Schlaues Suchen und spannendes Vermitteln

Im Heinrich-von-Zügel-Gymnasium Murrhardt haben die Siebt- und Achtklässler erstmals Gelegenheit, bei einem Medien- und Methodentag in Themen der Wissenserarbeitung und -präsentation einzutauchen. Das Kollegium bietet Grundlagen an und holt sich zwei Referenten an Bord.

Nach einem ersten Brainstorming heißt es, das Wissen später wieder zu ordnen und manches auszusortieren. Foto: Adobe Stock/Oleksandr

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Nach einem ersten Brainstorming heißt es, das Wissen später wieder zu ordnen und manches auszusortieren. Foto: Adobe Stock/Oleksandr

Von Christine Schick

Murrhardt. Zum Schulalltag gehört die mal mehr, mal weniger gefürchtete Klassenarbeit, aber auch das Referat. Zwar ist es mittlerweile so, dass die Schülerinnen und Schüler alternativ auch ein weiter gefasstes Projekt wie die Organisation eines Sporttags angehen können, oft fällt die Wahl aber trotzdem auf besagte klassische Präsentation eines Themas vor der Klasse beziehungsweise Kursstufe, erzählt Stefanie Rudnick vom Kollegium des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums Murrhardt. Und solch ein Referat, das in die etwas verwaltungstechnisch daherkommende Kategorie „Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen“ (kurz GFS) fällt, kann es durchaus in sich haben und für die Jugendlichen eine Herausforderung sein. Für eine Reihe von Schülerinnen und Schülern kam dann noch die Zeit der Coronapandemie hinzu, während der dieser Part ausgesetzt wurde und damit ein Herantasten ans Thema wegfiel. „Es hat uns niemand gezeigt, wie das eigentlich geht“, zitiert Stefanie Rudnick die entsprechende Rückmeldung Einzelner.

Das Kollegium reagierte und bot ab Klasse sieben ein Modul zum Thema an. „Das hat aber nicht gereicht und für uns war klar, dass wir die Schüler da noch mehr unterstützen müssen.“ Das Kollegium hat die Chance ergriffen, um den Blick zu weiten. Eine Gruppe von sechs Lehrerinnen und Lehrern hat einen Medien- und Methodentag für die Siebt- und Achtklässler konzipiert. Er beinhaltet verschiedene Seminare, aus denen sie auswählen können. Die Palette reicht von Recherche, Fake News und Visualisierung der Inhalte über das passende Handout und die Dramaturgie des Vortrags bis hin zu Rhetorik und Körpersprache oder Zeit- und Stressmanagement. Für die letzten beiden Themen konnte die Schule zwei Fachleute aus Murrhardt – Carmen Brucker und Paul Giesinger – gewinnen, die beruflich im Coaching tätig sind.

„Stressmanagement“ und „Roter Faden des Vortrags“ stehen hoch im Kurs

Um selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, was die Schülerinnen und Schüler besonders interessiert, gab es auch eine Vorabfrage. Die Nase vorn hatten vor allem das Zeit- und Stressmanagement sowie der Aufbau und rote Faden eines Vortrags. Recherche sowie die Unterscheidung zwischen Fake und Facts fanden sich weiter hinten auf der Liste, berichtet die Pädagogin. Belegen lassen sich beim Medien- und Methodentag bis zu vier Seminare. Wer sich schnell entscheidet, hat bessere Chancen, das Gewünschte zu bekommen; ansonsten heißt es, sich nach Alternativen umzusehen.

Zugegeben, Recherche hört sich erst einmal nach spröder, trockener Arbeit an. Aber bunt wird die Sache letztlich dadurch, dass man ein Thema findet, das einen interessiert, und dann sind die Hinweise, Einordnungen und Tipps, die Stefanie Rudnick mit den Schülerinnen und Schülern im Workshop „Zwischen Informationsmangel und Informationsflut – wie und wo finde ich geeignetes Material?“ erarbeitet, eine prima Grundlage. In einem ersten Schritt können als erste Quellen Schulbuch, Lexikon und Übersichtsbücher helfen oder auch ein sogenanntes Brainstorming, was so viel bedeutet wie Sturm im Kopf. „Das ist eine Methode, bei der ihr alles, was euch zum Thema einfällt, sammelt, wie Begriffe, Fragen oder Bilder“, erklärt Rudnick. „Das kann unter Umständen ein ziemliches Chaos bedeuten.“ Insofern ist es wichtig, immer wieder zu ordnen und eine Auswahl zu treffen, um nicht vom Material erschlagen zu werden, beispielsweise mit einer Mindmap (Gedankenlandkarte), einer Tabelle oder mit einer aus Zetteln gelegten Struktur. Bevor die Rechercheklasse sich daran macht, die übliche Wissensquelle – das Internet – zum Thema „Burg“ zu befragen, legt ihnen Stefanie Rudnick ans Herz, auch an analoge Möglichkeiten zu denken. Warum nicht mal die Stadtbücherei oder größere Schulbücherei, das örtliche Museum oder Häuser in Stuttgart, Vereine, Organisationen und Unternehmen aufsuchen? Auch Experten wie Professoren, Ärzte oder Handwerksmeister können lohnende Gesprächspartner sein.

Bei der Internetrecherche wird klar: Eine Suche mit dem einzelnen Begriff „Burg“ ergibt je nach Suchmaschine Millionen von Ergebnisse. „Darunter sind auch viele Fake-Sachen“, sagt ein Schüler, sprich nicht alles sind verlässliche Quellen. Ein Thema, dessen sich Kollegin Theresa Bilharz annimmt. Im Seminar gibt es noch weitere Tipps, etwa Begriffe bei der Suche zu kombinieren oder gezielter beziehungsweise thematisch spezifischer, beispielsweise über Seiten von Medien oder Wissenschaftsverlagen, vorzugehen. Und es zeigt sich, dass der erste kreative Schritt – ein Brainstorming –, den die Schüler austesten, gar nicht so einfach ist.

Solch ein freieres Herangehen ist auch bei Samuel Feinauer Thema, der sich gleich nebenan mit dem Aufbau und der Dramaturgie eines Vortrags befasst. Steht die Leitfrage des Themas und sind die Rechercheergebnisse aufs Wesentliche eingedampft und in eine Gliederung gebracht, stellt sich nämlich die Frage, wie sich Zuhörerinnen und Zuhörer locken und beim Thema ein Stück weit abholen lassen.

Ideen für einen spannenden


Einstieg ins Thema sind gefragt

Für eine gute Idee heißt es, in einen spielerischen Modus zu wechseln. „Auf Kommando kreativ zu sein, ist natürlich schwer“, sagt Samuel Feinauer. Insofern rät er den Schülerinnen und Schülern, sich über solch einen Ohröffner für den Einstieg schon im Vorfeld und nicht auf den letzten Drücker Gedanken zu machen. Um das ein Stück weit auszuprobieren, bekommen die Jugendlichen die Aufgabe, sich mit ihrem Namen vor der Klasse so vorzustellen, dass der auch im Gedächtnis bleibt. Mal wird gereimt, mal werden dem Namen besondere Herzensanliegen oder etwas Humorvolles an die Seite gestellt. Die Richtung stimmt also. Nicht immer ist ein augenzwinkernder Einstieg sinnvoll, beispielsweise wenn es um Themen wie den Nationalsozialismus und Adolf Hitler geht, „kreativ darf es aber immer sein“, sagt Feinauer. Warum nicht mit einem Filmclip, Bild, Tondokument oder einer persönlichen Anekdote Lust aufs Thema machen?

Bei der Vorstellung der englischen Küstenstadt Dover ist ein Foto der weißen Kreidefelsen eine erste Idee, bei der Französischen Revolution ein Gemälde, wobei diskutiert wird, wie drastisch es mit Blick auf die Gewalt ausfallen soll. Auch die Hexenverfolgung in der Frühen Neuzeit ist kein locker-flockiges Thema. Die spontane Nachfrage einer Mitschülerin „Was soll das eigentlich sein, eine Hexe?“ eröffnet aber noch mal eine neue Möglichkeit: „Warum nicht mit den Erwartungen des Publikums spielen?“, fragt Samuel Feinauer und hat die Idee, dafür ein Bild von Otfried Preußlers „Kleiner Hexe“ zu verwenden. Auch ein Rätsel oder ein Miniausschnitt aus einem Film kann als Ohröffner dienen. „Wichtig ist nur, dass es das Thema auf den Punkt bringt.“

Die Themen der Workshops greifen ineinander, behandeln handwerkliche, Wissens- und spezifische Fragen

Die Zutaten Schon zwei von den insgesamt sieben Workshops machen klar, dass in einem Referat viel Arbeit und Grips stecken können. Jedes der Themen des Medien- und Methodentags beleuchtet andere Ebenen des Wissenserwerbs und der Wissensvermittlung. Das neue Angebot, das nun Premiere gefeiert hat, umfasst handwerkliche Aspekte und Wissensthemen genauso wie umfassende beziehungsweise spezifische Fragen, beispielsweise wie man stressfrei plant oder wie die Körpersprache beim Vortrag einsetzbar ist.

Das Menü Für die Schülerinnen und Schüler geht es auch darum, diese Zutaten zu verbinden, um zum Ziel zu kommen – spannende Inhalte gut zu präsentieren und weitergeben zu können. Stefanie Rudnick sagt an der Stelle, an der die Recherche abgeschlossen ist: „Informationen allein sind nutzlos. Sie werden erst nützlich, wenn du sie in einen Zusammenhang einordnen kannst, wenn du darüber nachdenkst und versuchst, sie zu verstehen, wenn du sie mit anderen Informationen vergleichst und dich fragst, wie das Neue zu dem passt, was du bisher schon weißt.“ Dann lässt sich der nächste Schritt gehen und Medien können im Dienst dieser Erkenntnisse gut eingesetzt werden. Im Folgenden heißt es, sich zu fragen: „Wie hole ich die Zuhörer ab?“, sagt Samuel Feinauer. Helfen kann dabei der Perspektivwechsel zum Publikum, der wiederum auch generell für eine kreative Herangehensweise wertvoll sein kann. Von den Schülern wird sich das Kollegium auch noch mal ein Feedback abholen, um zu wissen, was beim Medien- und Methodentag gut war und was gefehlt hat. Sprich auch für die Lehrer heißt es, weiterzulernen.

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Erstellt:
8. März 2024, 06:00 Uhr

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