Waldvernichtung in Indonesien

Urwald für „klimaneutrale“ Verpackungen abgeholzt

Eigentlich will die Staatengemeinschaft die Zerstörung des Waldes stoppen. Doch der Trend zeigt in die entgegengesetzte Richtung, wie ein Beispiel aus Indonesien zeigt.

In wenigen Jahren wird es in Indonesien keine Urwälder mehr geben.

© mago/HBL network

In wenigen Jahren wird es in Indonesien keine Urwälder mehr geben.

Von Markus Brauer/AFP

Große Gebiete des indonesischen Urwalds – Lebensraum der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans – sind zugunsten von Plantagen abgeholzt worden, deren Holz von einem Unternehmen für angeblich „klimaneutrale“ Medikamentenverpackungen verwendet wurde.

Dies hat eine Recherche der Nachrichtenagentur AFP und des Investigativmediums The Gecko Project ergeben, die am Mittwoch (22. April) veröffentlicht wurde. Das britische Pharmaunternehmen Haleon beendete daraufhin nach eigenen Angaben seine Zusammenarbeit mit dem Verpackungshersteller.

Tropischer Urwald wird zu Papierbrei

Mit der Recherche konnte nachgewiesen werden, dass aus dem Holz der Plantagen, für die zwischen 2016 und 2024 fast 30.000 Hektar Wald gerodet wurden, in einer indonesischen Firma Papierbrei für den Verpackungshersteller Asia Symbol in China hergestellt wurde. Die Plantagen befinden sich in einem Gebiet, das Experten zufolge Heimat von hunderten Orang-Utans ist.

Asia Symbol belieferte die chinesische Filiale von Haleon mit Verpackungen für Ibuprofen, die mit dem Hinweis „klimaneutral“ versehen waren. Der britische Pharmakonzern erklärte, dass seine eigene Untersuchung keine Hinweise darauf gegeben habe, dass es in seiner Lieferkette „Materialien mit Verbindung zur Abholzung“ gebe.

Dennoch reagierte Haleon „sehr besorgt“. „Wir haben deshalb unsere Zulieferer aufgefordert darauf zu achten, dass an Haleon geliefertes Material weder von Asia Symbol kommt noch von Plantagenbetreibern mit einem Abholzungsrisiko“, hieß es seitens Haleon.

Chinesische Firma gibt sich ahnungslos

AFP und The Gecko Project werteten für die Untersuchung Satellitendaten, Audit-Dokumente, Handelsregister und Schiffsrouten aus. So konnten sie den Weg des Holzes aus den abgeholzten Urwäldern von Borneo bis zu den Fabriken von Asia Symbol in China nachzeichnen.

Asia Symbol erklärte, dass die für Haleon-Verpackungen verwendeten Materialien nicht in Bezug zu Abholzungs-Konzessionen stünden. Das Unternehmen teilte mit, es habe eine „gezielte Untersuchung der Beschaffung gestartet“ mit einer „sofortigen Annahme weltweiter Verpflichtungen gegen Abholzung, einschließlich eventueller Maßnahmen zur Korrektur und Wiedergutmachung“.

Der Mutterkonzern von Asia Symbol, das Firmenkonglomerat Royal Golden Eagle (RGE) mit Sitz in Singapur hatte sich 2015 zu abholzungsfreien Lieferketten verpflichtet. Derzeit bemüht er sich, das Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC) zurückzubekommen, das die Einhaltung von Umweltstandards in der Produktion bescheinigt.

Abholzung ist in Indonesien nicht illegal

„Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, das RGE immer noch sehr viel mit der Abholzungsindustrie zu tun hat“, sagte Robin Averbeck, Direktorin des Waldprogramms Rainforest Action Network.

In Indonesien sind riesige Flächen des tropischen Regenwaldes zugunsten von Landwirtschaft oder Bergbau sowie durch Brände zerstört worden. „Wenn ich daran denke, wie es damals war, steigen mir die Tränen in die Augen“, betonte Agau, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat und in einem Dorf inmitten der Plantagen lebt.

Abholzung in Indonesien ist nicht illegal. Die Folgen für die Bewohner und die Umwelt sind jedoch desaströs. Durch das Verschwinden der Wälder verstärken sich auch Naturkatastrophen wie etwa die Überschwemmungen in Sumatra im vergangenen Jahr, durch die mehr als 1000 Menschen starben.

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Erstellt:
22. April 2026, 12:40 Uhr

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