Deutschland unter Druck
Öl- und Gasimporte werden immer teurer
Deutschland ist extrem abhängig von fossilen Brennstoffen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet voran, doch dem WWF geht das nicht schnell genug.
© Imago/Joerg Boethling
Ölhafen in Hamburg: Der Preisanstieg für fossile Energie setzt sich weiter fort.
Von Markus Brauer
Geringere Mengen, aber zu höheren Preisen: Der Import von fossilen Energien wie Öl und Gas kommt Deutschland laut einer Studie deutlich teurer zu stehen als vor zehn Jahren.
2025 seien hierzulande rund 76 Milliarden Euro für Energieimporte ausgegeben worden, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des Öko-Instituts im Auftrag des WWF Deutschland. Öl- und Gasimporte blieben damit die „energiepolitischen Achillesfersen“, kritisiert die Umweltschutzorganisation. Doch es gebe Alternativen.
„Wir hängen weiter am fossilen Tropf“
„Alle Kraft sollte in den Ausbau und die Modernisierung der heimischen Energieversorgung auf Basis von erneuerbaren Energien, Speichern und leistungsfähigen Stromnetzen fließen“, fordert der WWF. „Hängen wir weiter am fossilen Tropf, bleiben wir verwundbar gegenüber geopolitischen Risiken und zunehmenden Klimaschäden, statt in ein zukunftsfähiges Europa zu investieren“, erklärt WWF-Energieexperte Felix Schmidt.
- Laut der Analyse des Öko-Instituts sank die Menge der Energieimporte in die EU in den vergangenen zehn Jahren zwar um zehn Prozent. Die Kosten stiegen demnach allerdings um ein Drittel.
- 2025 lagen sie in der EU nach Abzug der Exporteinnahmen bei 296 Milliarden Euro.
- In Deutschland gingen die importierten Energiemengen zwischen 2015 und 2025 demnach sogar um etwa ein Viertel zurück. Dennoch summierten sich die Nettoimportkosten im vergangenen Jahr auf rund 76 Milliarden Euro.
- 2015 hatte sich der Wert der Energieimporte laut der Studie noch auf 64,8 Milliarden Euro belaufen und 2020 gar nur auf 44,2 Milliarden Euro.
- Den Höchststand gab es indes im Jahr 2022 mit 143 Milliarden Euro, als sich die Energiekosten wegen des von Russland begonnenen Ukraine-Kriegs stark verteuert hatten.
WWF fordert beschleunigte Energiewende
„Die Entwicklung zeigt, dass sinkende Importmengen allein nicht ausreichen, um die wirtschaftlichen Risiken fossiler Energieabhängigkeit zu begrenzen“, erklärt Felix Matthes vom Öko-Institut. „Eine beschleunigte Energiewende ist deshalb auch eine Investition in wirtschaftliche Stabilität und Garant für einen größere Unabhängigkeit.“
Für die Studie wurden die Entwicklungen des Energieaußenhandels Deutschlands und der EU von 2015 bis zum ersten Halbjahr 2026 sowie die damit verbundenen Kosten untersucht. Betrachtet wurden dabei die Importe und Exporte von Kohle, Rohöl und Mineralölprodukten, Erdgas, Biomasse, Kernbrennstoff und Strom.
Trotz insgesamt sinkender Importmengen bleibt die Abhängigkeit demnach hoch: Im Jahr 2025 deckte die EU rund 57 Prozent ihres Primärenergiebedarfs durch Nettoimporte, wie das Öko-Institut erklärte. In Deutschland seien es rund 66 Prozent gewesen.
Mit AFP-Agenturmaterial
