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Volkshochschule setzt auf Testroutine

Auch wenn die meisten von einem Alltag weit entfernt sind, weil sich die Coronaregeln nicht nur oft geändert haben, sondern auch von der Inzidenz abhängen, können Schnelltests zumindest etwas Sicherheit für den Moment bieten. Das hat auch die VHS bisher genutzt.

Lena Ziegler nimmt bei Mareen Thiebel einen Nasenabstrich. Foto: C. Schick

Lena Ziegler nimmt bei Mareen Thiebel einen Nasenabstrich. Foto: C. Schick

Von Christine Schick

MURRHARDT. Eigentlich hatte man gehofft, über die Schnelltests an Schulen und Kindergärten nun eine gewisse Routine und damit Stabilität zu erreichen, damit Betreuung und Unterricht zumindest auch in Präsenz beziehungsweise im Wechsel stattfinden können. Es kam bekanntlich anders, weil die 7-Tage-Inzidenz im Rems-Murr-Kreis stark anstieg.

Neben den Musikschulen sind die Volkshochschulen Orte des Lernens. Dort sind es auch zahlreiche Erwachsene, die die Schulbank drücken. Ein besonderes Thema sind die Integrations- und Alphabetisierungskurse, in denen Frauen und Männer sich die deutsche Sprache und Kultur erarbeiten. Für sie ist es nicht so leicht, in den virtuellen Unterricht zu wechseln. Manche leben noch nicht so lange in Deutschland, für sie stellt die Kommunikation eine Hürde dar, eben weil sie die Sprache noch nicht so gut beherrschen, und nicht alle verfügen über die technischen Mittel für einen Online-Unterricht. Insofern konnten und sollten die Integrations- und Alphabetisierungskurse bisher noch im Präsenzunterricht stattfinden.

15 Frauen und Männerbereiten sich auf die Prüfung vor.

Gleichzeitig stand die Volkshochschule Murrhardt vor den Herausforderungen, die Bedingungen eines Unterrichts und des eigenen Berufsalltags aufgrund der Pandemielage fürs Team anzupassen. Zentrale Punkte waren, aufgrund der Abstandsregelungen größere Räume zu suchen sowie eine neue Büroaufteilung und Kombination mit dem Homeoffice zu etablieren. Das jüngste Element in dieser Hinsicht ist die Möglichkeit, Schnelltests für die besagten, wenigen verbliebenen Kurse sowie für die Mitarbeiterinnen einzusetzen.

Der aktuelle Integrationskurs steht nun kurz vor der Prüfung am 8. Mai. Die 15 Frauen und Männer haben sich Ende vergangener Woche noch in ihrer bisherigen Lernumgebung eingefunden – und den ersten kompletten Schnelltestroutinedurchlauf absolviert. Die Räume sind selbst im Murrhardter Grabenschulhaus nicht groß genug, um den kompletten Kurs mit den geforderten 1,5 Meter Abstand zwischen den Tischen unterzubringen. In Absprache mit Wolfgang Bunk konnte er aber bisher im Saal des Gasthofs Engel stattfinden. Ein großer Vorteil dort ist zudem, dass der Saal über eine Lüftung verfügt.

Die Frauen und Männer haben am vergangenen Freitag um 9 Uhr mit dem Unterricht begonnen. An diesem Tag kommt außerdem Lena Ziegler vorbei, die als medizinische Fachkraft für die Praxisklinik Oberes Murrtal Schnelltests auf Anfrage bei vielen Außeneinsätzen in Murrhardt und Umgebung anbietet und sich in einem der unteren Räume des Engels einrichten kann.

Mareen Thiebel, die zurzeit ihren Bundesfreiwilligendienst in der Volkshochschule Murrhardt macht, kümmert sich darum, dass Lernende, Dozentinnen und Mitarbeiterinnen sich nach und nach bei Lena Ziegler einfinden. Auch das Fünferteam des Alphabetisierungskurses, der bisher in der Volkshochschule lief, kommt zum Testen.

Eine Teilnehmerin berichtet der gelernten Krankenschwester, dass sie bei einem Schnelltest Probleme hatte: tränende Augen und leichtes Nasenbluten. Lena Ziegler erklärt genau, was sie macht. „Sie können Ihre Maske absetzen. Legen Sie Ihren Kopf etwas in den Nacken. Ich gehe jetzt mit dem Stäbchen ein paar Zentimeter in die Nase, drehe es kurz“, sagt sie. Der Test funktioniert und die Teilnehmerin ist erleichtert. „Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und bleiben Sie gesund“, sagt sie in die Runde, nimmt die Treppe nach oben in den Saal und wird dem nächsten Kandidaten Bescheid sagen. Die Frauen und Männer kommen nach und nach zu Lena Ziegler, haben ihre zugehörigen ausgefüllten Bögen dabei.

„Nicht erschrecken, das brennt ein bisschen“, sagt die Krankenschwester. In einem Fall lässt sich die sensible Nasenschleimhaut nicht überlisten. Um das Nasenbluten nicht zu befördern, steigt sie auf einen Test um, bei dem ein Abstrich über den Rachen gemacht wird. „Die beiden Varianten sind vergleichbar“, sagt sie. Zurzeit ist sie aber einfach besser mit der nasalen Testvariante ausgestattet.

Lena Ziegler kann auch einen Rachentest als Alternative anbieten.

Nicht nur die Fachangestellte wirkt routiniert, auch die Frauen und Männer pilgern vergleichsweise selbstverständlich zu ihrem Test. Haben sie gar keine Fragen? Mareen Thiebel erklärt, dass es für den Integrations- und Alphabetisierungskurs nicht der erste Durchlauf ist. Bereits in der Vorwoche hat das Volkshochschulteam die Teilnehmer ins Thema eingeführt und mit allen einen Schnelltest in Eigenregie gemacht. Sie und Kirstin Krack haben also im Vorfeld so viel wie möglich erklärt.

Neben den Dozentinnen haben im Anschluss auch Volkshochschulleiterin Birgit Wolf, Michaela Millenet und Mareen Thiebel die Möglichkeit, sich testen zu lassen. Später wird klar sein, dass die Ergebnisse alle negativ sind. „Das ist toll, dass wir das bei Ihnen machen können“, sagt Birgit Wolf und bedankt sich nochmals explizit. Lena Ziegler reserviert für den kommenden Freitag einen Termin für einen nächsten Durchgang, auch wenn da noch nicht klar ist, wie es für die Volkshochschule in diesem speziellen Fall aussieht. Der Plan bis dahin: zweimal die Woche ein Schnelltest, einen professionell begleiteten und einen in Eigenregie.

Gestern wartete das Team noch längere Zeit auf Nachricht vom Volkshochschulverband, wie mit den speziellen Fällen umgegangen werden soll. Bis dahin fanden die Integrations- und Alphabetisierungskurse der Volkshochschulen weiter in Präsenz statt. Kirstin Krack berichtete am Abend, dass es für die Integrationskurse an den Volkshochschulen grünes Licht gebe – sie weiterhin in Präsenz erfolgen. Das Team hofft, dass der Unterricht somit bis zum kommenden Montag sowie die geplante Prüfung am 8. Mai stattfinden können. Beim Alphabetisierungskurs ist dies aller Voraussicht nach nicht möglich, da die Kinderbetreuung für die Teilnehmer zurzeit ebenfalls von den Änderungen betroffen und somit nicht möglich ist, so Kirstin Krack.

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Erstellt:
28. April 2021, 06:00 Uhr

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