Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Lizenz zum Gassigehen

Die Landesregierung will Hundehalter stärker in die Pflicht nehmen. Der Sachkundenachweis, oft als Hundeführerschein bezeichnet, soll helfen, mehr Sicherheit im Umgang mit den Tieren zu gewährleisten. Zudem geht es um den Schutz für die Vierbeiner.

Für Hundetrainerin Kristin Strohmaier (links) ist es wichtig, die Vierbeiner, mit denen sie arbeitet, respektvoll zu behandeln. Karolin Kappler kommt mit Silver zu ihr ins Training, um den Hundeführerschein zu machen, den der Verband unabhängig von der Einführung schon anbietet. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Für Hundetrainerin Kristin Strohmaier (links) ist es wichtig, die Vierbeiner, mit denen sie arbeitet, respektvoll zu behandeln. Karolin Kappler kommt mit Silver zu ihr ins Training, um den Hundeführerschein zu machen, den der Verband unabhängig von der Einführung schon anbietet. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

SULZBACH AN DER MURR/BACKNANG. Seitdem Anfang Mai bekannt wurde, dass die Landesregierung plant, einen Hundeführerschein einzuführen, haben Hundetrainerin Kristin Strohmaier unzählige Anrufe erreicht. Eine der zentralen Fragen ist, wer ihn künftig ablegen muss, erzählt sie. Da man sich am Vorbild Niedersachsens orientieren will, könnte es zwar sein, dass ähnlich wie dort Personen, die in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre lang einen Hund hatten oder betreut haben, ausgenommen sind. Auch gut möglich ist, dass ein theoretischer Teil zum Wissen rund um den Vierbeiner vor der Anschaffung abgelegt werden muss und die praktische Prüfung dann innerhalb des ersten Jahres erfolgen kann, aber die genaue Ausgestaltung sowie der Einführungstermin sind noch offen. Für die Trainerin und Inhaberin einer Hundeschule in Sulzbach an der Murr ist die Größe des Vierbeiners kein gutes Kriterium. „Auch ein kleiner Hund, der nicht hört, kann großen Schaden anrichten“, sagt sie. Beispielsweise wenn er auf die Straße rennt und es zu einem Verkehrsunfall kommt oder einen größeren Artgenossen angeht, der sich wehrt, beißt und dann ungerechtfertigterweise im Fokus stehe. Natürlich könne man Vorfälle nicht zu 100 Prozent ausschließen („Ein Hund ist einfach auch ein Lebewesen“), aber ein Hundeführerschein zielt für sie darauf, dass der Halter in der Lage ist, seinen Vierbeiner einzuschätzen und insofern lenken zu können. Dazu gehört auch ein Gespür, wann er den Hund in einer nicht überschaubaren Situation im Zweifel zu sich holt oder anleint.

Die Lage habe sich vor dem Hintergrund der Pandemie verändert: Ihrer Wahrnehmung nach haben sich in letzter Zeit sehr viele Menschen in der Umgebung einen Hund angeschafft. „An einem Wochenende in diesem Februar hatte ich 14 Neuanmeldungen“, sagt Kristin Strohmaier. Außerdem macht sie einen Trend zum Zweit- und Dritthund aus. „Das ist in der Haltung ein Riesenunterschied. Schon bei zwei Hunden gibt es eine Gruppendynamik.“ Meist schauten sich die Vierbeiner negative Verhaltensweisen voneinander ab beziehungsweise negatives Verhalten wie Bellen könne sich hochschaukeln und verstärken. „In der Coronazeit kam es zu sehr vielen, sehr schnellen Käufen von Hunden, die nicht gut durchdacht waren. Wenn ein Hundeführerschein Pflicht wäre, denke ich, sähen die Entscheidungen anders aus.“ Manche seien aufgrund der Situation auf Hunde ausgewichen, die von Tierschutzorganisationen aus dem Ausland vermittelt werden. Hier gibt Kristin Strohmaier zu bedenken, dass die Tiere bereits eine eigene Geschichte mitbringen, traumatisiert sein können und es deshalb möglich ist, beim Training mehr Zeit und Geduld investieren zu müssen.

Sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie den Hundeführerschein für sinnvoll hält. Bei ihr können ihn Frauchen und Herrchen mit ihren Vierbeinern seit zehn Jahren ablegen – und zwar in der Form, die der „Internationale Berufsverband der Hundetrainer&Hundeunternehmer“ (IBH) entwickelt hat. Neben der praktischen Sicherheit im Umgang werden auch zentrale Themen beispielsweise zu Gesundheit oder rechtlichen Aspekten vermittelt. „Manche wissen beispielsweise nicht, dass sie verpflichtet sind, den Kot einzusammeln oder dass eine Sicherung im Auto nötig ist.“ Natürlich komme es nun auf die konkrete Umsetzung der Landesregierung an. Wichtig ist Kristin Strohmaier dabei, dass die Regelungen auf Basis des aktuellen Wissenstands fußen. Schlecht fände sie es, wenn beispielsweise ein altes hierarchisches Rollenbild transportiert würde. „Wir arbeiten mit positiver Verstärkung und der IBH steht dafür, den Hund respektvoll zu behandeln“, auch wenn es natürlich um Regeln und Grenzsetzung im Alltag gehe.

Monika Perret drückt es so aus: „Pebbles ist quirlig und es ist gut, wenn sie in der Hinsicht eine gewisse Struktur bekommt.“ Die Sulzbacherin hat mit ihrer französischen Bulldogge, die fälschlicherweise auch mal als Mops eingeordnet werde, bereits im Herbst 2018 den Hundeführerschein gemacht. Für sie war klar, sich vor dem Kauf schon mit der Rasse zu beschäftigen, „letztlich bleibt es aber auch ein Überraschungspaket, jeder Hund ist anders“. Für Claudia Erkert-Bursztyn stand von Anfang an fest, dass nach dem Abschied vom 16 Jahre alten Bonny wieder ein Golden Retriever in die Familie kommen würde. Jala sollte aber nicht nebenher erzogen, sondern gezielt ausgebildet werden. Sie hat ihren Hundeführerschein 2020 abgelegt und für ihr Frauchen bedeutet das, bei Begegnungen in Sulzbach und Umgebung Sicherheit zu haben und eben nicht den Stress, auf die nächste Wiese ausweichen zu müssen.

Silver hat sich als Familienhund bewährt, aber Karolin Kappler will auch Sicherheit im und fürs Umfeld.

Der neun Monate alte Silver und Karolin Kappler aus Backnang haben das noch vor sich. Der junge Schäferhund habe sich schon als toller Familienhund bewährt – insbesondere im Umgang mit ihren sechs und drei Jahre alten Mädels –, trotzdem hält sie Training und Ausbildung für wichtig. „Letztlich ist für mich die Überschrift nicht so entscheidend, aber dass sich mein Hund gut mit den anderen verhält.“ Genauso will Miriam Neumann aus Oppenweiler sich sicher im Alltag bewegen können und nimmt deshalb den Hundeführerschein mit ihrem acht Monate alten Labrador Boomer in Angriff. „Es ist wichtig, dass er hört, wenn ich mit ihm und meinen Kindern unterwegs bin.“ Die Einführung des Hundeführerscheins zielt ganz klar auf die Reduzierung kritischer Situationen. In Sulzbach an der Murr ist im März eine Fußgängerin von zwei frei laufenden Hunden gebissen worden, was für einigen Gesprächsstoff sorgte. Michael Heinrich, Hauptamtsleiter der Gemeinde, bestätigt, dass es immer mal wieder Vorkommnisse gebe, dieser Fall aber einer der gravierenderen gewesen sei. In zwei anderen, an die er sich erinnert, hätten zwei Jugendliche und ein älteres Ehepaar sich durch die Begegnung mit unangeleinten Hunden bedroht gefühlt. „Alles, was dazu dient, dass Hundehalter sensibilisiert werden, und hilft, solche Situationen zu vermeiden, begrüße ich“, sagt er.

Sogenannte Beißvorfälle landen auch auf dem Schreibtisch von Irmtraud Wiedersatz. Die Bürgermeisterin von Burgstetten verspricht sich vom geplanten Hundeführerschein einen Rückgang solcher Zwischenfälle. Als Vorsitzende des Tierschutzvereins Backnang und Umgebung sagt sie: „Wir begrüßen die Einführung sehr.“ Zwar sei die genaue Ausgestaltung noch offen, aber bei bestehenden Modellen ist vor der Anschaffung eines Vierbeiners ein theoretischer Wissensnachweis erforderlich. „Dies verhindert in jedem Fall Spontankäufe und ist somit auch ein Instrument gegen den illegalen Welpenhandel.“

Mit Blick auf das Vereinstierheim in Großerlach stellt sich die Frage, ob Klienten, die einen Hund adoptieren wollen oder adoptiert haben, vielleicht typische Probleme haben und ein Hundeführerschein hier helfen könnte. Aber durch die umfangreiche Aufklärungsarbeit des Teams gebe es selten Probleme mit den vermittelten Hunden, erläutert die Vorsitzende. Der Vierbeiner sei bekannt und damit sei auch klar, ob er beispielsweise besser in einer Familie, bei einer einzelnen Person oder einem Ehepaar ohne Kinder untergebracht werden sollte und ob er sich mit anderen Haustieren versteht. „Es ist eher so, dass sich Hundehalter bei uns melden, weil sie mit ihrem Hund überfordert sind und sie ihn deswegen abgeben möchten. Sie haben sich das oft einfacher vorgestellt. Daher macht die Einführung eines Hundeführerscheins durchaus Sinn“, sagt Irmtraud Wiedersatz.

Gibt es Bedenken, dass sich Tiere aus dem Heim dann aber auch schwerer vermitteln lassen? Ohne Klarheit über die Details der Regelungen sei das noch schwer abzuschätzen. „Es kann natürlich schon dazu führen, dass die Verweildauer im Tierheim dadurch länger wird, auf der anderen Seite werden sich die Interessenten für einen Hund hoffentlich rechtzeitig zu diesem Sachkundenachweis anmelden. Dann steht einer Vermittlung nichts im Wege.“

Beratungen bisher selten genutzt

Zum Artikel

Erstellt:
9. Juni 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Murrhardt und Umgebung

Post aus dem Buckingham-Palast

Wahlmurrhardterin Gabriele Gampper fühlt sich als gebürtige Coburgerin dem englischen Königshaus verbunden und verfolgt die royalen Ereignisse seit jeher. Aber damit, dass ein Brief, den sie Anfang 2020 aufsetzt, beantwortet wird, hätte sie nicht gerechnet.

Murrhardt und Umgebung

Wenn der Zufluchtsort zeitweise wegfällt

Durch die Coronapandemie ist es für Sozialpädagogen und Streetworker in der offenen Jugendarbeit schwieriger geworden, Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Gleichzeitig sind mehr Probleme da, berichten Fachkräfte aus dem Jugendzentrum in Murrhardt.

Murrhardt und Umgebung

Lizenz zum Gassigehen

Die Landesregierung will Hundehalter stärker in die Pflicht nehmen. Der Sachkundenachweis, oft als Hundeführerschein bezeichnet, soll helfen, mehr Sicherheit im Umgang mit den Tieren zu gewährleisten. Zudem geht es um den Schutz für die Vierbeiner.