Etikette, Kleidung, Benimmregeln
Leo XIV. in Sneaker: Was darf ein Papst – und was nicht?
Was darf, kann, soll ein Papst? Eigentlich alles, wozu er Lust und Laune hat – Hauptsache es geschieht im rechten Glauben.
© Vatican News
Es ist nicht das erste Mal, dass Papst Leo XIV. für seinen Kleidungsstil gelobt wird. Jetzt macht ein altes Foto aus dem Jahr 2011 im Netz die Runde. Die Kombi aus Gewand und Sneaker begeistert offemnbar viele User.
Von Markus Brauer/KNA
Ein altes Foto von Papst Leo XIV. sorgt derzeit in den sozialen Medien für Aufsehen. In einem Video ist der erste US-amerikanische Papst mit Nike-Sneakern unter seiner Priesterkleidung zu sehen.
— Dans le bande-annonce de « Leone a Roma », documentaire produit par le Vatican pour le 1er anniversaire du pontificat, on peut apercevoir le futur pape Léon XIV, Robert Francis Prevost, marchant en soutane avec des baskets Nike aux pieds. (Vatican News) pic.twitter.com/tRbZYMjrwT — L'Écho Chrétien (@lechochretien) May 7, 2026
„Leone a Roma“
Mit dem kurzen Trailer „‘Leone a Roma‘ – a documentary on Prevost’s years in the Eternal City“ löste der Vatikan im Netz einen regelrechten Social-Media-Hype aus.
Die Dokumentation vatikanischer Medien beleuchtet Erlebnisse und Stationen seines Wirkens in Italien, darunter Reisen, Begegnungen mit seinen Ordensbrüdern sowie seine Zeit als Leiter des Augustinerordens.
Eine Szene daraus verbreitete sich nun viral: Aufmerksame Sneaker-Fans identifizierten die Schuhe im Netz als mutmaßliche Nike Franchise Low, ein vergleichsweise schlichtes und preiswertes Modell.
„Nike wurde jetzt offiziell gesegnet“
Gerade der Kontrast zwischen traditioneller Kirchenkleidung und modernem Streetwear sorgte auf Plattformen wie Instagram, Reddit und X für zahlreiche Reaktionen. Kommentare wie „Nike wurde jetzt offiziell gesegnet“ oder „Du kannst den Jungen aus Chicago holen, aber nicht die Nike-Schuhe aus dem Jungen“ verbreiteten sich rasant im Netz.
For those asking, Pope Leo XIV wore these sneakers to celebrate a Mass for Augustinian youth at World Youth Day in Sydney in 2008. pic.twitter.com/qo2i5kWGwQ — Christopher Hale (@ChristopherHale) May 10, 2026
Pope Leo XIV spotted wearing Nike Franchise Low sneakers under robe in viral photohttps://t.co/yJ0soZHOtm — The Standard Digital (@StandardKenya) May 11, 2026
#ATENCION | El papa León XIV se volvió viral tras aparecer usando zapatillas Nike en el tráiler del documental “Leone a Roma”. La imagen sorprendió en redes sociales y desató comentarios sobre el inesperado estilo urbano del sumo pontífice. Los detalles ➡️ https://t.co/Nv7vXptmmJ… pic.twitter.com/A2Ch5d32Vi — CENTRO Digital (@radiocentroec) May 9, 2026
Baseballkappe der Chicago White Sox und weiße Soutane
Leo XIV. sorgt nicht zum ersten Mal für modisches Aufsehen: Sowohl die „Vogue“ als auch die „New York Times“ zählten ihn zu den stilvollsten Persönlichkeiten des Jahres 2025. Die „New York Times“ schrieb, der erste Papst aus den USA habe „für immer das Bild des Papsttums“ verändert.
Aufmerksamkeit erregte unter anderem ein Auftritt, bei dem Leo XIV. eine Baseballkappe der Chicago White Sox zur weißen Soutane trug.
Pope Leo XIV wore a baseball cap at the Vatican this week to support his hometown team, the Chicago White Sox. pic.twitter.com/vyPSxJwOcB — Pubity (@pubity) June 13, 2025
Knigge für Päpste
Wie verhält man sich während einer Papst-Rede? Welches ist die richtige Anrede für den Heiligen Vater? Wie äußert sich der Respekt gegenüber dem Kirchenoberhaupt? Benimmregel-Ratgeber für Vatikan-Gäste gibt es reichlich. Doch wie sieht es mit einem Knigge für Päpste aus?
In der Fernsehserie „The Young Pope“ läuft der Papst mit Flipflops durch die Gegend, raucht und redet gotteslästerlich daher.
Doch wie sieht es in der Wirklichkeit mit einem Knigge für Päpste aus? Hier einige Hinweise aus der pontifikalen Etikette.
Päpstliche Universalgewalt
Dem Papst kommt im katholischen Kirchenrecht die zentrale Rolle zu. Als Bischof von Rom führt er das dem Apostel Petrus von Jesus übertragene Amt fort. Er hat den Ehrenvorrang vor allen Bischöfen, ist Haupt der Kirche und Träger der Höchstgewalt.
Im Prinzip darf und kann er alles, was er will – soweit seine Worte und Taten mit den kirchlichen Dogmen übereinstimmen und er im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte handelt.
Er kann von seiner Universalgewalt frei Gebrauch machen. Das bedeutet: Nichts und niemand, keine kirchliche Instanz kann ihn daran hindern, das zu tun und zu sagen, was er für richtig und rechtens hält. Seine Vollgewalt erstreckt sich auf alle kirchlichen Sachgebiete – Exekutive, Judikative, Legislative. Der Papst ist quasi ein absolutistischer Herrscher.
Päpstliche Etikette und Dresscode
Aber auch für Päpste gibt es Grenzen des Anstands: Grelle Irokesenfrisur statt weißem Scheitelkäppchen („Pileolus“), abgerissene Jeans statt weißer seidener Soutane, laute Rülpser während der Predigt – all das ist mit dem höchsten Kirchenamt schlecht vereinbar.
Aber nur weil ein Papst lacht und scherzt, Kinder herzt und mit Bediensteten zu Tische sitzt, riskiert er nicht gleich seine Unfehlbarkeit. Auch Päpste sind nur Menschen.
Das vatikanische Hofzeremoniell stammt aus Zeiten, als noch Kaiser, Könige und Fürsten regierten. Es ist streng und bis ins kleinste Detail festgelegt. In der Regel fügen sich Päpste in das Prozedere. Was die vatikanische Etikette gebietet, sind Verhaltensregeln (ehrwürdiges Auftreten, sorgsam gewählte Ansprache, nobles Wesen) und Kleidungsvorschriften, die sich in der Kirchengeschichte herausgebildet haben.
Folgender Dresscode ist Päpsten vorgeschrieben:
- Soutane (ein mit engen Ärmeln versehenes knöchellanges Obergewand, weiß)
- Mozetta (Schulterumhang, weiß)
- Pileolus (Scheitelkappe, weiß)
- Bis auf die rotbraunen Kalbslederschuhe (der Farbton wechselt, Benedikt XVI. liebte feuerrote Edeltreter) ist die Kleidung schneeweiß.
Wie sich der Amtsinhaber darunter kleidet – bunte Shorts, bedruckte T-Shirts, gestreifte Socken – dürfte (wenn überhaupt) nur seinem Kammerherrn und den Ordensschwestern, die den päpstlichen Haushalt führen, bekannt sein.
Päpstliche Ferien
Papst zu sein ist ein echter Knochenjob. Deshalb müssen die Amtsinhaber auch mal entspannen und ausgiebig Urlaub machen. In den heißen Sommerwochen entfliehen sie traditionell dem römischen Glutofen nach Castel Gandolfo.
Johannes Paul II. war ein begeisterter Skifahrer und Wanderer.
Benedikt XVI. stand mehr auf Spaziergänge und Bücherschreiben.
Franziskus war ein Stadt-Fan. Auch in den Ferien zog er sein Drei-Zimmer-Appartement im Gästehaus Santa Marta der päpstlichen Sommerresidenz mit den herrlichen Gärten in den kühleren Albaner Bergen vor.
Leo XIV. hatte im Sommer 2025 die Tradition der Sommerfrische in Castel Gandolfo wiederbelebt und dort vom 6. bis 20. Juli zwei Wochen verbracht. Er hat damit eine 13-jährige Pause beendet.
