Gasspeicher-Füllstand unter Zielwert

Muss man jetzt Gas sparen?

Die deutschen Gasspeicher sind zum Beginn der Heizperiode deutlich weniger gefüllt als vorgesehen. Das gesetzliche Füllstandsziel wurde verfehlt.

Die Gasspeicher sind niedriger befüllt, als es das Gesetz vorgibt.

© Hendrik Schmidt/dpa

Die Gasspeicher sind niedriger befüllt, als es das Gesetz vorgibt.

Von Lukas Böhl

Die deutschen Gasspeicher sind Anfang November 2026 nur zu rund 61 Prozent gefüllt. Das entspricht etwa 151 Terawattstunden Erdgas. Damit liegen die Reserven deutlich unter dem Niveau vergangener Jahre. Zum Stichtag am 1. November sollten die Speicher rechnerisch einen durchschnittlichen Füllstand von etwa 70 Prozent erreichen. Dieses Ziel wurde verfehlt.

Die gesetzlichen Vorgaben unterscheiden sich dabei je nach Speicheranlage: Während für die meisten Speicher ein Füllstand von 80 Prozent vorgeschrieben ist, gelten für bestimmte Anlagen niedrigere Zielwerte von 45 Prozent.

Bundesnetzagentur sieht derzeit keine Gasmangellage

Trotz der niedrigen Speicherstände bewertet die Bundesnetzagentur die Versorgungslage weiterhin als stabil. In ihrer Lageeinschätzung vom 2. November 2026 stuft sie das Risiko einer angespannten Gasversorgung als gering ein.

Entscheidend für die Versorgungssicherheit seien nicht allein die gespeicherten Gasreserven. Auch laufende Pipelineimporte, Flüssiggaslieferungen (LNG), die vorhandene Infrastruktur und der tatsächliche Verbrauch spielten eine wichtige Rolle.

Die Bundesnetzagentur weist allerdings darauf hin, dass die Speicherstände deutlich niedriger seien als in vergleichbaren Zeiträumen früherer Jahre. Die Entwicklung werde deshalb aufmerksam beobachtet. Ein vergleichsweise niedriger Speicherfüllstand am Ende des Winters sei wahrscheinlich.

Bundesregierung hält Gasversorgung für gesichert

Auch die Bundesregierung sieht derzeit keine drohende Gasmangellage. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte Ende Oktober, eine stärkere Befüllung der Speicher wäre zwar wünschenswert gewesen. Allerdings hätten unter anderem gestiegene Gaspreise im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten die Einspeicherung erschwert.

Im Vergleich zur Energiekrise 2022 verfügt Deutschland inzwischen über zusätzliche Möglichkeiten, Erdgas zu importieren. Dazu gehören insbesondere die ausgebauten LNG-Kapazitäten. Dadurch ist die Versorgung weniger stark von den gespeicherten Reserven abhängig.

Seit Juli 2025 gilt in Deutschland außerdem nur noch die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Die zuvor geltende Alarmstufe wurde aufgehoben.

Müssen Verbraucher jetzt Gas sparen?

Eine allgemeine Verpflichtung zum Gassparen besteht nicht. Die Bundesnetzagentur empfiehlt jedoch generell weiterhin einen sparsamen Umgang mit Erdgas. Das sei insbesondere angesichts der vergleichsweise hohen Energiepreise sinnvoll.

Bereits kleine Veränderungen beim Heizverhalten können den Verbrauch senken. So kann eine um ein Grad niedrigere Raumtemperatur den Heizenergiebedarf spürbar reduzieren. Auch richtiges Lüften, das Freihalten von Heizkörpern und eine bedarfsgerechte Einstellung der Heizung helfen, Energie einzusparen.

Dabei sollte die Raumtemperatur nicht so weit abgesenkt werden, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen oder Feuchtigkeits- und Schimmelprobleme entstehen.

Wie sicher ist die Versorgung im Winter?

Wie sich die Lage entwickelt, hängt wesentlich vom Wetter und von den verfügbaren Gasimporten ab. Ein längerer, besonders kalter Winter könnte die Speicher schneller leeren als erwartet. Auch Störungen internationaler Lieferwege könnten die Versorgung zusätzlich belasten. Derzeit gibt es nach Einschätzung der zuständigen Behörden jedoch keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Gasmangellage.

Zum Artikel

Erstellt:
3. November 2026, 13:42 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Gasspeicher-Füllstand unter Zielwert

Muss man jetzt Gas sparen?

Die deutschen Gasspeicher sind zum Beginn der Heizperiode deutlich weniger gefüllt als vorgesehen. Das gesetzliche Füllstandsziel wurde verfehlt.

Kerosin treibt Ticketpreise

Fliegen wird zum Luxus

Business-Class-Sitze sind gefragt, neue Großraumflugzeuge lassen auf sich warten: Lufthansa richtet ihr Angebot stärker auf zahlungskräftige Reisende aus.