Kolumbien

Rechter Kandidat de la Espriella gewinnt Präsidentschaftswahl

Knapper als in den Umfragen vorhergesagt hat sich in Kolumbien der rechtslibertäre Kandidat durchgesetzt. Am späten Abend gab es vereinzelt Unruhen.

Abelardo de la Espriella wird neuer Präsident Kolumbiens.

© AFP/JUAN BARRETO

Abelardo de la Espriella wird neuer Präsident Kolumbiens.

Von red/KNA

Die Stichwahl um das Präsidentenamt in Kolumbien hat der rechtslibertäre Kandidat Abelardo de la Espriella nach offiziellen Angaben knapp für sich entschieden. Auf ihn entfielen nach laut Behördenangaben 49,66 Prozent der Stimmen. Sein sozialistischer Kontrahent Iván Cepeda kam auf 48,7 Prozent. Zudem gab es gut 1,6 Prozent Stimmenthaltungen, sogenannte „weiße Stimmen“.

De la Espriella folgt damit ab 7. August auf den amtierenden Linkspopulisten Gustavo Petro, der wegen einer in der Verfassung verankerten Amtszeitbegrenzung nicht erneut antreten durfte. Noch-Präsident Petro wie auch Cepeda erkannten am Wahlabend das offizielle Ergebnis nicht an und forderten eine Neuauszählung der Stimmen von mehr als 30.000 Wahllokalen.

„Entfacht keinen sozialen Aufruhr“

Petro forderte in einem Kommentar auf der Plattform X: Ich bitte alle demokratischen Anwältinnen und Anwälte, bei den Auszählungen in ganz Kolumbien anwesend zu sein.“ Am Abend wurden aus einzelnen Städten Ausschreitungen gemeldet. De la Espriella rief seine Rivalen auf: „Entfacht keinen sozialen Aufruhr ... - akzeptiert das Ergebnis.“ Zuvor hatte er der Opposition eine Zusammenarbeit angeboten: „Ihre Rechte werden respektiert, ihre Meinungen gehört.“

Le pido a la población de Cali guardar calma, este es el momento de la sabiduría.Hoy por hoy no hay presidente elegido hasta que las comisiones escrutadores den sus resultados. Cómo dije está mañana aceptaré el resultado que digan los jueces porque así lo ordena la ley.… — Gustavo Petro (@petrogustavo) June 22, 2026

Der unterlegene Cepeda kündigte eine Mobilisierung der Straße an, sollte künftig versucht werden, „soziale Errungenschaften“ anzutasten. De la Espriella kündigte an, massiv gegen Drogenhandel und Kokain-Produktion vorgehen zu wollen, dabei aber die Verfassung des Landes zu respektieren. Er tritt als konservativer Christ auf; seinen Wahlsieg widmete er Gott. Außenpolitisch gilt der Rechtslibertäre als prowestlich und als potentieller Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, der sich mit Petro überworfen hatte.

Die katholische Kirche hatte im Vorfeld der Stichwahl beide Lager aufgerufen, nach teils heftigen verbalen Attacken gegeneinander „sprachlich abzurüsten“ und das Ergebnis und die Institutionen des Landes zu respektieren.

Zum Artikel

Erstellt:
22. Juni 2026, 10:08 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

AfD und Dexit

So schaut die AfD-Basis auf die weniger radikale EU-Politik

Die Rechten haben sich als Anti-Euro-Partei gegründet, jetzt schwächt die Parteispitze die sehr EU-kritische Haltung ab. Macht die Basis da mit? Zwei Kommunalpolitiker geben überraschende Antworten.

Unruhen in Frankreich

800.000 Demonstranten, Tränengas und Wasserwerfer – die Bilder der Proteste

Die Proteste in Frankreich gegen hohe Lebenshaltungskosten halten an. Dabei kam es erneut zu Unruhen und Hunderten Festnahmen. Auch in anderen Ländern Europas brodelt es.

SUV-Werk in Georgia

Audi kündigt Milliarden-Investition in USA an – auf Trumps Wahlkampftour

Trump macht den deutschen Autobauer Aufi zum Teil seines Wahlkampfs: Es geht um den Bau eines neuen Werks. Ein Manager aus Deutschland betritt die Bühne.