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Mehr Geste als gewichtige Hilfe

Die Stadt Murrhardt erlässt den Gastronomen, die ihre Gäste außerhalb bewirten, wie im vergangenen Jahr die Sondernutzungsgebühren. In zwei Fällen bestehen Pachtverhältnisse. Auch hier verzichtet sie auf die Entgelte.

Von Christine Schick

MURRHARDT. Bereits 2020 haben Stadt und Gemeinderat entschieden, die Gastronomen in Murrhardt insofern zu unterstützen, dass sie die Gebühren nicht erheben, die Hotels, Gaststätten und Kneipen zahlen, wenn sie auf Außenflächen bewirten. Bürgermeister Armin Mößner hofft zwar, dass die Gastroteams – sollte sich die Lage entspannen – in der wärmer werdenden Zeit wieder den Betrieb aufnehmen können. „Aber in weiten Teilen wird es vermutlich kein normales Jahr werden“, sagte er im Gemeinderat, in dem das Thema beraten wurde.

Insofern wolle man auf die Gebühren verzichten. Er erinnerte daran, dass der Landkreis ebenfalls reagiert hat, um die Gastronomie zu entlasten. Die Konzession, sprich die Erlaubnis, Gäste zu bewirten, erlischt eigentlich, wenn der Betrieb ein Jahr geschlossen hat. Vor dem Hintergrund von Corona mussten Gastronomen schließen und kamen unverschuldet in eine schwierige Situation. Gleichzeitig hat der eine oder andere möglicherweise im Sommer/Herbst 2020 vor einer Öffnung zurückgeschreckt in einer Lage, die für alle neu und noch nicht 100-prozentig überschaubar war beziehungsweise ist. Mit Blick auf die Konzession sei deshalb eine gewisse Unsicherheit entstanden, die aber nun ausgeräumt ist. Die Frist wurde um ein Jahr verlängert, ohne dass die Gastronomen etwas veranlassen müssen. Sie gilt nun bis März 2022 und somit ist sicher, dass nichts anbrennt, erläuterte Mößner. In diesem Sinne sieht er von städtischer Seite neben dem Erlass der Gebühren für die Außengastronomie auch den für Pachtentgelte vor, sodass keine Zusatzkosten entstehen. Dies betrifft nur zwei Betreiber: zum einen das Hotel-Restaurant Sonne-Post am Ferdinand-Nägele-Platz, zum anderen die Gaststätte beim Stadion im Trauzenbachtal.

Mario Brenner (CDU/FWV) merkte an, dass dies für die Betroffenen vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei, gleichzeitig könne man dies als Signal sehen. Gerne wolle man unterstützen, wo es möglich ist. Dem schloss sich Gerd Linke (MDAL/Die Grünen) an. Der Erlass der Gebühren beziehungsweise Pacht sei nicht viel mehr als ein Symbol, aber man möchte helfen, soweit es geht. „Es ist wirklich schlimm, wie gebeutelt die Branche ist. Mich ärgert es, wenn jetzt die Flieger nach Malle starten. Umso wichtiger ist es, die heimische Gastronomie zu unterstützen“, sagte Sonja Allinger-Helbig (SPD).

Wolfgang Hess befürchtet ein Gastronomiesterben.

Wolfgang Hess (UL) stellte fest, dass das Hotel- und Gaststättengewerbe mit am meisten unter der Pandemie zu leiden habe, insofern hält auch er die – wenn auch bescheidene – Unterstützung für richtig. „Das ist nicht viel mehr als ein symbolischer Akt.“ Wenn sich die Situation wandle und man die Sache überstanden habe, hoffe er sehr, dass es dann auch noch Gastronomen in Murrhardt gebe. Mit einem einstimmigen Votum beschloss der Gemeinderat den Vorschlag der Verwaltung. Für die Stadt bedeutet dies, dass für das aktuelle Jahr rund 5000 Euro wegfallen.

In Bezug auf Corona fügte Mößner später noch unter dem Punkt Informationen ein paar Aspekte an. „Das Pandemiegeschehen nimmt wieder deutlich Fahrt auf“, sagte er. Es sei noch gar nicht so lange her, da habe man nach Öffnung des Einzelhandels sogar gehofft, dass ein paar Wochen später die Gastronomie folgen könne. Nun habe sich die Lage deutlich gedreht und mit der Notbremse müssten viele Lockerungen wieder rückgängig gemacht werden. Der Nachbarkreis Schwäbisch Hall kämpfe mit so hohen Zahlen, dass mittlerweile eine Ausgangssperre, die tags und nachts gilt, erlassen worden sei. In irritierendem Widerspruch zu dieser Situation stünden manche Verhaltensweisen, die er vergangenen Donnerstag in der Stadt beobachtet hat. Er habe den Eindruck, manche Menschen hätten vergessen, dass man sich in einer Pandemie befände. Als Beispiel nannte er eine Hochzeitsgesellschaft, die sich wohl nicht an die Regeln gehalten und für die dies noch ein Nachspiel hat, und die Demonstration gegen Coronamaßnahmen, deren Mitglieder keine Masken getragen hätten.

Mößner plädierte dafür, sich mit Blick auf die steigenden Zahlen schon aus eigenem Interesse an die Schutzmaßnahmen zu halten. Er hofft darauf, dass bald mehr Impfstoff zur Verfügung steht und mit dem Testen das Geschehen kontrollierbarer wird. Ein Lichtblick sei, dass zumindest der allergrößte Teil der über 80-Jährigen nun bald zweimal geimpft und hoffentlich so vor schweren Verläufen der Krankheit geschützt sei. Bleibe die Sorge, dass es für die Gruppe der 30- bis 50-Jährigen problematisch werde, die auch mit den Mutationen des Virus konfrontiert sei. „Es ist wichtig, sich jetzt am Riemen zu reißen und sich zurückzunehmen“, sagte Armin Mößner. Um auch selbst noch ein Stück dazu beizutragen und die Kontakte im Arbeitskontext zu reduzieren, wolle man das Rathaus und die Stadtverwaltung am Donnerstag vor den Feiertagen schließen.

Mößner bedauert es, dass mit der Notbremse nun wieder einiges zurückgenommen werden muss wie kontaktarme Sportaktivitäten für Gruppen im Freien oder das Angebot „Click and Meet“ des Einzelhandels, der nun komplett schließen muss (außer Grundversorgung). Er gehe davon aus, dass die Ansteckungsgefahr dort nicht höher als beispielsweise in einem Supermarkt ist.

Eine Markungsputzede wie in den Vorjahren wird es nicht geben, bei der immer ein von der Verwaltung gesponsertes gemeinsames Essen in der Stadthalle den Abschluss bildete. Gleichsam unterstützt die Verwaltung Vereine, die sich in Eigenregie in kleinen Gruppen bestimmte Gebiete vornehmen – mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen. In diesem Sinne ist eine Art Aktionswoche vom 12. bis 17. April geplant, für die die Freiwilligen mit Material wie Handschuhen und Müllsäcken von der Stadt unterstützt werden. Das sei insofern wichtig, da sich auch das Freizeitverhalten während der Pandemie deutlich verändert habe, sprich auch einiges an Müll in der Landschaft gelandet ist, so Mößner.

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Erstellt:
30. März 2021, 06:00 Uhr

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