Studie der Uni Hohenheim

Rechtspopulismus macht schlechte Laune

Politiker sind Marionetten geheimer Mächte. Immer mehr Menschen hängen solchen Verschwörungserzählungen an. Doch sie leiden selbst darunter, zeigt eine Studie.

Der Hohenheimer Politologe Frank Brettschneider lässt jedes Jahr die Einstellung der Deutschen zur Demokratie erkunden. Die neuesten Erkenntnisse geben ihm Anlass zur Sorge.

© Max Kovalenko

Der Hohenheimer Politologe Frank Brettschneider lässt jedes Jahr die Einstellung der Deutschen zur Demokratie erkunden. Die neuesten Erkenntnisse geben ihm Anlass zur Sorge.

Von Eberhard Wein

Die deutsche Politik wird von geheimen Mächten gesteuert. Politiker sind nur deren Marionetten. Jeder vierte Bundesbürger ist von solchen Verschwörungserzählungen mittlerweile überzeugt. Das ist das Ergebnis des jährlichen Demokratie-Monitors, dessen Zahlen das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Universität Hohenheim ermittelt hat.

Insgesamt liege der Anteil von Menschen mit rechtspopulistischen Weltbild in der Bevölkerung bei 17 Prozent, sagte der Politikwissenschaftler Frank Brettschneider. Er habe sich damit im Vergleich zu den Vorjahren nicht erhöht. Dennoch erkennt Brettschneider eine alarmierende Grenzverschiebung. Der Anteil derjenigen, die an der Schwelle zum Rechtspopulismus stünden, sei gewachsen.

Grüne sind immun gegen Populismus

Insgesamt hatte Forsa im August mehr als 4000 Menschen ab 16 Jahren nach ihrer Einschätzung zu bestimmten Aussagen befragt. Die Umfrage liefert auch Hinweise, warum bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die AfD leichtes Spiel hat. Demnach seien populistische Weltbilder im Osten Deutschlands (21 Prozent) etwas weiter verbreitet als im Westen (16 Prozent). Am höchsten sei der Anteil bei den 45- bis 59-jährigen Männern (25 Prozent), am niedrigsten bei den 16- bis 29-jährigen Frauen (8 Prozent). Auch zeigte sich, dass der Verschwörungsglaube vor allem bei AfD-Wählern verbreitet ist. „78 Prozent der AfD-Anhängerschaft haben ein populistisches Weltbild. Bei der Anhängerschaft der Grünen ist es ein Prozent“, sagte Brettschneider.

Gleichzeitig zeigen die Daten eine sinkende Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland. Nur noch eine Minderheit von 39 Prozent ist der Meinung, dass sie gut funktioniert. 2025 waren 44 Prozent zufrieden, 2024 waren es sogar noch 53 Prozent. Diese Werte gelten allerdings nur für den Bund. Die Länder stehen mit einer Zustimmung von 51 Prozent aktuell deutlich besser da, die Städte und Gemeinden kommen sogar auf 59 Prozent. „Die kommunale Ebene erweist sich als stabile Stütze der Demokratie“, sagte Professor Brettschneider.

Bundesregierung macht es Populisten leicht

Schuld an dieser Entwicklung  ist wohl auch das verheerende Erscheinungsbild der Bundesregierung. Lediglich sieben Prozent der Befragten sind mit ihrer Arbeit zufrieden, 65 Prozent äußern sich unzufrieden und 28 Prozent antworten mit „teils/teils“. „Nicht alle Unzufriedenen werden zu Populisten, aber die Unzufriedenheit erleichtert Populisten ihre Arbeit“, meinte Professor Brettschneider.

Das wachsende Misstrauen gegen führende Politiker spiegelt sich auch in Vorbehalten gegen Zeitungen, Radiostationen und TV-Sender.  23 Prozent der Befragten unterstellen den Massenmedien Manipulation, und 22 Prozent meinen: „Die Bevölkerung in Deutschland wird von den Medien systematisch belogen.“ Aber: Um die 60 Prozent teilen diese Ansichten nicht.

Social Media verbreitet Weltuntergangsstimmung

Die Art des Medienkonsums hat offenbar ziemlich direkte Auswirkungen auf die Laune. „Menschen mit einem populistischen Weltbild beurteilen die Lebensqualität in ihrem Bundesland deutlich schlechter als alle anderen. Sie blicken auch weniger optimistisch in ihre persönliche Zukunft. Und sie glauben überdurchschnittlich oft, dass früher alles viel besser war“, sagte Brettschneider. Er sieht einen direkten Zusammenhang. „Auf einigen Social-Media-Kanälen überwiegen negative Meldungen. Sie verbreiten Weltuntergangsstimmung.“ Wer sich dem – durch Algorithmen gesteuert – hingebe, sei irgendwann der festen Überzeugung, dass die Welt dem Untergang geweiht sei.

Seit 2021 führt Forsa im Auftrag von Professor Brettschneider jährlich eine repräsentative Umfrage zum Demokratie-Verständnis der Bevölkerung durch. Die Ergebnisse sind auf Bundes- und auf Landesebene (Baden-Württemberg) repräsentativ. Bei einem Teil der Fragen setzt die Studie jedes Jahr einen anderen Schwerpunkt.

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Erstellt:
4. September 2026, 15:00 Uhr

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