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Vom Schlosser zum Mäzen junger Künstler

Heute feiert der erfolgreiche Murrhardter Unternehmer, Gründer und Vorsitzende der Riebesam-Stiftung Jürgen Riebesam seinen 80. Geburtstag. Die Förderung junger Talente ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Trotz seiner heuer 80 Jahre bleibt Jürgen Riebesam in seinem Unternehmen aktiv – momentan ist er im Homeoffice. Foto: E. Klaper

Trotz seiner heuer 80 Jahre bleibt Jürgen Riebesam in seinem Unternehmen aktiv – momentan ist er im Homeoffice. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Ruhestand ist ein Fremdwort für Jürgen Riebesam: Wie eh und je engagiert er sich für sein Unternehmen Riebesam Professional. Es steht für technologisch hoch spezialisierte, individuell auf die Anforderungen der Kunden zugeschnittene (Feinst-)Reinigungs-, Desinfektions- und Trocknungsanlagen für die Auto-, Maschinenbau- und Pharmaindustrie sowie Labore. Ebenso für die von ihm und seiner Frau Gerlinde gegründete Riebesam-Stiftung, die künstlerisch und musikalisch begabte Kinder und Jugendliche fördert.

Detailliert erzählt Jürgen Riebesam, derzeit im Homeoffice tätig, über sein Leben und Schaffen. Am 14. Oktober 1940 wurde er in Lichtenau (Schlesien) geboren. Die Familie kam im Herbst 1945 mit der ersten Gruppe von Heimatvertriebenen nach Murrhardt und wohnte zunächst im Teilort Waltersberg. Darum ging der Junge anfangs in die Volksschule in Vorderwestermurr, dann zog die Familie um in die Kernstadt, wo er ab der 3. Klasse die Schule besuchte. Nach dem Schulabschluss machte er 1954 eine Lehre in einer Schlosserei in der Löwengasse. Anschließend ging er als 17-jähriger Handwerksbursche auf die Walz durch Süddeutschland. „24-jährig absolvierte ich an einem Freitag die Schlosser-Meisterprüfung bei der Handwerkskammer Stuttgart, und gleich am darauffolgenden Montag machte ich mich selbstständig. Anfangs war mein Betrieb eine Schlosserei, aus der ich mit neuen Ideen und Innovationen das Maschinenbauunternehmen REK entwickelte – die Abkürzung steht für reinigen, entfetten, konservieren“, erklärt Riebesam.

Damals entdeckte er eine Marktlücke für Metallreinigungsmaschinen, die er mit seinem Mitarbeiterteam vervollkommnete und mit umweltfreundlichen Reinigungsmitteln betrieb. So „besaßen wir bereits eine Alternative und hatten einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz“, als 1990 die schädlichen Treibgase Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) verboten wurden.

Die erste Künstlerklasse wurde 2002 gegründet.

Und nach der Wende leistete Jürgen Riebesam Pionierarbeit beim „Aufbau Ost“: „Als einer der ersten Unternehmer kam ich 1990 durch die Kooperation der IHK zu einem Partner, mit dem ich in Genthin in Sachsen-Anhalt noch vor Gründung der Treuhand eine Firma aufbaute.“ Sie verwandelten eine Gärtnerei zum Metallverarbeitungswerk. Dort entwickelten sie neue Maschinen zur Laborgerätereinigung für die Pharmaindustrie, wofür es aktuell trotz Corona viele Aufträge gebe. Im Murrhardter Stammwerk, das Anlagen baut für die Auto- und Maschinenbauindustrie sowie für Hersteller medizinischer Geräte, sei der Auftragseingang indes schwächer.

Als großzügiger Mäzen künstlerisch und musikalisch begabter Mädchen und Jungen ist Jürgen Riebesam in der Walterichstadt und im Umkreis bekannt. „Ich wollte schon immer eine Stiftung gründen und junge Künstler unterstützen“, erinnert er sich. Mit der Gründung der Riebesam-Stiftung, die 2002 erfolgte, „wollen wir junge Menschen im Bereich Kunst und Musik fördern“, betonen Jürgen und Gerlinde Riebesam. Gemeinsam mit deren Freundin, der Backnanger Bildhauerin Barbara Schroeder von Buttlar, „haben wir die erste Künstlerklasse gegründet“, für die das Heinrich-von-Zügel-Gymnasium einen Zeichensaal zur Verfügung stellte.

Zudem „bauten wir an unserem Wohnhaus in der Bergstraße einen Zeichenraum an, den wir später als Aufführungsraum für Konzerte und Theaterstücke vergrößert und technisch ausgestattet haben. Als auch dieser zu klein wurde, haben wir für die Stiftung einen Anbau am Firmengebäude in der Berliner Straße erstellt.“ Als die Stadt Murrhardt nach der Jahrtausendwende mehrere städtische Gebäude zum Notverkauf anbot, erwarb die Riebesam-Stiftung die einstige Klosterscheuer und das frühere Feuerwehrgerätehaus. Sie gestaltete das Gebäude Klosterhof 1 um zum Kulturhaus mit Konzertsaal und Übungsraum im Erdgeschoss, großem Atelier im ersten Stock, Übungsräumen für die Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land im zweiten sowie Büro- und Archivräumen im dritten Stock.

Für die Stiftung bot Dozentin Tanja Lucht ab 2006 im Fritz-Elsas-Haus ästhetische Früherziehung für Kinder von vier bis elf Jahren an, zudem beschaffte die Stiftung die Einrichtung für den dortigen Betreuungsraum des Kinderschutzbundes. Seit Fertigstellung des Kulturhauses Klosterhof 2014 ist Tanja Lucht dort im Atelier mit zwei Klassen tätig. Barbara Schroeder von Buttlar unterrichtet zurzeit Schüler zwischen 10 und 20 Jahren in vier Klassen in Malerei, eine davon an der Grundschule Fornsbach. Seit 2007 fördert die Stiftung auch musikalisch begabte Kinder und Jugendliche, wofür das Ehepaar Riebesam das Musiklehrer-Ehepaar Julia und Björn Vielhaber gewinnen konnte.

„Die Stiftung ist die Erfüllung eines Lebenstraumes.“

„Dies war für die Stiftung ein großer Glücksfall, da wir mit zwei Profimusikern arbeiten konnten. In dieser Zeit entstand das Ensemble ArSono, ein Jugendorchester aus Schülern der Region.“ Zudem kooperiert sie mit dem von Gottfried Mayer geleiteten Kirchen- und Jugendchor des evangelischen Kantorats. „Die Riebesam-Stiftung ist für uns ein großes Anliegen und eine stetige Herausforderung“, betonen die Eheleute. „Aus kleinen Anfängen hat sich ein florierendes Bildungssystem entwickelt. Zahlreiche Kinder und Jugendliche sind Stipendiaten: Schüler erhalten eine finanzielle Förderung ihres Unterrichts an Musikschulen, und Studenten Stipendien.“ Überdies förderte die Stiftung von 2009 bis 2015 junge Künstler in einer eigenen Galerie beim SWR-Gebäude in Stuttgart. „Wir wählten Studenten der Kunstakademie aus, die dort ausstellten, um sie der Öffentlichkeit bekannt zu machen, und vermittelten ihnen Kontakte zu größeren Galeristen.“

„Für meine Frau Gerlinde und mich ist die Stiftung die Erfüllung eines Lebenstraumes. Die Auftritte und Ausstellungen so vieler hochbegabter junger Menschen bedeuten für uns ein großes Glücksgefühl. Es ist uns ein großes Anliegen, diese mit der Stiftung auch weiterhin zu fördern. So ermöglichen wir ihnen künstlerische oder musikalische Ausbildungen und Berufe.“ Nachdem das Ehepaar Vielhaber aus beruflichen Gründen Murrhardt verlassen hatte, übernahm deren Aufgabe Studienrätin Julia Kirschbaum. Sie organisiert seit 2015 die Konzerte der Musikstipendiaten, wählt die Kompositionen aus und stellt die Programme zusammen. Seinen 80. Geburtstag feiert Jürgen Riebesam wegen Corona im kleinsten Kreis.

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Erstellt:
14. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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