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Rewe will Standort in der Murrhardter Weststadt modernisieren

Lebensmittelmarkt in der Berliner Straße soll neu gebaut und Norma als Partner mit ins Boot geholt werden – Vorhaben nach einer Fachanalyse genehmigungsfähig

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die Eröffnung der Murrarkaden liegt bereits fünf Jahre zurück. Dort zog unter anderem ein neuer Rewe-Lebensmittelmarkt ein. Es war erklärtes Ziel, den ursprünglichen Standort in der Weststadt zu erhalten, wenn auch in der Verkaufsfläche etwas zu reduzieren. Letzteres ist man bisher noch nicht angegangen. Dies könnte nun nachgeholt beziehungsweise die Karten könnten auch neu gemischt werden – im Zuge einer generellen Neuaufstellung.

Timo Porkert von Rewe, der das Vorhaben in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorstellte, machte deutlich, dass aus Sicht der Lebensmittelmarktkette Handlungsbedarf am Standort besteht. Das Gebäude stammt aus den 1960er-Jahren. Baulicher Zustand und energetische Situation sowie die Platzierung auf dem Gelände (Parkplätze sind um das Gebäude herum angeordnet) entsprechen nicht mehr heutigen Erfordernissen.

Um sich neu aufzustellen, erscheint ein Abriss und Neubau am sinnvollsten. Hinzu kommt die Überlegung, einen Partner mit ins Boot zu holen – in diesem Fall Norma, der an seinem Platz ganz in der Nähe keine optimale Situation vorfindet, wie Porkert sagte. Der Neubau soll also beide Märkte unter einem Dach unterbringen. An dieser Stelle kommt Gerhard Beck von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) ins Spiel. An das Team erging der Auftrag, Vorhaben und Genehmigungsfähigkeit zu prüfen. Eine Modernisierung des Standorts vor dem Hintergrund, dass dort rund 3500 Einwohner, unter ihnen viele ältere, leben, fällt für die Fachleute unter das Stichwort nachhaltige Stadtentwicklung. Denn der Nahversorgungsstandort würde so gesichert und Verkehr vermieden. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, Heizung und Belüftung entsprechen nicht mehr den aktuellen Standards. Mit Norma als Partner könnte die gesamte Fläche inklusive Parkplätze neu organisiert werden, unter der Bedingung, dass an dessen Standort die Neuansiedlung eines Supermarkts ausgeschlossen wird.

In puncto Genehmigungsfähigkeit hat sich die GMA vier zentrale Forderungen angeschaut. Das Konzentrationsgebot – Konzentration in zentralen Orten – sieht man genauso wie das Integrationsgebot mit einer reinen Nahversorgung als gegeben an. Das Kongruenzgebot fordert eine Verhältnismäßigkeit des Projekts in Bezug auf die Stadt. Da dem Einkaufsstandort aber keine überörtliche Bedeutung zugemessen wird und vor allem der Grundversorgung vor Ort dient, gilt dies als erfüllt.

Das Beeinträchtigungsverbot soll gewährleisten, dass ein Projekt keine negativen Auswirkungen auf die verbrauchernahe Versorgung hat. Auch dies sieht die GMA eingehalten, da sich Rewe etwas verkleinern soll (von 2000 auf ungefähr 1800 Quadratmeter). Norma rechnet wiederum mit einer Anhebung der Verkaufsfläche (von etwa 550 auf 800 Quadratmeter). Unter dem Strich kämen nur wenige Quadratmeter Fläche hinzu, so Gerhard Beck.

Der Standort hat keine überörtliche Bedeutung, sagt die GMA

In der Debatte ging es einerseits um die allgemeine Bewertung der Nahversorgungsentwicklung, andererseits um konkrete Wünsche an den künftigen Standort, sein Angebot und seine Gestaltung. Klaus Lang (CDU-FWV) verwies auf jüngste Berichte, die das Sterben von Bäckern und Metzgern zum Thema machen. „Genau in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns auch hier. Wir müssen die Nahversorgung sicherstellen, ohne dass uns die Vielfalt wegkippt“, sagte er. Aber es werde durchs Projekt kein neues Angebot geschaffen und Rewe reduziere die Verkaufsfläche, Norma plane mit 800 Quadratmetern. Man könne beim Vorhaben mitgehen, auch wenn klar sei, dass dann das Ende der Fahnenstange für großflächigen Einzelhandel erreicht sei.

Für Edgar Schäf (SPD) ist ausschlaggebend, dass mit der Modernisierung des Standorts die Einwohner der Weststadt – mit 3500 keine kleine Zahl – künftig versorgt werden können. Die kompakte Planung für zwei Märkte sieht er positiv. „Man muss berücksichtigen, dass die Menschen auch älter werden.“

Ebenso Wolfgang Hess (UL) ordnet das Vorhaben als eines für die Bevölkerung in der Weststadt ein, da attraktive Einkaufsmöglichkeiten geschaffen beziehungsweise erhalten werden. Gut sei auch, durch eine Modernisierung Heizkosten reduzieren zu können.

Mit dem Projekt ließe sich der Status quo erhalten – in neuem Gewand, sagte Gerd Linke (MDAL/Die Grünen). Er wünschte den Verantwortlichen ein gutes Händchen bei der Fassadengestaltung, die bei den Murrarkaden lange in der Kritik stand. Auf die Frage, wie sich das Sortiment künftig darstellt und ob das Angebot von Haushaltswaren erhalten bliebe, sagte Porkert, dass man von der Fläche runtergehe, aber das noch nicht im Detail durchgeplant habe. Brigitte Kübler (UL) und Rolf Kirschbaum (CDU-FWV) betonten, dass der Weststadt-Rewe auch deshalb durchaus beliebt sei, weil dort großzügige und zahlreiche Parkplätze vorhanden seien. Timo Porkert kündigte an, dass zwar Stellflächen wegfallen, allerdings auch unter der Prämisse, dass die auf der rechten Seite des Geländes so gut wie nicht genutzt würden. Bei der Neugestaltung lege man Wert auf eine breite, komfortable Größe. Weitere Anliegen waren ein Rewe-Lieferservice für ältere Menschen und Förderung von E-Mobilität, sprich Ladesäule(n), von Ralf Nentwich (MDAL/Die Grünen). Letzteres sei Thema, der Lieferservice allerdings werde zentral gesteuert und bedürfe zusätzlicher Lagerkapazität. Bürgermeister Armin Mößner gab Porkert noch ganz explizit die Bitte mit, sich für den Erhalt des Haushaltswarenangebots stark zu machen.

Was die Bauplanung anbelangt, zu der sich Susanne Barreuther (CDU-FWV) erkundigte, konnte der Rewe-Vertreter nur sagen, dass mit einer Bauzeit von neun bis zwölf Monaten gerechnet werde und in dieser Zeit der Rewe in den Murrarkaden für die Kunden bereitstehe. Ein Baubeginn liege aber noch nicht in greifbarer Nähe, zunächst sei nun die Planung und Kostenanalyse dran.

Vom Gemeinderat bekam das Vorhaben ein einstimmiges Ja mit auf den Weg, das die Stadtverwaltung nun entsprechend begleiten soll.

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Erstellt:
3. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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