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Sechselbergs Kicker lassen den Berg beben

Aufstiegsgeschichten Zum ersten Mal in seiner 63-jährigen Geschichte steigt der Verein aus dem Althütter Teilort in die Kreisliga A auf. Dabei gab es beim TSV bis zum Sommer 2018 fünf Jahre lang keine Fußballmannschaft mehr. Dann kamen Lukas Krawtschuk und seine Kumpels.

Bejubelten die Meisterschaft ausgiebig: Die Fußballer des TSV Sechselberg, die am Ende zwei Punkte vor Sulzbach lagen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Bejubelten die Meisterschaft ausgiebig: Die Fußballer des TSV Sechselberg, die am Ende zwei Punkte vor Sulzbach lagen. Foto: Alexander Becher

Von Uwe Flegel

Erst vier Jahre ist es her, da ruhte in Sechselberg der Ball, hatte der Turn- und Sportverein doch im Sommer 2013 mangels Masse an Fußballern den Spielbetrieb eingestellt. Dann kam der Murrhardter Lukas Kraw-tschuk mit der Idee um die Ecke, gemeinsam mit seinen Kumpels in einer Mannschaft spielen zu wollen. Dafür suchten sie einen Verein. Oben auf den Höhen des Welzheimer Walds zeigte sich TSV-Abteilungsleiter Torsten Tänzer offen für die Gedankenspiele. Im Sommer 2018 war Sechselberg zurück auf der Fußballlandkarte und steigt nun das erste Mal in seiner 63-jährigen Klubgeschichte in die Kreisliga A auf.

„Wir freuen uns“, sagt Spielertrainer David Bohn. Einerseits wegen des Titelgewinns in der Kreisliga B 2, den sich sein Team im Zweikampf mit dem FV Sulzbach gesichert hat. Andererseits weil nächste Saison das Derby mit dem Ortsrivalen TSV Althütte Kreisliga-A-Premiere feiert. Dann „ruft der Berg“ nicht nur, wie Sechselberg auf seiner Facebook-Seite den Aufstieg kommentierte, sondern er wird angesichts der Rivalität der Vereine wohl beben.

Zwei Niederlagen binnen einer Woche lassen den späteren Meister zweifeln

Wobei es im Herbst vergangenen Jahres nicht unbedingt nach Meisterschaft aussah. Binnen einer Woche gabs Niederlagen beim SC Fornsbach (1:2) und daheim im Spitzenspiel gegen Sulzbach (0:1). „Danach hat man schon gemerkt, dass die Jungs verunsichert sind“, erinnert sich David Bohn und lobt seine Elf dennoch: „Bemerkenswert war, wie die Mannschaft nach diesen zwei Nackenschlägen trotzdem zur Stange gehalten hat.“ Kein Spieler hätte es schleifen lassen. Am Ende blieb es dann ja auch bei diesen beiden Niederlagen. Nur zwei Unentschieden in der Rückrunde gegen die Rivalen im Titelrennen aus Sulzbach und von Kosova Kernen kamen noch dazu. Den Rest der 24 Spiele gewann Sechselberg.

Für Bohn die wohl wichtigste Partie auf dem Weg in die Kreisliga A war aber keiner der 20 Siege, sondern das 2:2 Ende März in Sulzbach. „Wir lagen nach 83 Minuten 0:2 zurück und haben noch ein 2:2 geschafft“, erzählt Bohn. Fürs Konto wars ein Punkt, für die Moral wars viel mehr. Denn nach der erfolgreichen Aufholjagd sei ein Ruck durch seine Mannschaft gegangen, berichtet der 30-jährige Spielertrainer: „Danach wollten die Jungs den Titel unbedingt.“

Mittlerweile ist klar, dass sie es nicht nur wollten, sondern auch machten. Selbst in den engen Spielen ließ sich Sechselberg nicht mehr vom Kurs abbringen, behielt zudem am letzten Spieltag gegen Nachbar SG Murrhardt/Kirchenkirnberg die Nerven und sicherte sich mit einem 3:0-Erfolg die nötigen drei Punkte. Für Bohn und sein Team nicht nur aufgrund der Wichtigkeit der Partie ein ganz besonderes Spiel, sondern auch, weil es gegen gute Bekannte ging. Wie Lukas Krawtschuk stammt der Trainer vom VfR Murrhardt. Außerdem durfte Sechselberg vor Auswärtsspielen gegen Vereine, die einen Naturrasen haben, immer mal wieder auf dem Kirchenkirnberger Spielhof trainieren. Denn Sechselberg selbst verfügt nur über einen alten und brettharten Kunstrasen, der wegen seiner Verfüllung mit Sand durchaus was von einer Sandwüste hat. Perfekte Bedingungen sehen anders aus. Das weiß David Bohn, jammert deshalb allerdings nicht groß. Zumal derzeit ohnehin feiern und jubeln angesagt ist.

„Wir waren einfach am konstantesten“, begründet der Coach, weshalb sein Team am Ende zwei Punkte mehr hatte als das zweitplatzierte Sulzbach, das sogar den direkten Vergleich gewonnen hat. Als Stärke macht der spielende Coach bei seiner Elf zudem aus, dass sich „die Tore bei uns recht gut verteilen und wir deshalb nicht so leicht auszurechnen sind“. An den 83 erzielten Treffern haben er selbst sowie Lukas Krawtschuk mit jeweils 13 und Stefano Trefz mit 11 Toren den Löwenanteil. Wichtig, so Bohn, sei aber nicht nur das gewesen, was auf dem Platz geleistet wurde. Für ihn steht fest: „Torsten Tänzer hat großen Anteil am Erfolg, das darf nicht vergessen werden. Was er am Rand des Spiels alles für uns tut, das ist schon richtig gut.“

So wie die Bilanz des Meisters und Aufsteigers, der seine Kreisliga-A-Premiere übrigens recht entspannt angeht. „Wir wissen, dass es nicht einfach wird, aber die Jungs haben keinerlei Druck und können befreit aufspielen“, sagt der Coach und hat sich mit seiner Elf vorgenommen: „Von Anfang an zu schauen, dass wir nicht ganz hinten drin stehen. Vielleicht tun wir uns sogar ein wenig leichter als bislang, da die Gegner gegen uns künftig nicht mehr ganz so tief stehen.“ Beim Unternehmen Nichtabstieg baut der TSV weitgehend auf den bisherigen Kader. „Der bleibt komplett zusammen“, sagt David Bohn. Nur „ein, zwei Zugänge für die Breite im Kader“ sollen kommen, erzählt der 30-Jährige. Schließlich sind er und seine Freunde ja in Sechselberg vor ein paar Jahren zusammengekommen, um miteinander in einer Mannschaft Fußball zu spielen.

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Erstellt:
15. Juni 2022, 06:00 Uhr

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