieferungen in die Europäische Union könnten dadurch um mehr als die Hälfte zurückgehen, erklärte EU-Handelskommissar Maros Sefcovic nach Verhandlungen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao in Peking.

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Preiskampf um Hybridautos: VW/Porsche gegen BYD

Laut Sefcovic ist dies das erste Mal, dass China akzeptiert habe, seine Exporte zu mäßigen, ohne zuvor eine Phase von Handelsspannungen zu durchlaufen. Die Vereinbarung ist nach Angaben beider Seiten mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar. Die Verständigung könnte für die deutschen Autobauer den Druck durch die chinesische Konkurrenz etwas lindern. Denn Hybride sind inzwischen das größte Marktsegment in der EU. Im August waren mehr als 44 Prozent der neu zugelassenen Autos Hybride oder Plug-in-Hybride – also Autos, die einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor und einer Batterie kombinieren, teils auch mit Ladeanschluss (Plug-in).

Wie bei den rein batteriebetriebenen Elektroautos konnten chinesische Hersteller auch in diesem Segment in Europa zulegen. VW-Chef Oliver Blume warnte vor einigen Wochen: „Chinesische Hersteller drängen aggressiv auch nach Europa und gewinnen schnell Marktanteile.“ Im zweiten Vierteljahr sei jeder dritte verkaufte Plug-in-Hybrid in Europa von chinesischen Herstellern gekommen. Mit ihren Preisen können die deutschen Hersteller nicht mithalten – Experten sprechen von einem „Preiskrieg“ angesichts kräftiger Rabatte von Herstellern wie BYD. Für Mercedes spielen Hybridautos ebenfalls eine immer größere Rolle.

Automobilindustrie vorsichtig positiv

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die Vereinbarung zwischen der EU und China. Die Verständigung sei ein erstes positives Signal, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller laut Mitteilung. Zugleich fügt sie hinzu, eine abschließende Bewertung der Vereinbarungen sei erst möglich, wenn die konkreten Inhalte, Rahmenbedingungen und Auswirkungen auf die Automobilindustrie im Detail bekannt würden.

Der Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses des Parlaments, teilte mit: „Es sind erste Fortschritte sichtbar, aber ein zentraler Durchbruch war das noch nicht.“ Lange lobte die vereinbarte Reduktion von Importen chinesischer Hybridautos. Dies lindere den Druck auf europäische Autobauer, ohne den europäischen Markt abzuschotten.

Handelsgespräche China-EU

Die Ergebnisse würden nun EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vorgelegt und den EU-Mitgliedstaaten, sagte Sefcovic. Hier liege die finale Entscheidung. Außerdem stellten Wang und Sefcovic für Januar ein weiteres Treffen per Videoschalte in Aussicht. Die dritte Runde der im Juni ins Leben gerufenen Handels- und Investitionsberatungen (Tic) soll im März tagen.

Für den Fall, dass China insgesamt im Handelskonflikt nicht einlenkt, dringen vor allem Deutschland und Frankreich angesichts wachsender Schäden für die europäische Industrie auf ein entschlosseneres Vorgehen gegen chinesische Importe. Sie fordern unter anderem ein neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt für bestimmte Produkte schnell eingeschränkt werden könnte.

Die EU führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte. Brüssel wirft Peking vor, mit staatlichen Subventionen für unfairen Wettbewerb zu sorgen. China warnt dagegen vor protektionistischen Maßnahmen der EU.

BDI-Chef Leibinger für EU-Interessen

Vom Bundestag beauftragte Experten raten unterdessen dazu, auf europäischer Ebene schärfere handelspolitische Instrumente gegen China vorzubereiten. „Die EU sollte im Fall eskalatorischer Maßnahmen Chinas in Handelsstreitigkeiten gegenschlagsfähig sein“, heißt es im ersten Halbjahresbericht der Kommission zur Überprüfung der sicherheitsrelevanten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und China.

BDI-Präsident Peter Leibinger schreibt in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“: „Die EU muss den Dialog mit China weiterführen, aber auch ihre wirtschaftlichen Interessen entschlossen verteidigen.“

Mit dpa-Agenturmaterial

Ein Mitarbeiter montiert Kabelbäume in einen Panamera Hybrid im Leipziger Porsche-Werk.

© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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© http://group-media.mercedes-benz

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Erstellt:
11. Oktober 2026, 10:12 Uhr

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