Maikäfer, flieg!

Millionen Maikäfer: Massenflug im Hessischen Ried im Gang

Wenn die Sonne untergeht, brummt es in Südhessen: Millionen von Maikäfern sorgen für ein seltenes Naturspektakel. Wo der Massenflug aktuell so richtig in Schwung kommt.

Maikäfer schwirren mit Einbruch der Dunkelheit aus.

© Boris Roessler/dpa

Maikäfer schwirren mit Einbruch der Dunkelheit aus.

Von dpa

Mörfelden-Walldorf - Mit dem warmen Wetter der zurückliegenden Tage kommt der Massenflug der Maikäfer in Südhessen in Schwung. Vor allem in den Abendstunden brummt und fliegt es unter anderem in Wäldern im Hessischen Ried rund um Mörfelden-Walldorf und Darmstadt, sagte Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen. Die Waldmaikäfer schwärmen mit dem Sonnenuntergang aus und fressen vorzugsweise Eichenblätter. 

Den Massenflug gibt es in der Regel alle vier Jahre. Das liegt daran, dass der Entwicklungszyklus von der Eiablage über mehrere Stufen vom Engerling bis zum fertigen Käfer in der Regel so lange dauert. 

Bei der Population im Hessischen Ried sind die Massenflug-Jahre jene, in denen es eine Fußballweltmeisterschaft gibt. Experten rechnen 2026 mit geschätzt rund einer halben Milliarde Tiere bis Anfang Mai. 

Das Spektakel ist deutschlandweit etwas Besonderes. Ein Massenflug mit kleinerem Ausmaß wird im badischen Iffezheim erwartet. Andere Stämme, etwa von Feldmaikäfern in Bayern, sind erst wieder in anderen Jahren dran. 

Massenflug ist Ausdruck eines "ökologischen Desasters"

"Der Maikäfer profitiert im Hessischen Ried von einem menschengemachten, ökologischen Desaster", betonte Biologe Petri. Durch die jahrhundertelange Entwässerung der ursprünglichen Auenlandschaft seien ideale Bedingungen für die Insekten geschaffen worden. Die Art benötigt trockene, warme Böden. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab, aus denen sich Engerlinge entwickeln. Bereits im vergangenen Herbst verwandelten sich diese Larven in Käfer. 

Neben der Entwässerungs-Problematik ist das Hessische Ried stark von den Folgen des Klimawandels geschwächt. Trockenheit führte dort zum Absterben vieler Bäume. Die Maikäfer setzen dem Wald zusätzlich zu. Erwachsene Tiere fressen die frischen Laubblätter, die Engerlinge im Boden an Baumwurzeln.

2026 ist ein Maikäferjahr - und der Massenflug hat begonnen.

© Boris Roessler/dpa

2026 ist ein Maikäferjahr - und der Massenflug hat begonnen.

In diesem Jahr fliegen voraussichtlich bis zu einer halben Milliarde Maikäfer aus.

© Boris Roessler/dpa

In diesem Jahr fliegen voraussichtlich bis zu einer halben Milliarde Maikäfer aus.

Zum Artikel

Erstellt:
25. April 2026, 02:16 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Planetarische Grenzen überschritten

Auf der Intensivstation: So krank ist die Erde durch den Menschen

Notfallpatient Erde: Übertriebe Panikmache? Nein! Sieben von neun Belastungsgrenzen des Planeten sind nach Angaben eines neuen Klimareports überschritten.

Erwachsenwerden mit Herzfehler

„Repariert, aber nicht geheilt“

Babys mit Herzfehler werden heute gut versorgt. Doch was ist, wenn aus den Kindern Erwachsene werden? Warum es eine jahrzehntelang gute Versorgung braucht, zeigt die Geschichte von Svenia Schmidt.

Weltuntergang durch KI: Alles nur Panikmache?

Diese konkreten Gefahren drohen durch Künstliche Intelligenz

Löscht die KI die Menschheit aus oder lenken Doomsday-Szenarien von den echten Gefahren ab? Während manche Vordenker vor dem totalen Kontrollverlust warnen, halten andere die Untergangsbilder für Science-Fiction. Was stimmt denn nun? Eine Einschätzung.