Teilübernahme

Lufthansa siegt im Bieterrennen um TAP in Portugal

Europas größter Luftverkehrskonzern hat den Zuschlag für eine Minderheitsbeteiligung von 44,9 Prozent an der staatlichen Airline TAP erhalten.

Aus strategischer Sicht ist die Tap für Lufthansa laut Experten ein attraktiver Kandidat.

© Armando Franca/AP/dpa

Aus strategischer Sicht ist die Tap für Lufthansa laut Experten ein attraktiver Kandidat.

Von Michael Maier

Im Bieterwettstreit um Anteile an der portugiesischen Fluglinie TAP hat sich die Lufthansa gegen die niederländisch-französische Air France-KLM durchgesetzt. Nach Angaben der Regierung in Lissabon bot der deutsche Luftfahrtkonzern 1,025 Milliarden Euro für eine 44,9-prozentige Beteiligung an der Airline, die in der Corona-Krise vom portugiesischen Staat gerettet worden war. Für die Lufthansa ist die Beteiligung auch von strategischer Bedeutung.

Die Lufthansa habe mit ihrem Angebot um 16 Prozent über dem der Mitbewerberin gelegen, sagte Portugals Regierungschef Luís Montenegro am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung. 50,1 Prozent der Anteile an TAP sollen nun weiterhin im Staatsbesitz bleiben, fünf Prozent den Beschäftigten der Airline vorbehalten bleiben.

Lufthansa-Drehkreuz in Lissabon

Für den 44,9-Prozent-Anteil hatten sowohl Air France-KLM als auch die Lufthansa ein Angebot abgegeben. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte dabei im vergangenen November betont, dass TAP eine „große strategische Bedeutung in der europäischen Luftfahrtindustrie“ habe. Der Konzern erklärte damals, dass eine Partnerschaft mit TAP die portugiesische Hauptstadt Lissabon „als atlantisches Drehkreuz im Netzwerk der Lufthansa Group“ stärken könne – und zudem ein Ausbau der „Konnektivität zwischen Europa und anderen Weltregionen wie Südamerika, Afrika oder Nordamerika“ möglich sei.

Der MDax-Konzern Lufthansa hat jetzt gute Aussichten, nach der Übernahme der italienischen Ita einen weiteren wichtigen Luftverkehrsmarkt in Europa zu dominieren. TAP beschäftigt etwa 7700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt eine Flotte von rund 100 Airbus-Maschinen.

Milliarden-Deal zwischen Lufthansa und TAP

Die portugiesische Regierung verkauft mindestens 44,9 Prozent der Anteile an der „Transportes Aéreos Portugueses“ an die Lufthansa. Der Gesamtwert der Transaktion beläuft sich einschließlich der für die Beschäftigten reservierten fünf Prozent auf 1,201 Milliarden Euro. Sollten die Mitarbeiter ihr Erwerbsrecht nicht nutzen, kann der deutsche Konzern auch die restlichen Anteile übernehmen. Die Mehrheit bleibt zunächst beim Staat.

Das Angebot der Lufthansa sei um 16 Prozent höher ausgefallen als das des Konkurrenten und mit geringeren Unsicherheiten verbunden, begründete Ministerpräsident Luís Montenegro die Entscheidung seines Kabinetts. Dies sei „die beste Wahl für die Zukunft des Unternehmens und der beste Schutz für das nationale Interesse“.

Die Lufthansa verpflichtet sich den amtlichen Angaben zufolge, die Flotte von Tap auf 117 Maschinen im Jahr 2035 und nach Fertigstellung des neuen Flughafens von Lissabon auf 130 Flugzeuge auszubauen. Dazu sollen nach 2030 acht Airbus A350-900 von der Lufthansa zu Tap wechseln. Auch die Flotte der Regionalfluggesellschaft Portugália soll modernisiert werden.

9400 TAP-Beschäftigte

Die Lufthansa beteiligt sich an einer durchsanierten Airline mit guten Wachstumsperspektiven. Der Staat hatte eine erste Privatisierung aus dem Jahr 2015 in der Corona-Krise rückgängig gemacht und rund 3,2 Milliarden Euro in die Gesellschaft gepumpt. Die Tap verfügt nun über eine junge Airbus-Flotte mit gut 100 Flugzeugen und hat 2025 das vierte Jahr in Folge einen Gewinn eingeflogen, der mit 4,1 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,3 Milliarden Euro allerdings gering ausfiel. Im ersten Halbjahr 2026 gab es hingegen wegen der hohen Kerosinpreise einen Verlust von 99,2 Millionen Euro. Das Unternehmen mit rund 9.400 Beschäftigten hat zudem einen von der EU überwachten Restrukturierungsplan abgeschlossen und darf wieder wachsen.

Lufthansa auf der iberischen Halbinsel

Auf der iberischen Halbinsel ist der Konzern neben der dominierenden spanischen IAG-Tochter Iberia bislang nur schwach vertreten. Zwar erscheint der portugiesische Heimatmarkt der Tap vergleichsweise klein, die wahre Bedeutung der Airline liegt im engen Netz in das größte Land Südamerikas, das portugiesischsprachige Brasilien.

„Aus strategischer Sicht ist die Tap für Lufthansa ein sehr attraktiver Kandidat“, sagt der Luftverkehrsexperte Jürgen Krumtünger von der Beratungsgesellschaft Prologis der dpa. Die Portugiesen böten mit Lissabon ein etabliertes Drehkreuz, zahlreiche Start- und Landerechte sowie eine starke Marktposition in Brasilien und ganz Südamerika. Zudem gehe es für Lufthansa darum, sich über den Zukauf Wachstum zu sichern und im Vergleich zu IAG und Air France-KLM in Europa nicht ins Hintertreffen zu geraten. Eine vollständige Privatisierung mit 100-Prozent-Übernahme der Tap ist aber erst in weiterer Zukunft denkbar.

Mit Agenturmaterial: AFP/dpa/mic

Zum Artikel

Erstellt:
14. Oktober 2026, 17:56 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Flughafen Frankfurt

Kerosin-Mangel – Lufthansa reagiert

Am Frankfurter Flughafen wird Kerosin knapp, Lufthansa-Flugzeuge tanken deshalb schon vor der Ankunft zusätzlich. Wie die Airline den Betrieb sichern will – und was das für Flüge bedeutet.

Krankenversicherung

Krankenkassen-Beiträge sollen 2027 stabil bleiben

Gute Nachricht für Beitragszahlerinnen und Beitragszahler: Die Beiträge für die Krankenversicherung sollen 2027 stabil bleiben – jedenfalls die rechnerische Orientierungsmarke.

Dieselskandal

Gericht kippt Volkswagens Deal mit früherem Audi-Chef

Rupert Stadler wird im Abgasskandal ein Schaden von rund 300 Millionen Euro zugerechnet. Zahlen sollte er 4,1 Millionen Euro. Nun ist die Zustimmung der VW-Aktionäre unwirksam. Wie geht es weiter?