Zoff um quadratische Verpackung
Ritter Sport verliert vor Gericht gegen Mannheimer Firma
Ritter Sport scheitert vor Gericht gegen das kleine Mannheimer Unternehmen Bleibwacker. Streitpunkt ist ein Haferriegel. Was hinter dem Streit steckt.
© IMAGO/Markus Mainka (links)
Geschäftsführer Matteo Wacker freut sich über die Entscheidung des Richters. Ritter Sport hatte ihn wegen seiner quadratischen Form verklagt.
Von Lea Krug
Im Streit um einen quadratischen Haferriegel ist Ritter Sport juristisch gescheitert. Das Landgericht Stuttgart wies die Klage des Schokoladenherstellers ab. Anlass des Verfahrens war der Haferriegel „Monnemer Quadrat“ des vergleichsweise kleinen Mannheimer Unternehmens Bleibwacker, der – wie der Name bereits nahelegt – in quadratischer Form verkauft wird. Ritter Sport hatte geklagt, weil das Unternehmen seine geschützte Markenform bedroht sah. „Wir haben die Klage abgewiesen, weil wir keine Markenverletzung erkennen konnten“, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Kochendörfer am Dienstag.
Sein Urteil: Keine Verwechslungsgefahr – vor allem, weil es sich um einen Haferriegel handelt. Trotzdem geht Bleibwacker auf Nummer sicher: Das Unternehmen verkauft seine Riegel nun nicht mehr als Quadrat. Ganz einschüchtern lassen will man sich aber offenbar nicht – der neue Riegel trägt stolz den Namen „Klageriegel“. Dazu schreibt die Firma in ihrem Shop: „Jeder Monnemer Klageriegel steht für Vorsicht mit Haltung und für den Willen, den eigenen Standpunkt nicht vorschnell aufzugeben.“
„Wir haben keine gigantischen Kriegskassen“
Nach der Urteilsverkündung zeigte sich Geschäftsführer Matteo Wacker erleichtert. „Das ist unbeschreiblich“, sagte er. Ganz ausgestanden sei der Konflikt jedoch noch nicht: Wacker fürchtet, dass Ritter Sport in die nächste Instanz geht. „Sollte es zu einer Berufung kommen, werden wir uns weiter wehren“, kündigte er an. Als Familienunternehmen fühle man sich unter erheblichem Druck. „Wir haben keine gigantischen Kriegskassen“, betonte Wacker – dennoch lohne es sich, „für sein Recht einzustehen“.
Seit Jahrzehnten prägt die quadratische Form die Marke Ritter Sport. Sie ist das Markenzeichen des Unternehmens aus Waldenbuch. Diese besondere Stellung bestätigte 2020 der Bundesgerichtshof. Entsprechend konsequent geht Ritter Sport gegen Produkte vor, die aus seiner Sicht die Form kopieren.
Im Sommer 2025 machte Wacker den Konflikt öffentlich. In einem TikTok-Video zeigte er den Briefumschlag des Landgerichts Stuttgart und bezeichnete den Rechtsstreit als Kampf „David gegen Goliath“. Innerhalb weniger Tage wurde das Video rund eine Million Mal aufgerufen – das öffentliche Interesse am Streit ums Quadrat war riesig.
Inspiriert wurde Wacker ursprünglich von der einzigartigen Quadratur der Mannheimer Innenstadt; an Ritter Sport oder Schokolade hatte er bei der Idee gar nicht gedacht, betont Matteo Wacker immer wieder.
Es geht auch um die öffentliche Wirkung
Für beide Parteien geht es in dem Verfahren nicht nur um juristisches Recht, sondern auch um öffentliche Wirkung. Ritter Sport machte wiederholt deutlich, dass man die eigene Markenidentität schützen wolle. Gleichzeitig betonte Wacker in seinen Videos, dass auch andere Süßigkeiten quadratisch seien, ohne dass Ritter Sport einschreite – etwa die Schokolade von Romy. In einem Blogbeitrag erklärte Ritter Sport: „Die Romy-Schokolade war bereits auf dem Markt, bevor unsere quadratische Verpackung als Marke eingetragen und geschützt wurde. Damit genießt Romy Bestandsschutz und darf weiterhin quadratisch verpackt sein.“
