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Schweizer Group in Murrhardt schließt

Das Werk der insolventen Schweizer Group Global GmbH in Murrhardt ist Geschichte. Auch für den Hauptstandort in Hattenhofen fand sich kein Investor. Die Standorte in Roding und Plauen werden von einem thüringischen Unternehmen übernommen.

Der Standort der Schweizer Group Global am Murrhardter Obermühlenweg schließt nun seine Pforten. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Standort der Schweizer Group Global am Murrhardter Obermühlenweg schließt nun seine Pforten. Foto: J. Fiedler

Von Bernhard Romanowski

MURRHARDT. Im Sommer bestand weiterhin Hoffnung, die insolvente Firma Schweizer Group Global GmbH mit Sitz in Hattenhofen (Landkreis Göppingen) noch retten zu können. Auch in Murrhardt fieberte man mit, denn dort befindet sich neben den weiteren Standorten in Plauen (Sachsen) und Roding (Bayern) ebenfalls ein Werk der Schweizer Group. Der als Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Marcus Winkler aus Stuttgart sprach im Juni davon, dass eine Fortführungsvereinbarung mit den wichtigsten Kunden des Unternehmens geschlossen worden wäre. Diese sei eine wesentliche Voraussetzung für die mittelfristige Planung und für das Vorhaben, einen oder mehrere Investoren zu finden, die den Automobilzulieferer übernehmen und dauerhaft fortführen. Winkler wurde tatsächlich fündig. Aber für den Standort am Murrhardter Obermühlenweg gehen nun doch die Lichter aus.

Insolvenzverwalter Winkler, der als Partner der Kanzlei Winkler Gossak auf die Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen spezialisiert ist und bereits zuvor als vorläufiger Insolvenzberater der Schweizer Group tätig war, konnte einen Investor in Thüringen finden. In Abstimmung mit dem Gläubigerausschuss hat Winkler die Standorte Roding und Plauen des Automobilzulieferers an die thüringische AE Group verkauft. Dieses Unternehmen aus Gerstungen im Wartburgkreis ist Zulieferer von Rohteilen und montagefertigen Aluminium-Druckgussteilen und Komponenten für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Die Übertragung des Geschäftsbetriebs und der wesentlichen Vermögenswerte erfolgt zum 4. Januar 2021, wie Winkler dieser Zeitung mitteilt. Die Übertragung stehe aber noch unter dem Vorbehalt, dass dazu bestimmte Bedingungen umgesetzt werden, auf die der Stuttgarter Rechtsanwalt am Dienstag nicht weiter einging.

Nach Abschluss der Transaktion könne er somit insgesamt 253 Arbeitsplätze sichern. „Wir freuen uns, dass wir es trotz der schwierigen Ausgangslage gemeinsam geschafft haben, einen Erwerber gefunden zu haben, der zwei Produktionsstandorte der Unternehmensgruppe übernehmen und weiterentwickeln will“, so Winkler weiter. Die Standorte Murrhardt und Hattenhofen bleiben indessen außen vor. Im Laufe des knapp neun Monate dauernden Verkaufsprozesses der Schweizer Group Global waren weltweit mögliche Investoren angesprochen worden. „Mit dem Wandel weg vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antriebsformen unterliegt der Gusssektor in der Automobilzulieferindustrie einem starken Konsolidierungsdruck“, gibt Winkler hier zu bedenken. Dennoch sei es dem Beratungsteam M&A von Roland Berger gelungen, bis zur Unterzeichnung des Kaufvertrags einen Bieterwettbewerb zur Übernahme der Schweizer Group aufrechtzuerhalten, an dem mehrere Investoren teilnahmen.

Trotz zunächst regen Interesses, so beschreibt es Winkler, konnte für die Standorte Hattenhofen und Murrhardt leider kein Investor gefunden werden, Die Produktionsabläufe an diesen Standorten seien nicht rentabel. Nun wird der Stuttgarter dort die sogenannte Ausproduktion einleiten. In den nächsten Tagen und Wochen wird er dafür gemeinsam mit allen wesentlichen Beteiligten einen Plan erarbeiten und mit der Umsetzung beginnen. In diesem Zusammenhang werde er sich eng mit den Arbeitnehmervertretern abstimmen, um sozialverträgliche Lösungen für die Mitarbeiter zu finden, die nicht weiterbeschäftigt werden können, betont der Insolvenzverwalter. Die Mitarbeiter wurden demzufolge am vergangenen Freitag über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen informiert. Die Situation sei aufgrund der Coronakrise weiterhin nicht einfach, ließ sich der Insolvenzverwalter Winkler noch im Sommer vernehmen. „Die Schweizer Group Global wurde durch die Viruspandemie wirtschaftlich schwer getroffen. Mit dem Shutdown sind bis auf wenige Ausnahmen alle eingeplanten Produktionsaufträge unserer Hauptkunden größtenteils weggebrochen. Auch in den kommenden Wochen müssen wir weiterhin mit Liefer- und Absatzschwierigkeiten rechnen“, erklärte der Sanierungsexperte seinerzeit. Durch Kurzarbeit und weitere Einsparungen hoffte Winkler, die massiven Umsatzeinbrüche teilweise kompensieren zu können.

„Das ist bitter für die Belegschaft und bitter für uns als Stadt“, kommentierte der Murrhardter Bürgermeister Armin Mößner die jüngste Nachricht von dem ortsansässigen Unternehmen. Die Stadtverwaltung werde den nun folgenden Prozess der Suche nach sozialverträglichen Lösungen für die 102 Mitarbeiter der Schweizer Group in Murrhardt bestmöglich flankieren.

Das Unternehmen

Die Schweizer Group Global GmbH ist Hersteller von Aluminium-Druckgusskomponenten. Die Teile werden hauptsächlich im Bereich Motor und Antriebsstrang eingesetzt. Hauptkunden sind Automobilhersteller aus Deutschland. Der Automobilzulieferer beschäftigt derzeit noch 529 Mitarbeiter an den vier Standorten Hattenhofen, Murrhardt, Plauen und Roding.

Das Unternehmen ist aus der Schweizer Group GmbH&Co. KG hervorgegangen, die im Februar 2019 die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragte und im Oktober 2019 an einen US-amerikanischen Investor im Zuge einer übertragenden Sanierung verkauft wurde.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1867, als Louis Schweizer in Backnang seine erste Fabrik gründete.

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Erstellt:
11. November 2020, 06:00 Uhr

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