Olympia-Kolumne
Völlig abgehoben!
Mit Blick auf JD Vance, der bei seinem Italien-Trip sogar ein Flugzeug voller Lebensmittel dabei hat, sind die Transportprobleme der Olympia-Reporter geradezu profan.
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Das olympische Bus-System ist ausgeklügelt.
Von Jochen Klingovsky
Das Verkehrsaufkommen ist bei Olympischen Spielen ja immer ein Thema, doch in Mailand erreichte es zuletzt eine völlig neue Dimension. Denn US-Vizepräsident JD Vance und sein Tross waren mit 14 (!) Flugzeugen nach Italien gereist. Elf Maschinen transportierten die Delegation, zwei deren gepanzerte Fahrzeuge. Ein Flugzeug war voller Lebensmittel, weshalb einem angesichts der wunderbaren italienischen Küche zu diesem Gebaren nur zwei Worte einfallen: völlig abgehoben! Dagegen sind die Sorgen von uns Medienleuten geradezu profan.
Vor dem Olympia-Trip in den Norden Italiens mussten wir immer wieder an die Kollegen denken, die noch heute von den Winterspielen 2006 berichten. Damals hatte es in den Bergen über Turin so viel geschneit, dass jede Busfahrt zur abenteuerlichen Rutschpartie wurde – auch weil manche Fahrer auf Sizilien angeheuert worden waren und nie zuvor in ihrem Leben Schnee gesehen hatten. Diesmal? Läuft es besser.
Wie ein Zahnarzt mit Schlagbohrer
In Mailand klappt der Transport dank der öffentlichen Verkehrsmittel bislang reibungslos, in den Bergen sind die Journalisten wie üblich bei Olympischen Spielen auf das Busnetz angewiesen, das enorm ausgeklügelt ist und einem alle Türen öffnet – zumindest in der Theorie. Im wirklichen Leben gab es schon Kollegen, die sich unter Einsatz ihres Lebens vor einen vorbeikommenden Bus geworfen haben, weil sie nicht noch länger warten wollten. Und ein Trip über ein paar Kilometer kann schon mal bis zu zwei Stunden dauern, vor allem dann, wenn es durch Cortina geht. Manche Straßen in dem altehrwürdigen Örtchen sind so eng und verwinkelt, dass die Fahrer großer Reisebusse sich vorkommen müssen wie ein Zahnarzt, der versucht, seine Arbeit mit einem Schlagbohrer zu verrichten. Es gibt aber auch gute Nachrichten.
Gerade hat sich ein Kollege gemeldet und berichtet, dass die Fahrt zum Pressezentrum der Frauen-Abfahrt erstaunlich rasant vorangehe. Allerdings sei der Bus richtig voll – und in seiner Sitzreihe gehe es besonders kuschelig zu. Schließlich hat sich direkt neben ihm der deutsche Bob-Anschieber Joshua Tasche platziert. Da herrscht zwangsläufig Enge. Auch ohne Gepäck.
Am Ende schauen wir noch rasch ins Val die Fiemme. Hier gab es, was die Busrouten angeht, nicht viel zu überlegen – denn es existiert nur eine Straße, an der das Langlauf- und das Ski-Stadion sowie alle wichtigen Ortschaften liegen. Bisher trat nur ein Problem zutage: Einmal kam der Bus drei Minuten zu früh. Das hat unseren Fahrplan ganz schon durcheinandergebracht.
