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Stadtentwicklung braucht langen Atem

Mittlerweile geht das Sanierungsgebiet „Bahnhof/östlich Klosterhof“ in sein fünftes Jahr. Es gibt einzelne private Projekte, zudem hat die Stadt Murrhardt die Möglichkeit, mithilfe der Fördergelder Instandsetzungen oder Neugestaltungen anzugehen, die in Eigenregie nicht möglich wären.

Die Stadt plant im Juni eine Informationsveranstaltung rund um die Sanierung der Karlstraße. Vermutlich laufen die Ausschreibungen im Herbst, sodass das Projekt im Frühjahr 2023 angegangen werden könnte – wohl mit mehreren Monaten Bauzeit. Foto: Christine Schick

Die Stadt plant im Juni eine Informationsveranstaltung rund um die Sanierung der Karlstraße. Vermutlich laufen die Ausschreibungen im Herbst, sodass das Projekt im Frühjahr 2023 angegangen werden könnte – wohl mit mehreren Monaten Bauzeit. Foto: Christine Schick

Von Christine Schick

Murrhardt. Nachdem das Sanierungsgebiet „Bahnhof/östlich Klosterhof“ mit dem Satzungsbeschluss 2017 gestartet ist, wurde im Frühjahr 2021 nochmals nachgelegt und der bisherige Zuschnitt erweitert. Auch wenn das Gebiet auf dem Überblicksplan ein wenig wie ein Flickenteppich wirkt, ist es fördertechnisch doch ein Areal. Von Anfang an mit im Boot war, wie der Name schon sagt, der Bahnhof mit der nicht allzu weit entfernten Murrgasse, die bei den Alteingesessenen Galabre genannt wird. Zum Part „östlich Klosterhof“ zählen die kleine Seegasse, Brunnengasse und Gebäude wie die ehemalige Kronenreinigung, aber auch der denkmalgeschützte Hirsch, das Parkhaus Graben und das Gebäude der Murrhardter Zeitung. Hinzu kommen das Lindenareal sowie mit der Erweiterung das Rathaus, die Postgasse 5 und die Karlstraße.

Bürgermeister Armin Mößner ist froh, dass Letztere nun über die Aufnahme im Sanierungsprogramm instand gesetzt werden kann. „Ohne die Landesmittel hätten wir das nicht machen können“, sagt er. Die Planungen sind mittlerweile relativ weit fortgeschritten, im Juni soll es einen Informationsabend für Anwohnerinnen und Anwohner geben, um die Maßnahme vorzustellen, sodass transparent wird, was sie im Einzelnen bedeutet. Mößner rechnet durchaus mit ein paar Monaten Bauzeit. Insofern geht er davon aus, dass die Ausschreibungen im Herbst laufen und die Umsetzung voraussichtlich im Frühjahr 2023 beginnen kann. Ein weiteres Plus: Statt Erschließungs- sind nur Ausgleichsbeiträge ein Thema, die im Vergleich nicht so hoch ausfallen. Auch die Murrgasse soll saniert werden, aber zu einem späteren Zeitpunkt, weil beide Projekte parallel zu stemmen zu viel wäre.

Das Rathaus steht ebenfalls auf der Liste. Der Wunsch ist, energetische Verbesserungen zu erreichen, wobei vor allem bei den Fenstern angesetzt werden soll. Weitere Punkte sind Sanierung der Strom-, Wasser- und Heizungsleitungen, Brandschutz und möglicherweise auch Überholung des Dachstuhls. Mößner geht davon aus, dass eine Dämmung wenn überhaupt nur sehr begrenzt möglich ist, ein Pluspunkt sei aber, dass das Rathaus mittlerweile an die städtische Nahwärme angeschlossen ist. Bei solch einem denkmalgeschützten Gebäude beziehungsweise Kulturdenkmal sind die Anforderungen aber auch noch mal andere.

Eine denkmalgerechte Sanierung ist auch für das kleine Fachwerkgebäude in der Postgasse 5 ein Thema, für das die Stadt einen Käufer gefunden hat und es nun die vertraglichen Vereinbarungen zu regeln gilt. Das Ziel sei, das Haus entsprechend herzurichten, damit zwei bis drei Wohnungen entstehen. In dieser Hinsicht schon weiter ist der Besitzer des Gasthauses Hirsch in der Hauptstraße. Die Sanierung ist fortgeschritten und Mößner geht davon aus, dass einzelne Wohnungen so gut wie bezugsfertig sind. Die Gaststätte soll ebenfalls wieder zu neuem Leben erweckt werden.

Beim Bahnhofsgebäude geht es darum, einen möglichen Partner zu finden, vor allem, um den Wohnraum dort zu erhalten und eine Nutzung der Räume im Erdgeschoss im Sinne eines Angebots an Laufkundschaft und Reisende zu erreichen. Vorstellbar sei dabei letztlich ganz Verschiedenes, angefangen von Gastronomie über Lebensmittelhandel bis hin zu Handwerk, erläutert Armin Mößner.

Das Gebäude in der Fornsbacher Straße 1 wird wohl das erste Projekt für die Kommunalbau Murrhardt GmbH werden, wenn alles nach Plan läuft. Zum einen könnten die oberen Stockwerke hergerichtet werden, um Mietwohnungen zu schaffen, das Erdgeschoss will die Stadt der Kalanag-Sammlung vorbehalten. Ein Projekt, das die Stadt schon seit Langem angehen möchte, ist die Überholung des Parkhauses im Graben. Da das keine kleine Summe sein wird, ist noch offen, wann und in welchem Umfang das Projekt laufen kann. Aber auch in diesem Fall ist von Vorteil, dass das Parkhaus im Sanierungsgebiet liegt. Die Stadtverwaltung konnte das Gebäude 23 in der Seegasse erwerben, sodass auch dort gilt: Wenn sich die Notwendigkeit abzeichnet, besteht die Möglichkeit, bei der Sanierung eine Förderung zu erhalten.

Zudem gibt es noch eine Veränderung am Marktplatz. Das Haus, in dem lange das Fotostudio Bastgen seinen Sitz hatte, übernimmt die Murrhardter Notarin Alexandra Goller und zieht entsprechend um.

Zwei Projekte, die schon länger umgesetzt sind, konnten auch aufgrund ihrer Lage im Sanierungsgebiet gefördert werden: der Parkplatz an der Brunnengasse, der nach dem Abriss des Hauses Nummer 1 eingerichtet wurde, und die Parkflächen auf dem Lindenareal, bei denen ebenfalls ein Hausabriss den Hintergrund bildete. Der letztere Parkplatz ist zurzeit vor allem fürs Ärztehaus von Bedeutung. Das Areal möchte man in gewisser Weise noch im Blick behalten und noch nicht konzeptionell weiter aktiv werden, da sich auch in der Umgebung mit dem Neubau der Erich-Schumm-Stiftung noch einiges tut, erklärt Armin Mößner. Sein Fazit bisher: Natürlich braucht solch ein Sanierungsgebiet einen langen Atem, aber die Unterstützung hilft, auch wenn die Mitfinanzierung von Stadt oder Privatseite ein Thema bleibt. Unter dem Strich bedeutet es beispielsweise bei Bahnhof oder Lindenareal, die „Gestaltung selbst zu bestimmen und nicht getrieben zu sein“, sagt Mößner.

Förderrahmen: 1,7 Millionen Euro

Gesamtfördersumme Der bewilligte Förderrahmen des Sanierungsgebiets „Bahnhof/östlich Klosterhof“ umfasst 1,7 Millionen Euro. Es besteht aber die Möglichkeit, weitere Gelder zu beantragen, maximal bis zu insgesamt 2,83 Millionen Euro.

Einzelförderungen Bei der Erneuerung von Gebäuden im Eigentum der Stadt sind die Gesamtkosten zu 60 Prozent förderfähig, ein Zuschlag von 25 Prozent ist für Gebäude möglich, die wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen oder städtebaulichen Bedeutung erhalten bleiben sollen – ein Beispiel in dieser Hinsicht wäre das Rathaus.

Zeithorizont Abgeschlossen werden sollen die Projekte des Sanierungsgebiets im Jahr 2026, aber es ist möglich, den Zeitraum zu verlängern.

Instrument Die Städtebauförderung gilt als eines der wichtigsten Instrumente und zentrale Säule der Stadtentwicklung. Der 14. Mai ist der Tag der Städtebauförderung. Weitere Informationen zum Tag, zu Projekten und Aktionen unter www.tag-der-staedtebaufoerderung.de. In Baden-Württemberg hat die Städtebauförderung 2021 ihren 50. Geburtstag gefeiert.

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Erstellt:
13. Mai 2022, 06:00 Uhr

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