Gelöschte Online-Bewertungen
Tricksereien bei Google Maps – wie wir recherchieren, welche Hinweise uns helfen
Gelöschte Google-Maps-Bewertungen sorgen für Ärger. Unsere Recherchen liefern die Zahlen – und decken auf, wie die Löschindustrie arbeitet. Leserhinweise sind dabei sehr hilfreich.
© KI/Midjourney, Montage: Ruckaberle
Seit Monaten recherchieren wir zu verschwundenen Google-Rezensionen – mit eigenen Daten und Leserhinweisen.
Von Jan Georg Plavec und Simon Koenigsdorff
Das System der Online-Bewertungen ist kaputt. Jedenfalls funktioniert es in Deutschland nicht so, wie es soll. Massenhaft verschwinden Rezensionen von Plattformen wie Google Maps – zu Restaurants, Geschäften und Ärzten. Vermutlich sind auch andere Berufsgruppen betroffen. Die Rechtslage in Deutschland macht es leicht, missliebige Bewertungen aus dem Netz verschwinden zu lassen. Unsere Redaktion recherchiert seit Monaten zu diesem Thema.
Auf Hinweise aus der Community hin haben wir ein Programm entwickelt, das in einem bestimmten Umkreis alle zu einem bestimmten Zeitpunkt auf Google Maps abrufbaren Rezensionen ausliest. Wenn man das alle paar Wochen wiederholt, kann man erkennen, welche Bewertungen in der Zwischenzeit verschwunden sind – und die Hintergründe recherchieren und berichten. Seit Sommer 2025 haben wir auf diese Weise mehrere Hunderttausend Rezensionen analysiert.
Sind Ihnen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Google-Maps-Rezensionen aufgefallen? Haben Sie wegen einer Ihrer Rezensionen Post von Anwälten bekommen? Sind Ihnen „schwarze Schafe“ bekannt, die negative Bewertungen willkürlich oder böswillig löschen lassen? Kontaktieren Sie uns per Mail oder auf anderen, anonymen Wegen. Mithilfe entsprechender Hinweise können wir weiter zu dem Thema recherchieren.
Wenn Google-Bewertungen verschwinden
Aufgedeckt haben wir unter anderem, wie Gastronomen aus Stuttgart sowie aus dem Kreis Ludwigsburg negative Bewertungen löschen lassen. Auch Zeltbetreiber beim Cannstatter Volksfest mischen mit.
Zu diesen Recherchen erhielten wir extrem viel Leserfeedback. In diesem Zuge gelang uns auch ein seltener Einblick in eine vollautomatisierte Löschindustrie, die Rezensionen in weniger als 24 Stunden per Mausklick aus dem Netz entfernen lässt. Für Betroffene ist es dann äußerst schwierig, ihre Bewertung wiederherstellen zu lassen – denn für einen Widerspruch braucht es Belege, und auch dann ist nicht sicher, wie Google reagiert. Mehr zur Rechtslage lesen Sie in diesem Beitrag.
Ärzte pushen Fünf-Sterne-Bewertungen per Software
Eine Recherche zu Google-Bewertungen unter Ärzten im Raum Stuttgart zeigte, dass manche in dieser Branche versuchen, ihre Patienten gezielt dazu zu bringen, ihnen Fünf-Sterne-Rezensionen zu schreiben – und dass diese Rezensionen dann teils wieder aus dem Internet verschwinden. Möglicherweise ist darunter auch echtes Lob von echtes Menschen, doch Ähnlichkeiten zu Bewertungen von nicht authentischen Accounts liegen nahe.
Das „Online-Reputationsmangement“ ist nicht nur eine Sache für Löschdienstleister und spezialisierte Anwälte, sondern auch für Online-Marketingdienstleister. Stellungnahmen aus der Branche sind selten, im Interview äußert sich ein Experte, wie man Google-Rezensionen „richtig“ liest. Und auch dazu haben wir Daten: als vergleichsweise positiv bewertet kann ein Restaurant auf Google Maps erst mit 4,8 Sternen oder mehr gelten.
Dass solche äußerst hohen Durchschnittsbewertungen nicht immer aussagekräftig sind, zeigen unsere Analysen. Für wie wichtig viele Menschen Online-Bewertungen immer noch halten, zeigt die ungebrochene Nutzung der Dienste selbst, aber auch entsprechender Dienstleister, die beim Frisieren der eigenen Google-Maps-Präsenz helfen.
Wir setzen unsere Recherche zu dem Komplex fort – hoffentlich auch mit Ihrer Hilfe. Eine Möglichkeit, uns zu erreichen, ist die E-Mail-Adresse investigativ@stzn.de. Wie Sie unsere Redaktion auch auf anderen Wegen vertraulich erreichen können, erklärt dieser Artikel.
