Stromausfall in Stuttgart

Und ganz plötzlich ist der Blackout Realität

Trinkwasser, Nahrungsmittel, Medizin: Im Konzept zur Zivilverteidigung ist aufgelistet, wie der Staat die Bürger in einem Katastrophenfall wie einem Blackout schützen will. Doch jeder sollte auch selbst Vorsorge treffen. Unnötig? Dann denken Sie nur an die jüngsten Vorfälle Berlin und Stuttgart.

Ein Strommast einer Überlandleitung im baden-württembergischen Magstadt.

© Bernd Weißbrod/dpa

Ein Strommast einer Überlandleitung im baden-württembergischen Magstadt.

Von Markus Brauer

Strom-Blackout, Erdbeben, Kriege und innenpolitische Konflikte, Überschwemmungen, Terroranschläge, globale Krisen mit Auswirkungen auf Deutschland: Katastrophen-Szenarien gibt es zuhauf, die man sich ausmalen kann.

„Wir leben in einem sicheren Land“

Alles weit weg, werden Sie jetzt sagen. „Wir leben in einem sicheren Land“, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in seiner Neujahrsanansprache postuliert. Na ja, vielleicht doch nicht ganz so sicher, wie Merz meint.

Dazu muss man nicht auf den Brandanschlag einer linksextremistischen Gruppierung namens Vulkangruppe auf das Berliner Stromversorgungsnetzhat am 3. Dezember 2025 rekurrieren.

Stuttgart ist nicht Berlin

Schon ein kleiner Fehler kann große Wirkung haben. Am 5. Februar 2026 um 10.03 Uhr unterläuft einem erfahrenen Mitarbeiter des Netzbetreibers Stuttgart Netze in einem Umspannwerk ein kleiner Fehler.

Vereinfacht gesagt: Er drückt einen falschen Knopf. Daraufhin sinkt im Stuttgarter Hochspannungsnetz die Netzspannung für genau 0,06 Sekunden ab, bevor eine automatische Sicherheitseinrichtung eingreift und den Fehler des Mitarbeiters rückgängig macht.

Aber schon dieser Augenblick reicht aus, damit in der Landeshauptstadt in Cafés und Geschäften kurz die Lichter flackern und in Büros auf einen Schlag das Internet ausfällt. Auf den Straßen hat der kurzzeitige Stromausfall dagegen größere Auswirkungen.

In vielen Teilen der Stadt fallen die Ampeln aus, Streifenpolizisten eilen zu größeren Kreuzungen und regeln den Verkehr, die Stadtbahnen bleiben zeitweise stehen. Auch die Feuerwehr muss mehrfach ausrücken.

Nach Angaben von Stuttgart Netze fällt in Stuttgart im Jahr acht Minuten der Strom aus. Im Bundesgebiet seien es 13 Minuten jährlich. Der Sprecher sagt, so ein Ereignis wie am Donnerstag sei ihm in der jüngeren Vergangenheit in Stuttgart nicht bekannt. In Stuttgart gibt es insgesamt 26 Umspannwerke.

Elektrisierende Warnung vom Bundesamt für Katastrophenschutz?

Also sich doch besser für den - wie auch immer gearteten - Ernstfall vorbereiten? Auf jefen Fall, rät das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn-Lengsdorf, die oberste Bundesoberbehörde und das zentrale Organisationselement für die zivile Sicherheit. Auf der Webseite des BBK findet man viele praktische Tipps, um für den Notfall vorzusorgen.

„Ich appelliere an die Bürger: Bereiten Sie sich auf Notlagen vor, dies kann auch länger andauernder Stromausfall sein“, mahnte unlängst BBK-Vizepräsident René FunkFunk. „Notlagen müssen nicht eintreten, sind aber jederzeit möglich. Wir müssen nicht nur militärisch verteidigungsfähig sein, sondern auch im Zivil- und Katastrophenschutz.“

BBK: „Sind Sie fit in puncto Notfallvorsorge?“

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wendet sich auf seiner Homepage direkt an die Bürger: „Sind Sie fit in puncto Notfallvorsorge? Haben Sie einen Vorrat zu Hause, wenn draußen ein Sturm tobt? Sind Ihre wichtigsten Dokumente griffbereit, wenn ein Feuer oder eine Bombenentschärfung Sie aus dem Haus zwingen?“

Trinkwasser, Nahrungsmittel, Medizin, Geld: In ihrer „Konzeption Zivile Verteidigung“ (KZV) klärt die Bundesregierung auf, wie sie die Bürger bei einem Angriff schützen will. Es geht um die Abwehr von Terror, Cyber-Attacken oder moderne Kriegsführung. Das Konzept wurde am 24. August 2016 vom damaligen Bundeskabinett beschlossen. Die KZV ist „die Grundlage für alle künftige ressortabgestimmten Aufgabenerfüllungen im Bereich der Zivilen Verteidigung“, wie es dort heißt.

Einen guten Notfallplan bietet übrigens der BKK-Flyer „Meine persönliche Checkliste“.

Trinkwasser für den Notfall

Die Notversorgung soll über „autarke Brunnen und Quellen in Verbindung mit einer mobilen Trinkwassernotversorgung (Wassertransporte)“ sichergestellt werden. Zur Desinfektion des Wassers sollen Chlortabletten eingesetzt werden.

Der Bevölkerung wird empfohlen, zur Erstversorgung „für einen Zeitraum von fünf Tagen je zwei Liter Wasser pro Person und Tag in nicht gesundheitsschädlicher Qualität vorzuhalten“.

Die staatliche Notvorsorge sichert demnach die Minimalversorgung mit Trinkwasser für mindestens 14 Tage. Als Mindestbedarf werden 15 Liter pro Person und Tag, 75 Liter pro Bett und Tag in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie 150 Liter in der Intensivmedizin angegeben.

Ernährungsvorräte für Katastrophenfall

Die Versorgung soll im Katastrophenfall so lange wie möglich durch die private Lebensmittelwirtschaft abgewickelt werden. Ist eine Grundversorgung nicht mehr gewährleistet, kann die Regierung per Rechtsverordnung in die Lebensmittelerzeugung und bei der Verteilung einschreiten. Sprich: Es würde eine Rationierung geben.

Zum Selbstschutz werden die Bürger angehalten, einen Vorrat an Lebensmitteln für einen Zeitraum von zehn Tagen vorzuhalten.

Lebensmittel-Vorräte im Krisenfall

Um im Krisen- oder Notfall vorbereitet zu sein, ist es generell sinnvoll, Vorräte anzulegen. Dafür eignen sich vor allem Lebensmittel mit langer Haltbarkeit. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Lebensmittelpackungen bietet dabei nur einen groben Anhaltspunkt, häufig kann es deutlich überschritten werden.

Laut dem Vorratskalkulator des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft muss man von einer täglicher Energiezufuhr von 2200 Kilokalorien (Kcal) pro Person ausgehen.

Was passiert bei einem Blackout?

Kritische Infrastrukturen

Kurze, regionale Stromausfälle in Deutschland sind nicht gerade selten. Doch ein Blackout wäre ein ganz anderes Kaliber. Als Blackout wird ein großflächiger, langanhaltender Stromausfall bezeichnet.

Neben dem BBK („Kritische Infrastrukturen“) hat auch die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) sich mit dem Thema beschäftigt. Im Mai 2015 hat die AGBF das Grundsatzpapier „Kritische Infrastrukturen – KRITIS“ veröffentlicht. Darin wird in sechs Phasen beschrieben wie ein solcher Blackout ablaufen und wie er sich auf kritische Infrastrukturen auswirken:

Phase 1: Die ersten 10 Minuten bei einem Blackout

In den ersten zehn Minuten gehen vermehrt Meldungen und Nachfragen von besorgten Bürgern, Firmen und anderen Institutionen ein, die entsprechende Störungen in ihrem Bereich melden.

Allerdings gibt es bereits erste Einschränkungen bei der öffentlichen Telekommunikation, da das Festnetz bereits ausgefallen und der Mobilfunk überlastet ist. Dadurch ist auch die Kommunikation mit anderen Behörden der Gefahrenabwehr (Polizei, Feuerwehr, etc.) gestört. Erste Menschen melden sich auch aufgrund stecken gebliebener Aufzüge und darin festsitzendern Personen.

Phase 2: Die erste Stunde bei einem Blackout

Aufgrund von Betriebsstörungen werden automatische Brandmeldeanlagen ausgelöst und durch das Anlaufen von Notstromaggregaten kann es zu fehlerhaften Meldungen von Bränden kommen.

Jetzt brechen auch die Mobiltelefonnetze zusammen, zu einen aufgrund der Überlastung und zum anderen, da auch die Pufferbatterien der Sendemasten leer sind. Der öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kommt weitgehend zum Erliegen.

Elektrisch angetriebene Bahnen bleiben stehen und Menschen sitzen auf Brücken und in Tunnels fest. Auf den Straßen in den Metropolen kommt es zu chaotischen Zuständen, weil die Ampelanlagen ausfallen. Dazu steigt auch noch das Verkehrsaufkommen, da wegen der liegen gebliebenen öffentlichen Verkehrsmittel noch mehr Menschen auf das Auto umsteigen.

Phase 3: Zwischen erster und zweiter Stunden

Im privaten Bereich kommt es zu Einschränkungen bei der Versorgung von Patienten, denn Beatmungsmaschinen, Sauerstoff- oder Dialysegeräte funktionieren ohne Strom nicht mehr.

Erste Hilfesuchende suchen die lokalen Rettungsdienste oder Notrufzentralen auf. Je nach Jahreszeit macht sich jetzt auch schon der Ausfall von Heizungen und Klimaanlagen bemerkbar.

Phase 4: Der Zeitraum von zwei bis acht Stunden

In diesem Zeitraum nehmen die Hilferufe nicht mehr versorgter Patienten immer stärker zu. Mittlerweile fällt auch der BOS-Funk, den Sicherheitsbehörden in Deutschland und Österreich sowie die Bundeswehr nutzen, nach und nach aus. Denn in den Basisstationen der Funkanlagen sind die Akkus leer. Weiter kommt es zu ersten Ausfällen bei der Wasserversorgung – dort arbeiten die elektrischen Pumpen und Filtersysteme nicht mehr.

Auch in der Massentierhaltung treten erste Probleme auf. Kühe können zum Beispiel nicht mehr gemolken werden und in den Legebatterien steigt die Temperatur auf zu hohe Werte, weil die elektrischen Lüfter nicht mehr laufen.

Phase 5: Nach acht Stunden bis zum dritten Tag

Sämtliche batteriegepufferte Sicherheitsanlagen von Alarmanlagen bis zur Brandmeldeanlagen fallen nach und nach aus. In der Massentierhaltung kommt es zu massiven Problemen. Erste Fahrzeuge bleiben ohne Kraftstoff liegen, da es an Tankstellen keinen Sprit mehr gibt.

Es kommt zu ersten Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln und Trinkwasser. Immer mehr Menschen hantieren mit offenem Feuer um zu kochen oder mit Kerzen, um die ausgefallenen elektrischen Lampen zu ersetzen. Dabei kommt es vermehrt zu Bränden. Die lokalen Katastrophenschutz-Einrichtungen haben nahezu alle Einsatzkräfte mobilisiert.

Phase 6: Nach dem dritten Tag

Bei allen Dingen des täglichen Bedarfs kommt es zu massiven Versorgungsengpässen. Auch in den Haushalten, die Vorsorge getroffen haben, gehen nach und nach die Lebensmittel und das Trinkwasser aus. Öffentliche Dienstleistungen sind völlig funktionsunfähig. Es kommt vermehrt zu Plünderungen und zu einer Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung. Auch der lokale Katastrophenschutz hat keine Ressourcen mehr. (mit dpa-Agenturmaterial)

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Erstellt:
6. Februar 2026, 12:44 Uhr

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