Tradition mit praktischem Grund
Warum ist das Oktoberfest im September?
Das Oktoberfest trägt den Oktober im Namen. Gefeiert wird aber größtenteils schon im September. Dahinter steckt eine überraschend praktische Entscheidung, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.
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Warum findet das Oktoberfest größtenteils im September statt? Die Geschichte der Wiesn erklärt, warum Wetter, Tradition und ein Beschluss aus dem 19. Jahrhundert dahinterstecken.
Von Matthias Kemter
Oktoberfest - der Name klingt eindeutig. Trotzdem beginnt das berühmte Münchner Volksfest meist schon Mitte oder Ende September. Der Grund dafür liegt in seiner Geschichte und vor allem im Münchner Wetter. Seinen Ursprung hat das Oktoberfest tatsächlich im Oktober. Am 12. Oktober 1810 heiratete der bayerische Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., Therese von Sachsen-Hildburghausen. Die Hochzeit wurde in München mehrere Tage lang gefeiert. Zu den Höhepunkten gehörte ein Pferderennen auf einer Wiese vor den damaligen Toren der Stadt.
Das Gelände erhielt zu Ehren der Braut den Namen Theresienwiese. Daher stammt auch die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „Wiesn“. Die Feierlichkeiten kamen bei der Bevölkerung so gut an, dass das Fest in den folgenden Jahren wiederholt wurde. Daraus entwickelte sich nach und nach das heutige Oktoberfest.
Das Wetter sorgte für die Verlegung
Viele Jahrzehnte lang fand das Fest tatsächlich überwiegend im Oktober statt. Das brachte allerdings ein Problem mit sich: Das Wetter in München konnte zu dieser Jahreszeit bereits ausgesprochen ungemütlich werden. Schon im 19. Jahrhundert gab es deshalb Überlegungen, das Fest früher beginnen zu lassen. Ein entsprechender Vorschlag aus dem Jahr 1828 setzte sich zunächst nicht durch. Rund um die Theresienwiese lagen damals noch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Im September war die Ernte dort teilweise noch nicht abgeschlossen.
Dass das Oktoberwetter tatsächlich zum Problem werden konnte, zeigte sich schon kurz darauf. Überlieferungen zufolge regnete es 1828 während des Festes besonders stark. Im folgenden Jahr wurde das Oktoberfest sogar vorzeitig beendet, nachdem wenige Tage nach der Eröffnung ein heftiger Schneesturm über München gezogen war. Trotzdem dauerte es noch mehrere Jahrzehnte, bis der Termin dauerhaft nach vorne rückte.
Seit 1872 beginnt die Wiesn im September
Als die Flächen rund um die Theresienwiese zunehmend bebaut und nicht mehr für die Landwirtschaft benötigt wurden, fiel ein wichtiges Hindernis für einen früheren Start weg. 1872 wurde das Oktoberfest erstmals in den September vorverlegt. Die praktische Überlegung dahinter gilt bis heute: Im September sind die Tage länger und die Temperaturen in München im Durchschnitt angenehmer als im Oktober. Das erhöht die Chancen auf spätsommerliches Wetter – ein klarer Vorteil für ein Volksfest, bei dem sich ein großer Teil des Lebens auch im Freien abspielt. 1904 legte der Münchner Stadtrat die Terminregelung schließlich dauerhaft fest.
Warum heißt es trotzdem weiterhin Oktoberfest?
Am traditionsreichen Namen wurde trotz der Verschiebung nichts geändert. Schließlich entstand das Fest im Oktober, und auch heute reicht es normalerweise noch in diesen Monat hinein. Traditionell beginnt die Wiesn am ersten Samstag nach dem 15. September. Sie dauert in der Regel 16 Tage und endet am ersten Sonntag im Oktober. Liegt der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober unmittelbar danach auf einem Montag oder Dienstag, kann das Fest entsprechend verlängert werden.
