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Kirchturm in neuem Glanz

Die Sanierung des Kirchenkirnberger Gotteshauses ist so gut wie abgeschlossen. Bei den Arbeiten haben die Verantwortlichen auch seltene Untermieter im Blick gehabt – das Graue Langohr und das Große Mausohr.

Der eingerüstete Kirchturm.

Der eingerüstete Kirchturm.

Von Christine Schick

Kirchenkirnberg. Seit vielen Jahren war klar, dass der Turm instand gesetzt werden muss. Allerdings hat sich die evangelische Kirchenkirchengemeinde Kirchenkirnberg entschlossen, zunächst noch die Elektrosanierung des Gebäudes in Angriff zu nehmen. Als Pfarrer Steffen Kaltenbach dann den Stab von Alexandra Winter und Peter Stadler übernahm, begleitete er als erstes Projekt, barrierefreie Zugänge fürs Gotteshaus zu schaffen. Danach rückte dann die Turmsanierung allmählich in den Fokus. Architekt Hans-Günter Schädel nahm sich des Projekts an und die Freiwillige Feuerwehr Murrhardt unterstützte mehrfach mit der Drehleiter, damit sich die Fachleute ein Bild von den Schäden machen konnten. Die erste Kostenschätzung im Jahr 2018 lag bei 145000 Euro. Bei Basaren der Kirchengemeinde wurde bereits fleißig für die Sanierung gesammelt, und der Architekt brachte einen Förderantrag an das Landesamt für Denkmalpflege auf den Weg. Hans-Günter Schädel konnte die näher rückende Umsetzung nicht mehr betreuen. Er starb im November 2019, und das Vorhaben wurde in die Hände der Architekten Martin Klaiber und Martin Oettle gelegt. Die Aufgabe stellte sich als umfangreicher als ursprünglich angenommen heraus, was letztlich auch eine Nachkalkulation und eine deutlich höhere Kostenschätzung mit rund 260000 Euro nach sich zog.

Wie sahen die Schäden konkret aus und was gab es zu tun? „Die Schieferdeckung des Turms war schadhaft, es gab richtige Löcher, auch die Asphaltmatte war defekt, sodass Wasser eindringen konnte und Schäden am Holz verursacht hat“, erzählt Steffen Kaltenbach. Zudem haben Käfer beziehungsweise Insekten den Balken zugesetzt. Trotzdem waren die Schäden am Holz nicht ganz so groß wie befürchtet. Darüber, dass die Materialien noch vor den einsetzenden Preissteigerungen bestellt wurden, ist die Gemeinde heute froh.

Pfarrer Kaltenbach berichtet, dass ein weiteres, spannendes Thema auf den Plan trat: die Untermieter des Kirchturms. Denn unter ihnen sind die beiden seltenen Fledermausarten Graues Langohr und Großes Mausohr. „Es können noch weitere sein, aber bei den zwei ist man sich sicher.“ Es wurde ein Konzept für die Tiere erarbeitet und Zimmerermeister Klemens Maier hat die Gemeinde bei der Umsetzung unterstützt. So haben die Fledermäuse eine Wärmeglocke für ihr Ausweichquartier während der Turmsanierung unterm Kirchenhauptdach erhalten, das auch bisher schon besiedelt war. Damit die Umsiedlung für beide Seiten eine klare Sache war, wurde ein Sichtschutzvorhang eingezogen, erzählt Steffen Kaltenbach.

Im Frühjahr fiel der Startschuss für die Turmsanierung. Für die Fachleute hieß es, die alten Schindeln abzunehmen, eine neue, stabile Dachaußenhaut einzuziehen, Latten- und Balkenelemente zu erneuern und später frisch mit Schieferschindeln einzudecken. Hinzu kam die Installation neuer Dachrinnen sowie eines Blitzschutzes nach dem Stand der Technik. Die Schallschutzläden wurden erneuert und ein Steinmetz nahm sich der Risse und angegriffenen Steine in der Turmfassade an. „Außerdem wurde sie abgestrahlt, deshalb wirkt der Turm jetzt so hell.“ Auch die Kirchturmuhr und -zier wurden in die Sanierung miteinbezogen, unter anderem erhielten Zeiger und Gockel einen neuen goldenen Anstrich und strahlen nun insbesondere bei sonnigem Wetter. Einen Wermutstropfen gibt es leider: Aufgrund eines Wassereinbruchs sind erhebliche Schäden an der Orgel zu beklagen, deren Reparatur in der Finanzierung noch strittig ist.

Die Sanierung ist nun aber so gut wie abgeschlossen, nur noch ein paar kleinere Restarbeiten sind zu erledigen. Und die Fledermäuse können in ihr altes Zuhause umziehen beziehungsweise eingeladen werden. Wer an der Wärmeglocke – sie bleibt bestehen – hängt, kann aber im Hauptdach weiterwohnen, könnte man salopp sagen. Erfreulich für die evangelische Kirchengemeinde ist, dass die Turminstandsetzung ins Denkmalförderprogramm 2021 aufgenommen wurde und eine Unterstützung vom Land Baden-Württemberg erhält. Zum Zuge kommen rund 50 Kulturdenkmale. „Das Murrtal und der Wahlkreis Backnang besitzt viele schöne Kulturdenkmäler. Der Erhalt dieser Denkmäler ist der grün-geführten Landesregierung ein wichtiges Anliegen. Als Abgeordneter freue ich mich, dass sich das Bekenntnis der Landesregierung zur Denkmalförderung auch in Zahlen ausdrückt. Die rund 29000 Euro Förderung für die Sanierung des Kirchturms in Kirchenkirnberg sind gut angelegt“, sagt Grünen-Landtagsabgeordneter Ralf Nentwich und ergänzt: „Neben dem Denkmalschutz kamen auch Naturschutzaspekten eine wichtige Rolle bei der Sanierung zu. Der Kirchturm beherbergt seltene Fledermausarten wie das Große Mausohr und das Graue Langohr. Eine sogenannte Wärmeglocke und ein neuer Unterschlupf für die Fledermäuse waren wichtiger Bestandteil der Sanierung. Mit dem neuen Kirchturm dürften sich somit Kirchenbesucher und Kirchenfledermäuse rundum wohlfühlen.“

Zwar hätte Pfarrer Steffen Kaltenbach während der Arbeiten noch gerne die eine oder andere Führung, eine Erkundungsaktion für Jugendliche oder ein Baustellenfrühstück angeboten, bekannterweise ließ dies die Pandemie jedoch nicht zu. Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen und die Beschäftigung mit dem Gebäude machte für ihn wieder einmal deutlich, wie engagiert und unerschrocken der Wiederaufbau der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt sein muss. Zudem bleibt solch ein historisches Gebäude eine permanente Erhaltungsaufgabe. „In rund zehn Jahren muss das Hauptdach neu gedeckt werden.“

Die Murrhardter Feuerwehr – hier Kommandant Stefan Krehan (rechts) – und Zimmerermeister Klemens Maier haben die Kirchengemeinde bei den Planungen für die Sanierung immer wieder unterstützt. Fotos: privat

Die Murrhardter Feuerwehr – hier Kommandant Stefan Krehan (rechts) – und Zimmerermeister Klemens Maier haben die Kirchengemeinde bei den Planungen für die Sanierung immer wieder unterstützt. Fotos: privat

Die Uhr erhält einen neuen Anstrich.

Die Uhr erhält einen neuen Anstrich.

Kirchturm in neuem Glanz
Beim Denkmalförderprogramm sind aktuell 48 Prozent Projekte von Kirchen berücksichtigt

Denkmalförderung Zum Erhalt und zur Sanierung von 50 Kulturdenkmalen im Land hat das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen weitere 4,1 Millionen an Fördermitteln freigegeben. Im Rahmen der letzten Tranche des Denkmalförderprogramms 2021 entfallen rund 34 Prozent der Bewilligungen auf Vorhaben privater Eigentümer, 48 Prozent auf Projekte von Kirchen und 18 Prozent auf Vorhaben von Kommunen. Als eines von nur wenigen Bundesländern unterstützt Baden-Württemberg seit über 40 Jahren Denkmaleigentümer beim Erhalt ihrer Denkmale. Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel können private Antragsteller für Maßnahmen an ihrem Kulturdenkmal eine Förderung von 50 Prozent der denkmalbedingten Mehraufwendungen erhalten, Kirchen und Kommunen 33 Prozent.

Finanzierung Die Kosten der Turmsanierung werden auf rund 260000 Euro geschätzt. Neben dem Zuschuss als Kulturdenkmal (29420 Euro) soll das Gotteshaus Gelder vom Ausgleichsstock der württembergischen Kirchengemeinden über 107000 Euro erhalten, zudem ist geplant, dass die Landeskirche und der Kirchenbezirk mit je 22000 Euro unterstützen. Die eigene Gemeinde muss den Rest schultern, wobei 33700 Euro über Spenden und Erträge von Feiern und Aktionen gesammelt wurden.

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Erstellt:
9. Dezember 2021, 06:00 Uhr

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