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Schritte hin zu einer neuen Normalität

Erste Gemeinderatssitzung in Zeiten von Corona – Bürgermeister informiert über generelle Lage – Immer mehr Öffnungen

Ungewohntes Bild, ungewohnte Rahmenbedingungen: Der Murrhardter Gemeinderat kam am Donnerstagabend in der Festhalle zu seiner ersten Sitzung seit Ausbruch der Coronapandemie beziehungsweise nach Lockerungen der bisherigen Beschränkungen zusammen. Die Mitglieder saßen an Einzeltischen gut über den ganzen Raum verteilt, Zuschauer hatten auf der Tribüne Platz genommen. Auch viele der Themen bezogen sich auf die Krise.

Jeder an einem eigenen Tisch und mit viel Abstand: Die erste Gemeinderatssitzung nach Lockerungen der Coronamaßnahmen fand in der Murrhardter Festhalle statt. Auch linker Hand schlossen sich noch weitere Plätze mit Mitgliedern des Rats an. Bürgermeister Armin Mößner und Kämmerer Matthias Glassl (vorne von links) erläuterten die Auswirkungen der Krise auf den Haushalt, als neuer Leiter des Stadtbauamts wurde Harun Icli begrüßt. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Jeder an einem eigenen Tisch und mit viel Abstand: Die erste Gemeinderatssitzung nach Lockerungen der Coronamaßnahmen fand in der Murrhardter Festhalle statt. Auch linker Hand schlossen sich noch weitere Plätze mit Mitgliedern des Rats an. Bürgermeister Armin Mößner und Kämmerer Matthias Glassl (vorne von links) erläuterten die Auswirkungen der Krise auf den Haushalt, als neuer Leiter des Stadtbauamts wurde Harun Icli begrüßt. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. So gab Bürgermeister Armin Mößner zunächst einen Überblick über die Lage und die Auswirkungen, die mit Ausbreitung des Virus und den Gegenmaßnahmen (auch) in Murrhardt auszumachen waren und sind. Aktuell zähle man 54 Coronainfizierte, einschließlich sieben Fällen, die Donnerstag hinzukamen. Bei 36 Betroffenen ist die Quarantäne aufgehoben, sie gelten als geheilt. „Es sind auch zwei Verstorbene zu beklagen, die positiv auf Corona getestet wurden“, sagte Mößner, wobei offenbleiben müsse, ob die Infektion die einzige beziehungsweise entscheidende Todesursache sei. Der Bürgermeister rekapitulierte auch die Entwicklung seit Mitte März. Das Rathaus sei mit einer wahren Informationsflut rund ums Thema konfrontiert, was es schwer mache, das Tagesgeschäft zusätzlich zu bewältigen. Um Bürgern entsprechend Auskunft geben zu können, hieße das, auch mal nachts oder sehr früh morgens die jüngsten Änderungen der Coronaverordnung durchzuackern, die sehr umfangreich sein können. Mit den Lockerungen seien die meisten Stellen für Publikumsverkehr nun wieder geöffnet. Bestimmte Bereiche seien entsprechend mit Spuckschutz ausgestattet, Mitarbeiter bei Bedarf mit FFP-2-Masken versorgt worden.

Kindertagesstätten und Schulen seien gut mit der Situation umgegangen, das Homeschooling und Vermittlung über die Eltern habe gut funktioniert. In Fällen, in denen Schüler nicht über die nötige EDV-Ausstattung verfügen, hätten die Lehrer mit Materialien bereitgestanden, die sie vor die Haustür wandern lassen konnten. Mit der Öffnung von Heinrich-von-Zügel-Gymnasium und Walterichschule für die Abschlussklassen waren Logistik und Hygienekonzepte in den Gebäuden Thema wie Einbahnsystem bei engen Fluren, Ausstattung der Sanitärräume mit Papiertüchern und Desinfektionsmitteln sowie Erhöhung der Reinigungszyklen. „Am 18. Mai sollen die 4. Klassen in den Präsenzunterricht zurückkehren“, sagte Mößner, wobei dies mit Homeschooling kombiniert und kein Volleinstieg sei. Beim Hochfahren des Mensabetriebs an der Walterichschule sei noch einiges zu bedenken und vorzubereiten. Wenn die Kitas wieder in die Betreuung einsteigen, müsse eine Verpflegung in diesen Einrichtungen aber stehen, da die Kinder teils bis in den späten Nachmittag dort begleitet werden.

Im öffentlichen Leben hieß es für die Verwaltung als Kontrolleur aufzutreten. Vor Verschärfung der Lage musste der städtische Vollzugsdienst im Frühjahr an Grillplätzen intervenieren und auch sogenannte Coronapartys auflösen, das sei aber schon seit dem Lockdown kein Thema mehr. „Ich appelliere an die Menschen, dass das auch so bleibt.“

Der enge Weg durch die Hörschbachschlucht bleibt gesperrt

Eigentlich ist es erlaubt, sich in der freien Natur zu bewegen, in Murrhardt gibt es dennoch eine Ausnahme: Die Hörschbachschlucht ist wegen der engen Wegführung direkt durch die Schlucht gesperrt, wobei die Wasserfälle besucht werden dürfen. Die Strecke sei von Touristen immer stärker frequentiert, sodass die Stadt sich auch generell um den Verlauf Gedanken machen möchte, so der Bürgermeister.

Gottesdienste sind wieder erlaubt. Bei der Öffnung der Spielplätze problematisierte Armin Mößner die Maßgabe, für ein Kind zehn Quadratmeter vorzusehen. Dies sei in der Praxis nicht nur schwer umsetzbar („Wie wollen Sie das machen? Quadrate auf dem Boden des Spielplatzes malen?“), sondern auch kaum kontrollierbar. Mößner hofft deshalb, dass die Eltern ein Auge auf die Situation haben. Der Stadt fällt zurzeit auch die Aufgabe zu, dafür zu sorgen, dass Rückkehrende aus dem Ausland sich in Quarantäne begeben. Für weitere Einrichtungen gibt es Lockerungen: Die Musikschule darf wieder Einzelunterricht abhalten; da sie nicht wie bisher Räume von Schulen nutzen kann, stellt die Stadt das Vereinszimmer der Festhalle zur Verfügung. Museen und Bücherei haben wieder geöffnet und die Volkshochschule kann ihre Integrationskurse weiterführen. Kommende Woche wird das Stadion für ein Training mit entsprechendem Abstand wieder genutzt werden können. Insgesamt seien dies Schritte in Richtung einer neuen Normalität.

Die Tourist-Info bleibt vorerst geschlossen, bis auch die touristischen Angebote beispielsweise rund um das Freizeitgebiet Waldsee wieder starten können. Mößner denkt, dass dies vielleicht in den Pfingstferien möglich sein wird. Die Frage, wann das Freibad öffnen kann, sei noch unklar. Eine Rolle spiele die fachliche Diskussion auf übergeordneter Ebene, inwieweit die Übertragung des Virus übers Wasser möglich sei. „Wir wollen es öffnen, müssen aber auch an den Gesundheitsschutz denken.“ Zudem heiße es auch abzuwägen, unter welchen Rahmenbedingungen ein Betrieb ablaufen kann und welche Kosten bei einer möglicherweise geringen Besucherzahl zu veranschlagen sind.

Nachdem genauso im wirtschaftlichen Leben Lockerungen unter Auflagen wie Mundschutz und Abstandsregeln greifen und auch die Gastronomie Aussicht auf einen Wiedereinstieg in Teilbetrieb hat, sind Großveranstaltungen bis Ende August tabu. Dies trifft auch die Vereine, weshalb Mößner überlegen möchte, ob die Auflegung eines Fonds für Härtefälle angegangen werden könnte.

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Erstellt:
9. Mai 2020, 06:00 Uhr

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