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VHS-Theatergruppe Murrhardt: Sie wollen doch nur spielen

„Theatelier fabula et cetera“ klingt nach Bühne und Erzählung und ist es auch: Die VHS-Theatergruppe hat vielen Stücken Leben eingehaucht und ist eine feste Größe im Murrhardter Kulturleben. Mittlerweile fehlt aber der Nachwuchs und die Mitglieder hoffen auf neue Interessierte.

Die letzte Aufführung war „Tartuffe“ im Jahr 2019, bevor die Gruppe wie andere wegen Corona eine Pause eingelegt hat. Foto: Jörg Fiedler

© Jörg Fiedler

Die letzte Aufführung war „Tartuffe“ im Jahr 2019, bevor die Gruppe wie andere wegen Corona eine Pause eingelegt hat. Foto: Jörg Fiedler

Von Christine Schick

Murrhardt. Die Ensemblemitglieder kommen am Dienstagabend vor dem Grabenschulhaus der Murrhardter Volkshochschule zusammen, dann geht es ins Zimmertheater im Erdgeschoss. Das Grüppchen nimmt rund um den Tisch auf der Bühne vor den Publikumsreihen Platz, um ein bisschen von der eigenen Situation zu erzählen. Zentrales Thema: „Theatelier fabula et cetera“ sucht neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter. „Ich denke, es gibt viele Talente“, sagt Detlef Neumann, der die Gruppe seit 1993 leitet. Nicht selten gebe es die Rückmeldung, dass die Hemmschwelle bei Einzelnen groß sei und das Sich-Trauen noch zu klein. „Dabei lässt sich das Spielen bei den Proben ja im kleineren, überschaubaren Rahmen entwickeln. Dann ist die Gruppe sozusagen auch ein Stück weit Publikum.“ Die Zutaten sind regelmäßige wöchentliche Treffen, persönliche Begleitung und ein spannendes Stück. Allerdings ist Letzteres vom Pool der Mitspielerinnen und Mitspieler abhängig und hier liegt, salopp gesagt, der Hase im Pfeffer.

Theatelier fabula et cetera“ blickt auf ein langes Bestehen zurück, aber somit ist auch das Durchschnittsalter der Mitglieder gestiegen, was wiederum die Stückauswahl mittlerweile beschränkt. Ideal wäre, wenn vor allem Interessierte zwischen 20 und 40 Jahren neu dazustießen. Wie sieht der Weg zur Gruppe für die Einzelnen aus? „Ich hab schon in der Schule gern Theater gespielt“, erzählt Axel Harsch, das aktuell jüngste Mitglied. Nachdem er von einer Aufführung der Gruppe in der Zeitung gelesen und bei einem Ensemblemitglied nachgefragt hatte, stieß er zur Gruppe. „Ich bin seit 2017 dabei, habe bei einem Stück, ‚Mordstheater‘, mitgespielt“, erzählt der 23-Jährige.

Bei Elke Döderlein musste die Entscheidung zum Schritt auf die Bühne erst reifen. Um 2013 liebäugelte sie damit, beim Ensemble einzusteigen. 2015 war es dann soweit und sie übernahm ihre erste Rolle. „Ich musste schon ein wenig die Hemmungen ablegen, bis mir klar war, es ist ja schließlich Theater und ein Spiel“, sagt sie. Mittlerweile genießt sie es, in andere Rollen zu schlüpfen. Axel Harsch sagt auf die Frage, was das Spielen für ihn ausmacht: „Ich kann in einer Rolle ausprobieren, was ich im normalen Leben nicht ausleben kann beziehungsweise darf.“

Der Kontrast zur eigenen Person und zum Alltag fasziniert

Für Antje Rohde ist das Theaterspielen so etwas wie ein zweites Leben. Mittlerweile hat sie außerdem festgestellt: „Am liebsten spiele ich eine hässliche, widerliche oder alte Person.“ Je näher die Rolle allerdings an das normale Leben heranrücke, desto schwerer werde es. Bereits in jungen Jahren weckte ein Lehrer ihre Lust am Experimentieren und als sich die VHS-Theatergruppe um 1984 neu formierte, stieg sie mit ein. Seitdem konnte sie viel ausprobieren, in viele Leben schlüpfen.

„Ich wollte im Grunde auch einfach spielen“, erzählt Detlef Neumann. Er kam 1992 zur Gruppe, als Eberhard Daerr die Leitung übernahm und das Stück „Spiel im Dunkeln“ mit dem Ensemble erarbeitete. „Ich habe mich dann immer wieder eingemischt“; seine Einwände und Vorschläge verfehlten ihre Wirkung nicht. Eberhard Daerr stellte fest: „Bei dir scheint da ein ganz bestimmter Film abzulaufen“, und machte Neumann den Vorschlag, doch selbst die Leitung zu übernehmen, worauf dieser einschlug. Es folgten Stücke in der Stadt- und Festhalle und im Jahr 2000 ein Raumangebot im Grabenschulhaus. „Als ich mit Knut Landsgesell hier unten stand, haben wir uns angeschaut und gesagt, das wird unser Theater.“ Projekte wie „Krach im Hause Gott“ mit der angeschlossenen Filmproduktion sowie Ausflüge in die Welt des Musicals (Anatevka) oder Marionettentheaters boten neue Experimentierfelder. Weiteres Beispiel: Detlef Neumann sprach Bob Gooding aus der Partnerstadt Frome an, er möge der Gruppe doch ein Stück schreiben. Der nahm den Auftrag an und die Gruppe brachte „Rückkehr nach Jartsewo“ auf die Bühne.

Nicht vergessen werden sollte, dass das Wirken von „Theatelier fabula et cetera“ nicht allein das Spielen selbst umfasst. Um ein Stück umzusetzen, der Geschichte Leben einzuhauchen, braucht es viele weitere Teamplayer – beispielsweise beim Kulissenbau, fürs Nähen von Kostümen, bei der Licht- und Tontechnik inklusive der Zusammenstellung von Musik und Geräuschen – weitere Bereiche, in denen sich Mitglieder ausprobieren können.

Spielen und Experimentieren bedeutet auch persönliche Weiterentwicklung

Und was schwebt Detlef Neumann und der Gruppe als nächstes Projekt vor? „Beim Stück haben wir uns noch nicht festgelegt“, sagt der Leiter von „Theatelier fabula et cetera“. Antje Rohde macht aber klar, dass sie auf ein humorvolles Thema setzt. Beim Gedanken daran, bald mal wieder eine Inszenierung in Angriff zu nehmen, lächelt sie und nickt. „Auf der Bühne zu stehen und zu spielen bringt einen auch in der persönlichen Entwicklung weiter“, sagt sie. Die Wirkung auf andere verändere sich und es sei interessant, das gezielt einsetzen zu können. Neumann stimmt ihr zu und ergänzt, auch emotionale Facetten auszudrücken sei spannend. „Die Aufregung fällt irgendwann ab und dann spielt man einfach“, und das sei in kleineren und größeren Parts möglich.

Reinschnuppern

Kontakt Wer Interesse hat, mal bei Theatelier fabula et cetera“ reinzuschnuppern, kann sich bei Kirstin Krack vom Team der Volkshochschule Murrhardt unter Telefon 07192/935813 oder per E-Mail an krack@vhs-murrhardt.de melden. Weitere Infos zu Gruppe und dem Theater finden sich im Internet unter der Adresse http://www.fabulaetcetera.de. Die Proben finden regelmäßig dienstags um 20 Uhr im Zimmertheater der Volkshochschule, Obere Schulgasse 6, statt.

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Erstellt:
1. August 2022, 06:00 Uhr

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