Aggressiver Fuchs in Berlin
So schützen Sie Ihren Hund vor Tollwut
Nach mehreren Angriffen auf Hunde in Reinickendorf warnt das Bezirksamt vor einem einzelnen Fuchs. Was Hundebesitzer jetzt beachten sollten und wie die Behörden reagieren. Ein Verdacht auf Tollwut würde bisher nicht geäußert.
© Patrick Pleul/dpa
Von Markus Brauer
Im nördliche Berliner Bezirk Reinickendorf sorgt nach Angaben der Behörden ein „auffällig aggressiver Fuchs“ für Ärger. Seit Ende Januar seien mehrere Angriffe auf Hunde sowie vereinzelt auf Hundehalter gemeldet worden, teilt das Bezirksamt mit.
Das Tier biss demnach mehrfach freilaufende oder angeleinte Hunde. „Nach vorliegenden Erkenntnissen wurde ein Hund infolge eines Angriffs getötet“, heißt es seitens des Bezirksamtes. Der bislang letzte gemeldete Vorfall habe sich am 12. April ereignet.
Behörden sind alarmiert
„Die Vorfälle nehmen wir sehr ernst“, erklärt Bezirksstadtrat Sebastian Pieper (CDU). „Es handelt sich nach aktuellem Stand um ein einzelnes Tier, das nicht repräsentativ für die Fuchspopulation in der Stadt ist.“ Weitere Hinweise zu dem Fuchs aus der Bevölkerung an die zuständigen Stellen oder die Polizei seien für die Behörden wichtig.
Wie es weiter hieß, plant das Ordnungsamt eine Informationsveranstaltung für die Bürger in dem fraglichen Kiez, der sich nahe einem großen Friedhof befindet. Die Behörden riefen die Bevölkerung zudem auf, Hunde stets anzuleinen und Abstand zu Wildtieren zu halten. Das Füttern von Füchsen sei verboten.
Ob der Fuchs mit Tollwut infiziert ist, ist bisher nicht bekannt. Wenn ein verdächtiges Tier einen Menschen oder ein Haustier beißt, sollte umgehend einen Arzt aufgesucht und die Polizei oder das Veterinäramt informiert werden, raten Experten. Auf Reisen in Osteuropa, Asien oder Afrika besteht weiterhin ein Tollwutrisiko.
Was verursacht Tollwut?
- Tollwut wird durch Tierbisse auf Menschen übertragen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin kann die Inkubationszeit beim Menschen nach der Infektion zwischen einigen Tagen und mehreren Jahren liegen. Bricht die Krankheit aus, verläuft sie immer tödlich.
- Tollwut (englisch: rabies) wird durch sogenannte Lyssaviren verursacht, die durch Speichel beziehungsweise über die Schleimhäute und das Blut übertragen werden.
- Mit den Viren können alle Säugetiere, vor allem Hunde, Katzen, Füchse, Wölfe, Waschbären, Frettchen und Fledermäuse, aber auch Menschen infiziert werden. Die Ansteckung geschieht meist durch Bisswunden oder Kratzer.
Wie groß ist die Gefahr einer Infektion für Menschen?
Die Wahrscheinlichkeit, sich als Mensch in Deutschland mit Tollwut zu infizieren, verläuft gegen null. Bei teils illegal importierten und daher häufig nicht geimpften Hunden aus Tollwutgebieten besteht eine geringe Gefahr, dass sie mit Tollwut infiziert sein können.
Ist Tollwut in Deutschland verbreitet?
- In Deutschland ist die sogenannte terrestrische, also erdgebundene Tollwut bei Hunden und Wildtieren wie Füchsen und Waschbären seit 2008 ausgerottet.
- In den 1970er Jahren waren Füchse das Hauptreservoir für die durch Viren übertragene, fast immer tödliche Infektionskrankheit des Nervensystems. Durch Impfköder wurde die Krankheit ausgerottet.
- Einige wenige Fledermausarten sind in Deutschland allerdings Träger von Lyssaviren und können per Biss oder Kratzer Tollwut auf Menschen übertragen.
- Fledermäuse leben als Flugtiere nicht auf dem Boden. Damit fällt ihre Infektion nicht unter die terrestrische Tollwut. Ein Fledermausbiss oder -kratzer ist daher immer ein Fall für eine nachträgliche Tollwutimpfung.
Wie gefährlich ist Tollwut für Hunde?
Für ungeimpfte Hunde verläuft Tollwut immer tödlich. Deshalb ist die Impfprophylaxe so wichtig. Ein Gegenmittel, um eine ausgebrochene Tollwut bei Hunden zu kurieren, gibt es nicht.
Wie können sich Hunde infizieren?
Hunde stecken sich meist durch Füchse oder untereinander mit den Viren an. Die Inkubationszeit nach einer Bissverletzung beträgt zwei bis zehn Wochen – abhängig davon, wie nah die Wunde am Gehirn liegt. Die Krankheit verläuft nach ihrem Ausbruch zwischen einem Tag und einer Woche.
Wie kann man Hunde vor Tollwut schützen?
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) am Friedrich-Loeffler-Institut empfiehlt, bei Hunden schon im Welpenalter eine Grundimmunisierung durchzuführen. Die Experten raten zu einem vollständigen und lückenlosen Impfplan, der auf Kombi-Impfstoffen beruht – beispielsweise den sechsfachen Wirkstoff gegen Staupe, Parvovirose, Leptospirose, Hepatitis contagiosa canis, Tollwut und Zwingerhusten.
In welchem Rhythmus sollen Hunde geimpft werden?
Der Impfrhythmus sieht wie folgt aus:
- Grundimmunisierung: Die erste Tollwutimpfung sollte der Hund im Idealfall im Alter von zwölf Lebenswochen erhalten.
- Die zweite Impfung findet im Alter von 15 Lebenswochen statt.
- Im Impfrhythmus sollte der Hund die dritte Tollwutimpfung ein Jahr nach der zweiten Impfung bekommen.
- Wiederholungsimpfungen: Um den Schutz aufrechtzuerhalten, ist alle zwei bis drei Jahre eine Wiederholungsimpfung vorgesehen.
Wie wirksam sind Impfstoffe?
Heutige Impfstoffe gelten für Menschen als gut verträglich und schützen zuverlässig. Wird man gebissen, sollte die Wunde sehr gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. Danach sollte man unverzüglich zum Arzt gehen, der eine postexpositionelle Impfung – also eine Impfung nach erfolgtem Biss – verabreicht.
