Deutsch-israelische Rüstungskooperation
Neues deutsches U-Boot in Israel eingetroffen
Israels größtes U-Boot aus deutscher Produktion soll die Marine als strategischen Arm mit größerer Reichweite und Feuerkraft stärken. Die „INS Drakon“ ist das sechste U-Boot der israelischen Flotte.
© Gil Cohen Magen/XinHua/dpa
Der Hafen von Haifa. (Symbolbild)
Israels Marine hat ein neues Schwergewicht: Nach mehrwöchiger Fahrt von Deutschland ist die „INS Drakon“ im Hafen der Mittelmeerstadt Haifa eingetroffen. Dies bestätigte eine israelische Militärsprecherin. Das vom Kieler Marineschiffbauer TKMS gebaute U-Boot ist das sechste und letzte der Dolphin-Reihe. Mit mehr als 70 Metern Länge ist es das größte U-Boot der israelischen Marine und mit zehn Torpedorohren ausgerüstet.
Modernisierung der Marine
Der israelische Generalstabschef Ejal Zamir hatte zuletzt angekündigt, die Marine solle in den kommenden Jahren deutlich modernisiert und ausgebaut werden. Das in Deutschland hergestellte U-Boot sei das erste größere Waffensystem, das im Rahmen eines mehrjährigen Plans namens „Choschen“ zur Marine komme. Ziel sei es, dass die Marine weiter entfernt von Israel, länger und mit größerer Feuerkraft operieren könne.
Die „INS Drakon“ werde „mehr als alles andere den Wandel symbolisieren, den unsere Marine im vergangenen Jahr durchlaufen hat“, sagte Zamir. „Sie ist zu einem starken strategischen Arm geworden, der in der Lage ist, jede Bedrohung im Nahen Osten und sogar darüber hinaus zu erreichen.“
Die größere Reichweite ist auch vor dem Hintergrund der fortwährenden Konfrontation mit dem Iran von Bedeutung. Der Generalstabschef nannte Israels Erzfeind in seiner Rede allerdings nicht ausdrücklich.
Der Ausbau der Marine steht im Zusammenhang mit zunehmenden maritimen Bedrohungen in der Region. Nach Angaben der „Times of Israel“ sieht die israelische Marine insbesondere die Entwicklungen an der Straße von Hormus und im Roten Meer als Warnsignal. Iran und die mit Teheran verbündeten Huthi haben dort die freie Schifffahrt beeinträchtigt. Israel befürchte, dass ähnliche Gefahren künftig auch andere Seewege, darunter das Mittelmeer, betreffen könnten.
Geheime Technik und lange Überfahrt
Die israelische Wirtschaftszeitung „Calcalist“ schrieb, die „INS Drakon“ sei mit 2.600 Tonnen das größte und schwerste U-Boot, das bisher in israelischen Dienst gestellt werde. Der Antrieb ermöglichte es dem U-Boot, länger unter Wasser zu bleiben, ohne Luft von außen aufnehmen zu müssen. Seine konkreten technischen Fähigkeiten seien weitgehend geheim. Das Verteidigungsministerium spreche lediglich von „einzigartigen Systemen“ und „bahnbrechenden Technologien“.
Nach der Ankunft in Haifa werde das U-Boot nicht sofort einsatzbereit sein. Zunächst sollten israelische Systeme eingebaut werden, die volle Einsatzbereitschaft werde erst einige Monate später erwartet.
Die gut dreiwöchige Reise von Kiel nach Israel sei unter hoher Geheimhaltung und weitgehend unter Wasser durchgeführt worden, schrieb das Blatt. Grund sei auch die Sorge gewesen, andere Staaten könnten Informationen über das U-Boot sammeln.
Die Lieferung deutscher U-Boote nach Israel ist ein zentrales Projekt der deutsch-israelischen Rüstungskooperation und läuft bereits seit vielen Jahren. Der Export ist allerdings auch umstritten, weil nach Einschätzung von Experten eine Nachrüstung mit Atomwaffen möglich ist. Zudem stehen deutsche Rüstungsexporte nach Israel wegen des Vorgehens der israelischen Armee im Gazastreifen grundsätzlich in der Kritik.
© Christian Charisius/dpa
Das U-Boot wurde vom Kieler Marineschiffbauer TKMS hergestellt. (Archivbild)
