Nachruf auf Ernst Fischer
Sein Herz stand stets offen
Der Koch und langjährige Dehoga-Präsident Ernst Fischer ist im Alter von 82 Jahren gestorben.
© dpa/Michael Reichel
Ernst Fischer bei einer Rede im Jahr 2011
Von Frank Schwaibold
Wer Ernst Fischer in seinem Haus in Bebenhausen besuchte, dem erging es gut. Selbst im hohen Alter empfing er seine Gäste mit dem gleichen Elan und der gleichen Freundlichkeit wie früher, als er noch ein junger Gastwirt war: Unter seinem Dach gleich neben den Klostermauern war man stets willkommen, und am Nachmittag deckte seine Frau Brigitte den Tisch ein und servierte köstlichen selbst gemachten Kuchen. Nach dem Kaffee machte Ernst Fischer dann eine gute Flasche Rotwein auf.
Sein Motto lautete „Porta patet, cor magis“ – Die Tür steht offen, das Herz noch mehr. Er lebte wie kein Zweiter danach. Und zu später Stunde zeigte sich eine weitere äußerst sympathische Seite von Ernst Fischer. Er konnte immer eine lustige Anekdote zum Besten geben. Sein Witz und sein Humor zeichneten ihn ebenso aus wie sein großes Fachwissen als Koch. Keine Begegnung mit ihm, ohne dass nicht gelacht wurde.
Privatkoch in Windsor
Am 16. April 1944 kam Fischer in Geislingen an der Steige zur Welt. Nach seiner Ausbildung zum Koch folgten Aufenthalte in Spitzenhäusern in England, Frankreich, Schweden und der Schweiz. Auch das berühmte Hotel Georg V in Paris zählte zu seinen Stationen. Und im englischen Windsor arbeitete er als Privatkoch.
1969 kehrte Fischer nach Deutschland zurück, machte sich 1970 in Hechingen selbstständig und wurde seinerzeit als jüngster Gastwirt Deutschlands bekannt. Von 1976 bis 2012 betrieb er das renommierte Restaurant Rosenau in Tübingen. Gemeinsam mit seiner Familie führte er zudem von 1976 bis 2018 das traditionsreiche Landhotel „Hirsch“ in Bebenhausen.
An der Spitze der Dehoga
Ernst Fischer aber bleibt nicht nur als außergewöhnlich guter Koch bei zahllosen Gästen in bester Erinnerung. Auch als Funktionär machte er sich verdient. 1989 wurde er Mitglied im Vorstand des Dehoga Baden-Württemberg und 1995 dort zum Präsidenten gewählt. Im November 2000 wurde Fischer Präsident des Dehoga Bundesverbandes. In seiner 15-jährigen Amtszeit zählten zu seinen größten Erfolgen die Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent für die heimische Hotellerie, die Abschaffung der Trinkgeldbesteuerung sowie die Sicherung der Steuerfreiheit von Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen.
Im November 2016 übergab Ernst Fischer den Staffelstab an Guido Zöllick und wurde von der Delegiertenversammlung zum Ehrenpräsidenten des Dehoga Bundesverbandes ernannt. Er engagierte sich zudem in zahlreichen Gremien und Organisationen, unter anderem als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Am 24. Juni ist Ernst Fischer nun nach schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Tübingen gestorben.
