Gen Z vs. Boomer
Sind junge Hundehalter strenger als ältere?
Junge Menschen gelt oft als besonders fürsorglich gegenüber ihren Haustieren. Doch ausgerechnet die Gen Z setzt ihren Hunden im Alltag häufiger Grenzen als ältere Generationen.
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Zwei Hunde laufen auf der Hundewiese im Erfurter Nordpark frei herum. (Symbolbild)
Von Katrin Jokic
Darf der Hund mit ins Bett? Soll er beim Spaziergang frei laufen? Und muss er wirklich überall dabei sein? Bei solchen Fragen scheiden sich unter Hundehaltern die Geister. Überraschend ist allerdings, welche Generation ihren Vierbeinern offenbar die größten Freiheiten einräumt. Denn nicht etwa die junge Gen Z, sondern die Baby-Boomer zeigen sich im Alltag häufig großzügiger.
Das geht aus einer aktuellen YouGov-Studie im Auftrag des Heimtierhändlers ZooRoyal hervor. Dafür wurden Ende August und Anfang September 2026 insgesamt 1.020 Hundehalter in Deutschland befragt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Generationen – und stellen so manches Klischee über junge Tierbesitzer infrage.
Gen Z lässt Hunde seltener ohne Leine laufen
Besonders deutlich wird der Unterschied beim täglichen Spaziergang. Während 66 Prozent der befragten Baby-Boomer ihren Hund dort ohne Leine laufen lassen würden, wo es erlaubt ist, sind es unter den Hundehaltern der Gen Z lediglich 42 Prozent.
Auch beim Schlafplatz ziehen jüngere Halter häufiger eine Grenze. Nur 42 Prozent der Gen Z erlauben ihrem Hund, im eigenen Bett zu schlafen. Bei den Baby-Boomern sind es dagegen 53 Prozent.
Ähnlich sieht es beim gemeinsamen Urlaub aus: 73 Prozent der Baby-Boomer nehmen ihren Vierbeiner mit auf Reisen. Bei der Gen Z sind es nur 49 Prozent.
Die Ergebnisse legen nahe, dass jüngere Hundehalter ihren Alltag mit Hund teilweise anders gestalten als ältere Generationen. Neben einer strengeren Hundeerziehung können auch Wohnsituation, Beruf, Reiseverhalten oder die individuellen Bedürfnisse des Hundes eine Rolle bei solchen Entscheidungen spielen.
Junge Hundehalter haben besonders oft ein schlechtes Gewissen
Während die Gen Z ihren Hunden in manchen Alltagssituationen weniger Freiheiten einräumt, scheint sie sich zugleich besonders intensiv mit deren Wohlergehen auseinanderzusetzen.
So geben 75 Prozent der befragten Hundehalter aus der Gen Z an, manchmal ein schlechtes Gewissen zu haben, ihrem Hund nicht genug zu bieten. Zum Vergleich: In der Generation X sind es lediglich rund 39 Prozent.
Woher kommt dieser deutliche Unterschied?
Eine mögliche Erklärung sind die hohen Erwartungen, die gerade jüngere Menschen an eine gute Hundehaltung stellen. Zwischen Arbeit, Ausbildung, Studium, Freizeit und sozialen Verpflichtungen muss auch der Vierbeiner ausreichend Bewegung, Beschäftigung und Aufmerksamkeit bekommen.
Hinzu kommt, dass junge Hundehalter heute auf eine enorme Menge an Informationen zugreifen können. In sozialen Netzwerken, Online-Ratgebern und Videos finden sie zahlreiche Tipps zur richtigen Ernährung, Beschäftigung und Erziehung.
Was eigentlich Orientierung geben soll, kann allerdings auch verunsichern. Laut der ZooRoyal-Studie empfinden 18 Prozent der Gen Z die Vielzahl und Widersprüchlichkeit der Empfehlungen als belastend.
Muss ein glücklicher Hund wirklich alles dürfen?
Dass jüngere Menschen ihren Hunden häufiger Grenzen setzen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass ihnen das Wohl ihrer Tiere weniger wichtig ist. Im Gegenteil: Die Studie zeigt generationsübergreifend, wie stark sich Hundehalter mit ihren Vierbeinern verbunden fühlen.
92 Prozent aller Befragten betrachten ihren Hund als vollwertiges Familienmitglied. 96 Prozent fühlen sich dafür verantwortlich, ihm ein möglichst gutes Leben zu ermöglichen.
Auch bei der Erziehung steht für viele nicht mehr der bedingungslose Gehorsam im Vordergrund. 87 Prozent der Befragten ist eine gute Bindung wichtiger als perfekter Gehorsam. Für 85 Prozent zählt ein glücklicher Hund mehr als ein perfekt erzogenes Tier.
Dabei müssen sich klare Regeln und liebevoller Umgang keineswegs widersprechen. Ob ein Hund im Bett schlafen darf, sagt beispielsweise wenig darüber aus, wie gut es ihm geht. Entscheidend sind unter anderem ausreichend Ruhe, Bewegung, soziale Kontakte, eine bedarfsgerechte Beschäftigung und ein verlässliches Zusammenleben.
Genauso ist der Freilauf nicht für jeden Hund und jede Umgebung gleichermaßen geeignet. Ein Hund, der an der Leine geführt wird, ist deshalb nicht automatisch weniger glücklich als einer, der frei laufen darf.
Unterschiedliche Generationen, ähnliche Wünsche
Die Studie macht deutlich, dass Hundehalter verschiedener Altersgruppen unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie das Zusammenleben mit ihren Tieren aussehen sollte.
Während Baby-Boomer ihren Hunden in den abgefragten Alltagssituationen häufiger Freiheiten gewähren, setzt die Gen Z offenbar öfter Grenzen. Gleichzeitig scheint sie besonders stark darüber nachzudenken, ob sie den Bedürfnissen ihres Vierbeiners ausreichend gerecht wird.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine Generation die besseren Hundehalter hervorbringt. Vielmehr zeigt sich, wie unterschiedlich verantwortungsvolle Hundehaltung im Alltag aussehen kann.
Am Ende dürfte für den Hund ohnehin weniger entscheidend sein, ob er auf dem Bett oder im eigenen Körbchen schläft. Viel wichtiger ist, dass er sich bei seinen Menschen sicher und wohlfühlt – ganz gleich, welcher Generation sie angehören.
