Höhepunkt menschlichen Irrsinns
Staaten geben 103 Milliarden Euro nur für Atomwaffen aus
Bislang wahrten die USA und Russland das Gleichgewicht des Schreckens mit Atomwaffen. Doch inzwischen verfügen neuen Staaten über ein Nuklearpotenzial. Die Ausgaben dafür sind gigantisch – und sie steigen immer weiter.
© mago/ZUMA Press
Start einer unbewaffneten Trident II D5LE Rakete vom Unterseeboot USS Maine am 12. Februar 2020 vor der Küste von San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien.
Von Markus Brauer/AFP/dpa
Die weltweiten Ausgaben für Atomwaffen sind einer Studie zufolge im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen. Die neun Atommächte hätten im vergangenen Jahr gemeinsam fast 119 Milliarden Dollar (103 Milliarden Euro) für ihre Atomarsenale ausgegeben, berichtet die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN).
Dies sei ein Anstieg um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit hätten diese Länder im vergangenen Jahr zusammen gut 3200 Euro pro Sekunde für ihre Atomwaffenarsenale ausgegeben.„Wir stehen vor einem neuen nuklearen Wettrüsten“, warnt die Ican.
„Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe schreckliche Angst“
Im vergangenen Jahr wurden zudem den Angaben zufolge mehr Sprengköpfe aus den Lagern auf Trägersysteme verlagert. Diese Entwicklung und der allgemeine Anstieg der Ausgaben paare sich mit der Befürchtung, dass Künstliche Intelligenz das Risiko eines Einsatzes von Atomwaffen erhöhen könnte, erklärt die Bericht-Mitautorin Susi Snyder. Dies sei äußerst alarmierend. „Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe schreckliche Angst.“
Bereits am Montag (8. Juni) hatte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri vor einer wachsenden Bedeutung von Atomwaffen in der internationalen Sicherheitspolitik gewarnt. Staaten setzten Atomwaffen zunehmend als Instrumente nationaler Machtpolitik ein und machten damit jahrzehntelange Bemühungen um eine Verringerung der Zahl und der Rolle von Atomwaffen rückgängig, so Sipri. Als Atommächte gelten die USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea.
ICAN war die treibende Kraft hinter dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag. Sie erhielt dafür 2017 den Friedensnobelpreis. Der Vertrag trat 2021 in Kraft.
USA investieren am meisten in ihr Nuklear-Arsenal
Der Studie zufolge haben die USA im Jahr 2025 mehr Geld für Atomwaffen ausgegeben als die acht anderen Länder mit solchen Waffen zusammen, berichtet ICAN. Insgesamt hätten sie 69,2 Milliarden Dollar investiert, gefolgt von China mit 13,5 Milliarden Dollar. Großbritannien habe Russland auf den dritten Platz abgelöst, mit Investitionen von 12,6 Milliarden Dollar. In Russland seien es 9,5 Milliarden Dollar gewesen.
Nach Angaben von ICAN hat Russland mit 5420 die meisten Atomwaffen. Dahinter nennt sie die USA mit 5042, China mit 620, Frankreich mit 300, Großbritannien mit 225, Indien mit 190, Pakistan mit 170, Israel mit 90 und Nordkorea mit 60.
Rechnerisch könnten die Investitionen eines einzigen Tages dafür sorgen, dass zwei Millionen Menschen nicht mehr um die nächste Mahlzeit bangen müssen, berichtet ICAN. Mit den Mitteln allein aus den letzten drei Jahren hätte demnach der Hunger in der Welt beendet werden können. „Die Ausgaben des Jahres 2025 hätten den regulären Haushalt der Vereinten Nationen für 32 Jahre decken können“, heißt es in dem Bericht.
