Verschiebung von Stuttgart 21

Sommer ohne S-Bahn-Sperrung? Region rechnet mit Ende des Rituals

Seit Jahren müssen zahlreiche Pendler in den Sommerferien auf Ersatzbusse umsteigen. Dank der Verschiebung von Stuttgart 21 könnte sich das jetzt erledigt haben. Vielleicht.

Ein Sommer ohne Ersatzverkehr? Die Jüngeren können sich daran gar nicht mehr erinnern.

© Lichtgut/Leif Piechowski

Ein Sommer ohne Ersatzverkehr? Die Jüngeren können sich daran gar nicht mehr erinnern.

Von Eberhard Wein

Ein Sommer ohne große S-Bahn-Sperrung – schon im kommenden Jahr könnte dieser Traum vieler Stuttgarter S-Bahn-Fahrgäste in Erfüllung gehen. Diese Hoffnung nährt zumindest der für die S‑Bahn zuständige Verband Region Stuttgart. Es sei „davon auszugehen, dass es keine weiteren Stammstreckensperrungen gibt“, heißt es in einer Beratungsunterlage für den Verkehrsausschuss des Regionalparlaments, der am kommenden Mittwoch tagt. Damit wären auch die Sperrungen in den Jahren 2028 bis 2030 vom Tisch.

Dies sei eine Folge der Verschiebung des Eröffnungstermins von Stuttgart 21 aufs nächste Jahrzehnt, heißt es in dem Papier des Verbandes. Ein Sprecher der S-Bahn Stuttgart wollte diese frohe Botschaft nicht bestätigen.

Für den Verband ist es reine Logik

Beim Verband scheint man sich hingegen sicher zu sein und beruft sich auf  „bisherige Verlautbarungen der DB-InfraGo“. Die für Schienen und Bahnanlagen zuständige Bahn-Tochter habe für den Zeitraum bisher keine konkreten Sperrungen angemeldet. Das hätte sie allerdings bereits machen müssen. Hintergrund ist eine gesetzliche Regelung auf Ebene der Europäischen Union, die eigentlich schon seit 2012 in Kraft ist, nach Aussage von DB Infrago aber „bis zum Fahrplan 2028 vollständig umgesetzt sein“ soll. So zitiert es der Verband. Demnach sind vor größeren Bauarbeiten mit entsprechenden Sperrungen „verbindliche Konsultationen mit mehrjährigem Vorlauf“ vorgeschrieben.

Für den Verband ist der Rest reine Logik. Da diese Konsultationen bisher nicht stattgefunden hätten, werde es auch keine Sperrung geben, zumal es sich bei der unterirdischen Stuttgarter Stammstrecke um eine „bedeutsame Strecke handelt, bei der man davon ausgehen muss, dass DB-InfraGO mit der gebotenen Sorgfalt alle planbaren Maßnahmen bewertet“.

Folgen der Verschiebung werden noch untersucht und koordiniert

Ein Sprecher der S-Bahn Stuttgart wies hingegen darauf hin, dass die Verschiebung des Großprojekts erst vor wenigen Monaten kommuniziert worden sei. Man sei noch dabei, daraus die Folgerungen zu ziehen. „Wir brauchen eine gesamthafte Bauplanung.“ Es gehe darum, zum einen die Notwendigkeiten für die Digitalisierung weiter zu planen. Zum anderen müsse der Instandhaltungsaufwand ermittelt werden, der sich für die Bestandsstrecke ergebe, die nun länger in Betrieb bleibe. Dies werde gegenwärtig koordiniert. Das Ergebnis müsse „jetzt noch abgestimmt werden“, werde aber gewiss bald kommuniziert.

Dies sei allerdings nicht als Widerspruch zu den Feststellungen im Verbandspapier zu sehen, sagte der Sprecher. Also doch keine Sperrung? „Sie sehen ja, dass in dem Papier viele Weichmacher drin sind.“ Letztlich lässt es sich wohl nach wie vor nicht sicher sagen, ob die Zeit der Stammstreckensperrungen vorbei ist.

In den vergangenen Jahren war die Stammstreckensperrung zu einem unbeliebten Stuttgarter Sommer-Ritual geworden. In diesem Jahr hatte sie besonders lange gedauert. Für acht Wochen mussten Fahrgäste zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen in Ersatzbusse umsteigen. Für das kommende Jahr war sogar ursprünglich von einer 13-wöchigen Sperrung die Rede gewesen.

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Erstellt:
23. September 2026, 11:38 Uhr

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