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Sozial engagierter Zivil- und Militärarzt

Eduard Albert Seeger (1829 bis 1913), Schwiegervater von Robert Franck, setzte sich ein für die Verbesserung der ärztlichen Versorgung von Soldaten. Er förderte den Bau des Murrhardter Krankenhauses und vermachte seine Villa Flora den Olgaschwestern.

Porträt des Arztes Eduard Albert Seeger. Fotos: Archiv Carl-Schweizer-Museum

Porträt des Arztes Eduard Albert Seeger. Fotos: Archiv Carl-Schweizer-Museum

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Eduard Albert Conrad Seeger war einer der bedeutendsten württembergischen Mediziner des 19. Jahrhunderts. Er war teilweise gleichzeitig als praktischer Arzt für die Zivilbevölkerung und als Militärarzt tätig sowie Vorfahre einer bis heute bestehenden, weit verzweigten Medizinerdynastie. Er setzte sich dafür ein, die ärztliche Versorgung von Soldaten in Lazaretten entscheidend zu verbessern. Zudem zeichnete er sich durch ein außerordentlich umfangreiches und vielfältiges soziales Engagement aus. Am 25. November 1829 in Murrhardt als Sohn des Sternwirts Johann Seeger geboren, entstammte er laut Heimatgeschichtsforscher Christian Schweizer einer alten Wirte- und Tuchmacherfamilie. Da der elterliche Textilbetrieb auch Verbandsmaterial herstellte, interessierte er sich schon früh für Medizin. Er machte eine Lehre in der Apotheke und studierte gegen den Willen seines Vaters Medizin. 1848/1849 beteiligte er sich als Student unter Ferdinand Nägele an der Revolution und engagierte sich als Sanitäter bei der Murrhardter Bürger- und Tübinger Studentenwehr.

Von 1849 bis 1854 studierte er in Tübingen, anschließend in Prag und Wien. Nach seiner Zulassung ließ er sich 1856 als praktischer Arzt für Frauenheilkunde und Geburtshelfer in Backnang nieder. Am 15. Mai 1860 heiratete er dort Maria-Sofie Müller, Tochter des seit 1819 praktizierenden Arzts Albert Müller. Das Ehepaar bekam zehn Kinder, je fünf Söhne und Töchter. Am 30. August 1861 kam als erstes Kind die Tochter Martha zur Welt, die später den Fabrikanten Robert Franck heiratete.

Auch mit mehr als 70 Jahren übte Seeger seine ärztliche Tätigkeit aus.

1859 nahm Seeger teil an der Mobilmachung der süddeutschen Truppen im österreichisch-italienisch-französischen Krieg und wurde Oberarzt der Reserve in einem Feldspital. 1865 trat er als Militärarzt ins württembergische Heer ein, in den ersten Jahren war er Bataillonsarzt des 1. Jägerbataillons auf dem Asperg. Anschließend wurde er Stabsarzt beim 3. Bataillon des Infanterie-Regiments Alt-Württemberg und nahm in dieser Funktion teil am Krieg zwischen Preußen und Österreich, auf dessen Seite die württembergischen Truppen kämpften.

1868 kam er als Oberstabsarzt nach Mergentheim, wo er bis 1873 blieb, 1869 wurde er zum Hauptmann befördert. Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 war er als Regimentsarzt des damaligen 5. Infanterie-Regiments tätig. In dieser Funktion machte er die Schlachten von Wörth, Sedan und Villiers-Champigny mit. In den Kämpfen vor Paris am 30. November und 2. Dezember entwickelte Seeger eine segenbringende Tätigkeit, erst an der Front und später in den Feldlazaretten, dort wurde ihm auch das Eiserne Kreuz verliehen.

Nach Kriegsende zog Seeger 1873 mit seiner Familie von Mergentheim nach Ludwigsburg um, wo er zuerst beim Feldartillerie-Regiment 13 und ab 1875 beim Dragonerregiment 25 tätig war. Die Garnisonstadt wurde ihm eine zweite Heimat und dort avancierte zu einem hochgeschätzten und viel beschäftigten Arzt. Zudem war er als einer von nur sehr wenigen württembergischen Militärärzten bereit, nach den Bestimmungen der Militärkonvention im Alter von 43 Jahren das von Preußen gewünschte Oberstabsarztexamen abzulegen.

Nach kurzer Dienstzeit beim Feldartillerieregiment 29 war Seeger fast ein Vierteljahrhundert Regimentsarzt des Dragoner-Regiments Königin Olga. Gleichzeitig arbeitete er zehn Jahre als Chefarzt des Garnisonslazaretts, überdies fast 30 Jahre als leitender Arzt der Kinder- und Brüderanstalt Karlshöhe und des Männerkrankenhauses auf dem Salon in Ludwigsburg. 1897/98 schied er aus dem aktiven Dienst aus und nahm fast 70-jährig seinen offiziellen Abschied im Rang als Generalarzt und Kommandeur des Ehreninvalidenkorps. Er übte aber seine ärztliche Tätigkeit noch für einige weitere Jahre aus, solange er sich dazu imstande fühlte.

Für seine Verdienste wurden Eduard Albert Seeger verschiedene Auszeichnungen verliehen: 1867 der Friedrichsorden, 1887 das Dienstehrenzeichen 1. Klasse, 1889 die Jubilarsmedaille und am 30. November 1911 das Ehrenkreuz der Königlich Württembergischen Krone, womit für württembergische Bürger eine Erhebung in den persönlichen Adelsstand verbunden war.

Seine Villa Flora wurde später zum Olgaschwesternheim.

Seine Villa Flora wurde später zum Olgaschwesternheim.

In seiner Geburtsstadt Murrhardt hatte Seeger unterhalb des Wolkenhofs die Familienvilla Flora errichten lassen. Bisher ging man davon aus, dass er diese Villa 1906 den Olgaschwestern vermachte und sein Schwiegersohn Robert Franck das Gebäude zu diesem Zweck ausbaute. Die 1872 in Heilbronn und Stuttgart gegründete Organisation der evangelischen Olgaschwesternschaft war laut Christian Schweizer eng mit dem württembergischen Roten Kreuz verbunden und wurde durch die württembergischen Königinnen Olga und Charlotte gefördert. Bis heute betreiben die Olgaschwestern ihr Diakonissenmutterhaus und das Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart. Nach Recherchen von Esther Krauter, Studentin an der PH Schwäbisch Gmünd, geben andere Quellen an, dass Robert Franck die Villa Flora am Hofberg kaufte und ausbaute.

Nach den Tagebucheinträgen von Martha Franck kam die Oberin der Olgaschwestern, Schwester Göz, am 20. September 1906 nach Murrhardt. Sie besichtigte zusammen mit Martha Franck verschiedene mögliche Bauten für ein geplantes Schwesternerholungsheim, wobei ihr die Villa Flora am besten gefiel. Knapp einen Monat später beschlossen die Olgaschwestern, sich dort einzumieten, besichtigten das Gebäude am 19. Oktober 1906 und schlossen am gleichen Tag einen Mietvertrag zum 1. Januar 1907 ab.

1999 wurde das Olgaschwesternheim abgerissen.

Am 28. Oktober 1906 teilte Robert Franck seiner Gattin mit, er erwäge, die Villa Flora an die Olgaschwestern zu verschenken. Am 5. November 1906 teilte Martha der Oberin die Schenkungsabsicht „in Ratenzahlung per 1907 u. 1908“ per Telefon mit. Dass es sich bei der Villa Flora zweifelsfrei um dasselbe Gebäude wie die Villa Seeger handelt, zeigt ein Vergleich der Fotografie der Villa Seeger mit einer alten Aufnahme auf einer Postkarte. Seitdem war das Gebäude als Olga(schwestern)heim bekannt, das die Schwesternschaft bis in die 1990er-Jahre als Erholungsheim und Tagungsstätte nutzte, 1999 wurde es abgerissen.

Eduard Albert Seeger war geprägt von Leid und Not auf den Schlachtfeldern und in den Lazaretten und zeichnete sich durch ein außergewöhnlich großes soziales Engagement aus. So war er in Ludwigsburg am Bau des neuen Garnisonslazaretts und der Ludwigsburger Karlshöhe beteiligt. Zudem setzte er sich als Mentor und Förderer zusammen mit seinem Schwiegersohn sowie anderen Ärzten für den Bau des Murrhardter Krankenhauses und die Anerkennung der Walterichstadt als Luftkurort ein. Deshalb ist nur schwer verständlich, warum er nicht zum Ehrenbürger ernannt wurde. 1910 feierten Eduard Albert Seeger und seine Frau das Fest der goldenen Hochzeit in seiner Heimatstadt. Am 20. August 1913 verstarb der Generalarzt im Alter von 83 Jahren. „Er war eine vornehme, aufrichtige und gerade Natur, ein großer Naturfreund, der überall seine Kenntnisse in den Dienst der guten Sache stellte, und uneigennützig stets helfend eingriff. Zudem war er ein glühender Patriot, der vorausschauend der Entwicklung Deutschlands folgte und schon in früher Jugend im nationalen Sinne wirkte“, heißt es in einem Nachruf in einer Regionalzeitung im Großraum Stuttgart. Seine Grabstätte befindet sich in Ludwigsburg auf dem Alten Friedhof in der Nähe des Grabdenkmals von König Wilhelm II. An seine Murrhardter Wurzeln erinnert jedoch bis heute die Grabstätte der Familie Seeger nahe der Walterichskirche.

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Erstellt:
5. Januar 2021, 06:00 Uhr

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