Pillay in Nürnberg
„Teile den Preis mit Trump, wenn ihr noch länger klatscht“
Standing Ovations – und eine freche Spitze gegen Donald Trump: Die neue Friedensnobelpreisträgerin Navanethem Pillay „droht“ dem deutschen Publikum scherzhaft.
© Katharina Gebauer/epd
Überraschte Friedensnobelpreisträgerin Navi Pillay.
Von Michael Maier
Große Ehrung, trockener Humor: Die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay erhält den Friedensnobelpreis 2026. Das norwegische Nobelkomitee gab die Entscheidung am 9. Oktober 2026 bekannt und würdigte ihren Einsatz für Frieden und internationales Recht. Pillay erfuhr davon beim Nürnberger Forum – am historischen Schauplatz der Nürnberger Prozesse.
Die 85-Jährige reagierte auf den Applaus ihrer Kollegen mit einem augenzwinkernden Kommentar. In deutscher Übersetzung: „Wenn ihr noch ein bisschen mehr klatscht, teile ich diesen Preis vielleicht mit Trump.“ Den Moment dokumentiert ein Video, das Amnesty-Generalsekretärin Agnès Callamard auf X veröffentlichte.
Donald Trump und der Friedensnobelpreis
Die Pointe spielt auf Donald Trumps wiederholt geäußerten Anspruch an, selbst den Friedensnobelpreis verdient zu haben. Doch hinter dem schlagfertigen Auftritt steht ein jahrzehntelanges Engagement: Pillay verteidigte Gegner der Apartheid, arbeitete am Ruanda-Tribunal und am Internationalen Strafgerichtshof. Das Nobelkomitee hebt ihre juristische Sorgfalt, Integrität und ihren Mut hervor.
Der Witz liefert die Schlagzeile – ihr Lebenswerk liefert den Anlass. Wer nur über die Spitze gegen Trump lacht, verpasst die eigentliche Geschichte: Pillays jahrzehntelangen Einsatz gegen Straflosigkeit und für die Rechte derjenigen, die selbst kaum Gehör finden.
Ihre Arbeit steht für die Überzeugung, dass auch politisch und militärisch Mächtige vor dem Recht Verantwortung tragen müssen. Der schlagfertige Moment verdient sicher Aufmerksamkeit – ihr beharrliches Engagement für Menschenrechte und internationale Justiz aber noch mehr.
