Cychlorphin & Co.

Welche Designerdrogen werden in Baden-Württemberg konsumiert?

Deutschland bekommt das Drogenproblem nicht in den Griff. Die Zahl der Abhängigen und der verschiedenen Rauschmittel nimmt immer weiter zu – vor allem von synthetischen Drogen. Mit Cychlorphin ist ein weiteres Rauschgift auf den Markt gekommen.

Cychlorphin zählt zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS). Das sind chemisch hergestellte Drogen.  Cychlorphin soll  50- bis 200-mal stärker sein als Heroin (Symbolbild).

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Cychlorphin zählt zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS). Das sind chemisch hergestellte Drogen. Cychlorphin soll 50- bis 200-mal stärker sein als Heroin (Symbolbild).

Von Markus Brauer/dpa

In Deutschland sterben immer mehr Menschen aufgrund von Überdosierungen. Zudem kommen immer mehr hoch potente und äußerst gefährliche Substanzen auf den Markt.

Vor ein paar Wochen ist im Raum Karlsruhe ein neues synthetisches Opioid aufgetaucht: Cychlorphin (englisch: Chychlorphine). „Eine hoch potente Designer-Droge“, wie die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Karlsruhe schreibt. Seither kursieren bundesweit Warnmeldungen. Denn die Gefahr ist groß: Todesfälle werden mit dem Stoff in Verbindung gebracht. Und es ist nicht der einzige Fall hierzulande.

Was sind synthetische Drogen?

Unter synthetischen Drogen versteht man alle künstlich hergestellten Rauschmittel. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) kommt jedes Jahr eine Vielzahl an neuen synthetischen Substanzen auf den Drogenmarkt.

Die Zusammensetzung und Wirkweise variiert dabei stark und kann von Konsumenten nicht abgeschätzt werden. Häufig werden in den Drogen gesundheitsschädliche Substanzen verarbeitet.

Synthetische Drogen gibt es als Pulver, in Pillen-, Kapsel- oder Tablettenform oder als Flüssigkeiten. Sie werden geschluckt, gespritzt oder durch die Nase eingezogen.

Was ist Cychlorphin?

Cychlorphin zählt zu den sogenannten neuen psychoaktiven Stoffen (NPS). Das sind chemisch hergestellte Drogen. Sichere Daten gibt es noch nicht. Cychlorphin soll laut dem Laborverbund LADR aber 50- bis 200-mal stärker sein als Heroin.

Cychlorphin ist seit Anfang Dezember dem NPS-Gesetz unterstellt. Dieses soll die Verbreitung von NPS bekämpfen. Handeltreiben, Inverkehrbringen, Verabreichen sowie Herstellen von dort genannten NPS stehen unter Strafe.

Was ist in Karlsruhe passiert?

In zwei Urinproben von Patienten der Awo-Ambulanz und in einer sichergestellten Flasche sei Cychlorphin nachgewiesen worden. Es wird den Angaben nach als farbloses E-Liquid angeboten. „Die Patienten berichten, sie hätten Proben zum Ablecken auf die Hand geträufelt bekommen, prinzipiell ist aber auch ein inhalativer oder intravenöser Konsum naheliegend.“

Laut dem Facharzt und Einrichtungsleiter Christoph Stoll haben sechs Patienten vom Konsum berichtet. Drei hätten die Substanz über mehrere Tage oder Wochen eingenommen – oral, inhalativ, in einem Fall auch intravenös. Die Wirkung sei „gut“ gewesen, Cychlorphin habe ein warmes euphorisches Gefühl gemacht. Man habe auch „nodden“ (wegdösen) können.

„Die Gefahrenlage war nicht einschätzbar, da es kaum valide Informationen zur Wirkstärke des Stoffes gab. Es waren aber Todesfälle in England berichtet worden.“ Daher habe die Awo Mitte Dezember eine Warnmeldung verschickt. Diese verbreitete sich. Bei der Karlsruher Polizei ist Cychlorphin bislang kein Thema.

Gab es schon ähnliche Vorfälle?

Das Universitätsklinikum Freiburg hatte Ende September über einen schweren Vergiftungsfall berichtet, bei dem die Einnahme einer Tablette mit Cychlorphin beinahe tödlich geendet sei. „Die betroffene Person musste auf der Intensivstation behandelt werden.“

Beim Projekt NEWS (National Early Warning System) des Instituts für Therapieforschung (IFT) in München ist die Meldung aus Karlsruhe die erste zu einem Fall, bei dem absichtlich Cychlorphin in einer Gruppe von Personen konsumiert wurde, die teils Erfahrungen mit dem Konsum von Opioiden hatten.

Zudem seien gelbe Tabletten im Umlauf, die unter anderem Cychlorphin enthielten. „Tabletten gleichen Aussehens und gleicher Zusammensetzung stehen im Zusammenhang mit einem Todesfall“, teilteHeiko Bergmann vom IFT mit.

Multi-analytical identification of the synthetic opioids cychlorphine and methiodone (IC-26) in drug seizures: first detection in Europe https://t.co/jncNAp3mLy#ClinChemLabMed#LabMedXpic.twitter.com/J6KJk9NYr6 — ClinChemINFO (@ClinChemINFO) January 9, 2026

Wie gefährlich ist Cychlorphin?

Der Leiter der Forensischen Toxikologie des Instituts für Rechtsmedizin des Freiburger Uniklinikums, Volker Auwärter, warnte seinerzeit, Cychlorphin sei ein potentes Opioid. Anders als Benzodiazepine – verschreibungspflichtige Medikamente – könne es schon in geringen Dosen lebensbedrohliche Zustände auslösen.

Der Verein Condrobs, der Suchtgefährdeten und -kranken hilft, schreibt, dass synthetische Opioide wie Cychlorphin schon in winzigen Mengen – im Mikrogramm-Bereich- wirken. Sie seien unter anderem auf sechs mal sechs Millimeter großen Papierfilzen, sogenannten Blottern, entdeckt worden. „Schon ein einzelner Blotter kann zu einer lebensbedrohlichen Intoxikation führen.“

New synthetic opioid cychlorphine has been linked to multiple deaths in London and the south east. ASI can test for cychlorphine, supporting identification in toxicology and drug intelligence contexts where novel opioids are suspected. Read more: https://t.co/2llhUL7YTQpic.twitter.com/t24V9AeZwp — Analytical Services International (@ASI_lab) December 12, 2025

Was sind synthetische Drogen?

Unter synthetischen Drogen versteht man alle künstlich hergestellten Rauschmittel. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) kommt jedes Jahr eine Vielzahl an neuen synthetischen Substanzen auf den Drogenmarkt.

Die Zusammensetzung und Wirkweise variiert dabei stark und kann von Konsumenten nicht abgeschätzt werden. Häufig werden in den Drogen gesundheitsschädliche Substanzen verarbeitet.

Synthetische Drogen gibt es als Pulver, in Pillen-, Kapsel- oder Tablettenform oder als Flüssigkeiten. Sie werden geschluckt, gespritzt oder durch die Nase eingezogen.

Welche Drogen werden konsumiert?

Psychoaktive Substanzen lassen sich verschiedenen Stoffklassen zuordnen. Diese Unterscheidung beruht auf chemischen Eigenschaften. Die Substanzen lassen sich aber auch nach deren Herstellung und Gewinnung wie folgt unterscheiden:

Biogene, pflanzliche Drogen und Pilze

Biogene Drogen und Pilze sind Substanzen die eine überwiegend halluzinogene Wirkung hervorrufen und in natürlichen Pflanzen und Pilzen enthalten sind.

Beispiele hierfür sind: Cannabis (Marihuana, Haschisch), Opium (Schlafmohn), Magic Mushrooms, Meskalin.

Synthetische Drogen

Unter synthetische Drogen fallen alle Substanzen, die ohne einen natürlichen Ausgangsstoff rein chemisch im Labor hergestellt werden.

So zum Beispiel: Ecstasy (MDMA/Methylendioxymetamphetamin), Speed (Amphetamin) oder Metamphetamin (Crystal Meth), Methaqualon.

Halbsynthetische Drogen

Neben den synthetischen gibt es halbsynthetische Drogen. Sie heißen deshalb so, weil sie als Ausgangsstoff einen Naturstoff verwenden und erst dann im Labor weiterentwickelt werden.

Beispiele hierfür sind: Heroin (Diacetylmorphin), LSD (Lysergsäurediethylamid), Crack, Kokain, Opiate.

Viele halbsynthetische Drogen wie beispielsweise LSD werden heute aus Kosten- und Qualitätsgründen vollsynthetisch hergestellt.

Wer ist besonders gefährdet?

Vor allem Personen, die keine Erfahrung mit Opioiden haben und annehmen, LSD zu konsumieren. Eine andere Gruppe Gefährdeter sind Konsumenten von „Blottern“. Denn Geruch, Geschmack und Aussehen liefern demnach keine verlässlichen Hinweise auf den tatsächlichen Wirkstoff.

Der Laborverbund LADR erklärt auf seiner Internetseite, dass Cychlorphin als alleiniges aktives Opioid in gefälschten pharmazeutischen Opioid-Präparaten nachgewiesen worden sei, die andere Stoffe enthalten sollten.

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Erstellt:
6. Februar 2026, 12:16 Uhr

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