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Stadt richtet Carsharing-Platz ein

Murrhardter Bahnhof soll Standort für Angebot mit einem Leihauto einer Calwer Firma werden – Bei Bedarf ausbaubar

Es ist zwei Jahre her, dass sich Studenten der Universität Stuttgart Gedanken gemacht haben, wie der Bahnhof zu einem sogenannten Mobilitätshub werden könnte, also wo Angebote dazu beitragen, die Mobilität in und mit Blick auf die Zukunft zu unterstützen. Dazu gehört auch, verschiedene Mobilitätsformen zu verbinden. Die Stadt greift nun einen der Vorschläge auf. Sie wird einen Carsharing-Platz schaffen. Zwar istdas Angebot mit einem E-Leihauto überschaubar, aber je nach Nachfrage ließe sich dies auch noch erweitern.

Am Bahnhof in Murrhardt (Gebäude ist links zu sehen) wird es in Zukunft die Möglichkeit geben, ein E-Auto zu leihen. Etwa auf der Höhe, auf der die beiden Wagen stehen, werden zwei Stellplätze und eine Ladesäule eingerichtet. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Am Bahnhof in Murrhardt (Gebäude ist links zu sehen) wird es in Zukunft die Möglichkeit geben, ein E-Auto zu leihen. Etwa auf der Höhe, auf der die beiden Wagen stehen, werden zwei Stellplätze und eine Ladesäule eingerichtet. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Auch hier gilt – das Szenario wird eines der Zukunft sein. Vor dem Gebot, möglichst zu Hause zu bleiben, haben Stadt und Gemeinderat mit einem einstimmigen Beschluss die Weichen für das Projekt gestellt. Es ist ein Teilaspekt des Vorschlagbündels der Stuttgarter Studenten, das sie vor zwei Jahren vorgestellt haben: Die Grundidee lautet, es zu ermöglichen, am Bahnhof verschiedene Schnittstellen für die Mobilität zu schaffen – wer ihn gut erreicht, also beispielsweise mit einem Leihauto –, nutzt letztlich auch die Bahnfahrt und reduziert so den Individualverkehr ab dort. Die Stadtverwaltung Murrhardt vernimmt bereits seit Längerem Anfragen von Bürgern, die sich solch ein Angebot wünschen, und hat sich somit nach einem Carsharing-Anbieter umgesehen. Allerdings hat sich das Vorhaben als nicht ganz einfach erwiesen. „Anfangs gab es erst mal eine Reihe von Absagen“, berichtet Bürgermeister Armin Mößner. Entweder weil Murrhardt den privaten Anbietern als Markt zu klein erschien, oder weil ihre Kapazitäten ausgeschöpft waren. Doch dann tat sich eine Möglichkeit auf: Die Calwer Firma Deer war bereit, ein Angebot auszuarbeiten. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der Energie Calw GmbH (ENCW). Die ENCW wird von den Stadtwerken Calw und der EnBW als Gesellschafter unterstützt. Zu den Dienstleistungen von Deer gehört neben dem Carsharing mit E-Autos auch der Ladeinfrastrukturbetrieb mit Abrechnung sowie Wartung. Derzeit betreut die Firma rund 60 Standorte in Baden-Württemberg.

Damit Carsharing auch in Murrhardt möglich ist, soll nun zentral ein Standort mit einer Ladesäule für zwei E-Auto-Stellplätze eingerichtet werden – einer ist reserviert für den Leihwagen. Der Bahnhof Murrhardt bietet sich für Reisende, Touristen genauso wie für Bewohner an. Die zwei Stellplätze für E-Autos sollen parallel zur Landesstraße1066 auf Höhe des Fahrradgeschäfts My bikes by Scheib liegen.

Laut Angebot der Firma Deer muss die Stadt für die Einrichtung der Ladeinfrastruktur mit Kosten von rund 18150 Euro rechnen. Diese beinhalten die Ladesäule, die Einbindung ins System sowie Bauarbeiten, deren genaue Summe aber beispielsweise auch noch mit dem Netzbetreiber abzuklären ist.

Eigentlich hatten Stadtverwaltung und Gemeinderat auf dem Parkplatz in der Brunnengasse nahe der Fußgängerzone einen Platz für eine E-Ladesäule vorgesehen und Fördergelder beantragt. Mittlerweile sind die genehmigt. Vorteilhaft ist, dass die Zuwendungen von rund 3500 Euro auch für den neuen Standort verwendet werden dürften, wie Armin Mößner berichtete.

Was den alltäglichen Betrieb und die Wartung der Ladesäule anbelangt, so muss die Stadt mit rund 360 Euro im Jahr rechnen. Umgekehrt erhält sie aber 20 Prozent der Umsätze, die pro Ladepunkt mit etwa 255 Euro pro Jahr veranschlagt sind. Die Belieferung erfolgt zu 100 Prozent mit Ökostrom. Für den Nutzer des Carsharing-Angebots gibt es eine grobe Schätzung der Mietpreise mit 4,50 Euro pro Stunde und 29,90 Euro pro Tag. Es beinhaltet eine Vollkaskoversicherung mit einer Selbstbeteiligung von 1000 Euro. Die Stadtverwaltung kann sich vorstellen, auch selbst das Leihauto ab und zu zu nutzen, wenn es zur Verfügung steht.

Die Stadtverwaltung kann sich vorstellen, das Angebot auch in Anspruch zu nehmen

Die Fraktionen signalisierten, dass sie von der Möglichkeit angetan waren, solch ein neues Angebot zu schaffen. Susanne Barreuther (CDU-FWV) freut sich, dass auch die Zuschüsse von der Brunnengasse auf den Standort am Bahnhof übertragbar sind, und findet die Gebühren moderat. Infrage stellte sie, ob eine Nutzung durch Mitarbeiter der Stadtverwaltung notwendig sei. Bürgermeister Mößner ließ wissen, dass dies für den städtischen Vollzugsdienst, Baustellenkontrollen oder bei Schulungsterminen keine schlechte Option sei.

Edgar Schäf (SPD) wiederum konnte sich vorstellen, dass die Stadtverwaltung als Kundin für die Auslastung des Fahrzeugs sogar von Vorteil sein könnte. Zwar müsse einem bewusst sein, dass für die Einrichtung insgesamt drei Parkplätze wegfallen, trotzdem sei es einen Versuch wert, das Angebot einzurichten.

Ralf Nentwich (MDAL/Die Grünen) begrüßte den Schritt. Carsharing gebe es in vielen größeren Städten schon seit Ende der 1980er-Jahre und es sei wichtig, den Individualverkehr weiter zu reduzieren, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Er regte an, im Sinne eines Gesamtkonzepts auch noch über zusätzliche mögliche Schritte nachzudenken – beispielsweise über das Angebot eines Lastenfahrrads.

Auf Nachfrage von Markus Blank (UL) zum generellen Konzept und wie sich der Leihbetrieb auch ganz konkret gestaltet, machte Armin Mößner klar, dass man mit einem Leihauto starten wolle. Sollte es völlig überbucht, sprich stark nachgefragt sein, könne man über ein zweites Fahrzeug nachdenken – was auch die Ladestation zuließe. Es spreche nichts dagegen, bei entsprechender Resonanz das Angebot auszubauen und wachsen zu lassen.

Die Buchung funktioniert über eine Smartphone-App. Wie die Kontrolle und Meldungen bei Beschädigungen laufen, wird sich im Nutzungsalltag weisen. Ralf Nentwich riss an, dass ein Mieter Mängel beispielsweise vor der Inbetriebnahme auch per Smartphone dokumentieren und der Firma übermitteln könne.

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Erstellt:
25. März 2020, 06:00 Uhr

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