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SG verliert mehr als nur die Punkte

Trotz Defensivschwächen bietet Kellerkind Aspach dem Regionalliga-Spitzenreiter FSV Frankfurt lange Zeit Paroli, unterliegt am Ende in Unterzahl aber dennoch 0:1. Gelb-Rot für Joel Gerezgiher. Sebastian Schiek und Marvin Cuni sehen jeweils die fünfte Gelbe Karte.

Ein bitterer Nachmittag für Joel Gerezgiher (lins). Ausgerechnet an alter Wirkungsstätte gab es für den gebürtigen Frankfurter von Schiedsrichter Sascha Kief die Gelb-Rote Karte und mit Großaspachs Fußballern gegen seinen Ex-Verein eine Niederlage in fast letzter Minute. Foto: Eibner

© Eibner-Pressefoto / Scherbaum

Ein bitterer Nachmittag für Joel Gerezgiher (lins). Ausgerechnet an alter Wirkungsstätte gab es für den gebürtigen Frankfurter von Schiedsrichter Sascha Kief die Gelb-Rote Karte und mit Großaspachs Fußballern gegen seinen Ex-Verein eine Niederlage in fast letzter Minute. Foto: Eibner

Von Uwe Flegel

„Ich wollte eigentlich nur helfen, den Konter zu unterbinden und habe eben das taktische Foul gezogen. Im Video nach dem Spiel war dann erkennbar, dass noch zwei, drei Mitspieler mitgelaufen waren.“ Soll heißen: Joel Gerezgihers rustikale Trikotbremse in der 78. Minute und die folgende Ampelkarte waren kropfunnötig. Eine Erkenntnis, zu der Großaspachs Mittelfeldspieler zu spät gelangte. Deshalb war für ihn der Auftritt mit dem Fußball-Regionalligisten SG Sonnenhof bei seinem einstigen Jugendverein FSV Frankfurt gründlich schiefgegangen. Ohne den 25-Jährigen hatten seine Mitstreiter in Unterzahl kurz vor Schluss noch das entscheidende 0:1 kassiert. Wobei der Treffer von Jake Hirst wenig mit Gerezgihers vorzeitigem Abgang, sondern mehr mit Defensivproblemen der Gäste zu tun hatte. Aspacher Schwächen, die es nicht nur beim goldenen Tor der Hessen zu sehen gab. Noch deutlich folgenschwerer wird die Niederlage in fast letzter Minute, weil im Nachholspiel kommenden Mittwoch nicht nur Gerezgiher gesperrt ist. Verteidiger Sebastian Schiek und Stürmer Marvin Cuni sahen jeweils ihre fünfte Gelbe Karte und fehlen in der Heimpartie gegen den Viertletzten Rot-Weiß Koblenz ebenfalls.

Trainer Hans-Jürgen Boysen ist lang genug im Geschäft, um die Probleme seines Teams richtig zu beurteilen. Immer wieder bringt sich seine Mannschaft selbst um den Lohn. Auch in Frankfurt. Dort stellte sich die SG vor Hirsts Treffer mit einer missglückten Abseitsfalle selbst ein Bein. Boysen beteiligte sich deshalb gar nicht erst an Diskussionen, ob das Tor regelkonform war: „Es war ja nicht nur diese eine Szene. Schon zuvor haben wir uns drei Situationen erlaubt, in denen der Gegner allein vor unserem Gehäuse steht. Das ist einfach zu großzügig.“ Ebenso korrekt, wie es besser ist, sich mit den eigenen Fehlern zu beschäftigen. Zumal sich nach dem Studium der eigenen Videoaufzeichnungen herausstellte, dass nicht Schiedsrichter Sascha Kief und seine Assistenten, sondern die SG-Hintermannschaft gepatzt hatte.

Hinten ist Großaspach immer wieder zu großzügig und vorne zu nachlässig.


Das wiederum war aber nur die eine Seite der am Ende wertlosen Aspacher Medaille. Die zweite waren die Nachlässigkeiten vor dem Frankfurter Gehäuse. Fünf, sechs aussichtsreiche Aktionen hatten sich die schwäbischen Gäste erspielt, doch keine einzige führte zum Erfolg. „Mir hat der letzte Kick im gegnerischen Strafraum gefehlt“, urteilte Boysen und kritisierte: „Das Spiel in die Tiefe ist uns nur phasenweise gelungen. Zu oft haben wir die Bälle zu einfach hergeschenkt.“ Wobei das auch an dem schwierigen und schmierigen Rasen lag, denn nicht nur das Kellerkind aus dem Fautenhau hatte den einen oder anderen Stockfehler. Auch der Titelaspirant aus Hessen hatte im Spielaufbau in Sachen Genauigkeit das eine oder andere ungewohnte Problem. „Wir müssen zufrieden sein, dass uns in der 87. Minute noch das Tor gelungen ist“, urteilte FSV-Trainer Thomas Brendel und wunderte sich nicht, dass der Spitzenreiter mit dem Sechstletzten Probleme hatte: „Wir wussten, dass Aspach eine Mannschaft ist, die nicht auf diesen hinteren Tabellenplatz gehört.“

Worte, die sich nett anhören, die der aus der Dritten Liga abgestiegenen Fautenhau-Elf in der Saison des Umbruchs aber nicht die ersehnten Punkte und damit auch nicht die erhoffte Trendwende bringen. Die müssen die Schwaben schon selbst schaffen. Manchmal helfen da bereits kleine Schritte. Wie zum Beispiel ein Unentschieden bei einem Titelaspiranten. Möglich wäre das sicherlich gewesen, wenn die SG hinten – auch mithilfe von Glücksgöttin Fortuna – eben nicht nur 87 Minuten dicht gehalten hätte. So aber war der ganze Aufwand vergebens und die Schwaben gingen nach dem 0:4 in Elversberg nun zum zweiten Mal in Folge in der Fremde leer aus. „Wir ärgern uns über die Niederlage, den einen Punkt hätten wir schon gerne mitgenommen“, gestand Boysen ein.

Wunsch und Wirklichkeit passten bei Großaspach aber einmal mehr nicht zusammen. Drei Spieltage vor Vorrundenschluss liegt Aspach unter dem Strich. Sollte jemand nach den Siegen in Kassel und beim TSV Schott Mainz wirklich geglaubt haben, dass die hinteren Tabellenplätze rasch Geschichte sind, dann muss er nun wohl einen harten und zähen Winter akzeptieren. Erst recht, falls es dem Team von Hans-Jürgen Boysen nicht schnell gelingt, die Probleme bei schnellem gegnerischen Umschaltspiel abzustellen. Zumal die Konkurrenz längst erkannt hat, wo die SG der Schuh unter anderem drückt. FSV-Co-Trainer Taner Yalcin bekannte nach der Partie: „Wir wussten um Aspachs anfällige Defensive.“ Löcher, die nach Gerezgihers Ampelkarte nicht einfacher zu schließen waren. Vorhanden waren sie aber bereits, als die Elf aus dem Fautenhau noch komplett auf dem Platz gestanden hatte.

FSV Frankfurt: Endres – von Schroetter, Sierck, Nothnagel, Williams – Häuser (90.+4 Burcu), Mangafic (89. Burdenski), Sejdovic, Straub – Alawie (71. Hirst), Güclü.

SG Sonnenhof Großaspach: Nreca-Bisinger – Schiek, Gehring, Sadler, Gipson (64. Held) – Jüllich, Gerezgiher – Ivan, Widemann (83. Owusu), Cuni – Ferdinand (64. Karatas).

Tor: 1:0 (87.) Hirst. – Gelbe Karten: Schiek, Cuni/Hirst. – Gelb-Rot: Gerezgiher (78.). – Schiedsrichter: Kief (Reilingen).

Englische Woche mit Kellerduell

Große Zeit, um die Wunden zu lecken, haben die Fußballer der SG Sonnenhof Großaspach nicht. Am kommenden Mittwoch steht für den Sechstletzten ab 18 Uhr zu Hause das Spiel gegen den Viertletzten Rot-Weiß Koblenz. Die Partie hätte eigentlich schon vergangenen Mittwoch stattfinden sollen, fiel wegen der schneebedeckten Plätze im Fautenhau allerdings aus.

Eventuell dürfen die Schwaben im Kellerduell auf einen kleinen Vorteil hoffen, haben sie in der englischen Woche doch einen Tag länger Pause. Während Aspach in Frankfurt bereits am Samstag um Punkte kämpfte, musste Koblenz am Sonntag ran. Dabei war das Team des früheren Aspacher Trainers Heiner Backhaus wenigstens zum Teil erfolgreich. Gegen den Tabellensechsten Offenbach gab es ein beachtliches 0:0.

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Erstellt:
25. Januar 2021, 06:00 Uhr

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