Das Volk, das im Dunkeln lebt
Konfliktforscherin: Iranisches Regime durch den Krieg gestärkt
US-Präsident Donald Trump hatte mit der Auslöschung des Iran gedroht. Stattdessen soll es nun einen Waffenstillstand geben. Was dies für das Regime im Iran bedeutet, erklärt eine Konfliktforscherin.
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Nach 30 Tagen Luftangriffen sind die Verwüstungen im Iran gewaltig. Und doch hat das Regime den Krieg mit den USA und Israel überlebt und stellt sich als unbesiegt dar.
Von Markus Brauer/KNA
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. „ So heißt es im Buch des Propheten Jesaja (Kapitel 60, Vers 2) im Alten Testament.
Viele Iraner, die seit 47 Jahren unter der Knechtschaft des Mullah-Regimes leben, hatte sich das wohl von der US-Intervention erhofft. Doch das „große Licht“, das US-Präsident Donald Trump zu bringen versprach, ist nie angekommen. Im Gegenteil: Die Dunkelheit, die das iranische Volk umgibt, ist noch finsterer, noch hoffnungsloser, noch undurchdringlicher geworden.
Iranisches Regime im Aufwind
Angesichts der jüngsten Entwicklungen sieht Konfliktforscherin Sara Bazoobandi das iranische Regime im Aufwind. Noch sei es zu früh, um die Lage nach dem Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA sowie Israel abschließend einzuschätzen, erklärt die Forscherin am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg sowie am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK).
Sollte jedoch der Waffenstillstand halten und Trump tatsächlich iranische Bedingungen akzeptieren, „wäre dies ein erheblicher Schlag für die amerikanische Abschreckungswirkung und ein bedeutender Sieg für das Regime“ mit Blick auf die regionalen Machtverhältnisse, erläutert die Wissenschaftlerin.
Innenpolitisch gärt es weiter
„Die Islamische Republik wird dieses Ergebnis gegenüber ihrem heimischen Publikum wahrscheinlich als Beweis für ihre Widerstandsfähigkeit und Stärke darstellen“, erläutert Bazoobandi. „Die existenziellste Auseinandersetzung des Regimes ist jedoch nicht die mit den Vereinigten Staaten oder Israel sondern die mit dem eigenen Volk.“
Der Waffenstillstand löse die Krise im Inland nicht, fügt die Konfliktforscherin hinzu. „Solange das Regime weiterhin Dissens unterdrückt, politische Gefangene hinrichtet und seiner Bevölkerung den Zugang zum Internet verwehrt, kann es der grundlegenden Frage nach seiner Legitimität nicht entgehen.“
Militärisches Überleben und politische Legitimität seien nicht dasselbe. „Kein Waffenstillstandsabkommen ändert etwas an der Lage einer Bevölkerung, die monatelang im Dunkeln gehalten wurde.“
