Unwetter in Frankreich

Wie ist die Lage aktuell?

Nach den schweren Überschwemmungen in Südfrankreich und auf Korsika entspannt sich die Wetterlage allmählich.

Wie ist die Lage aktuell in Frankreich?

© Justine Meddah/AFP/dpa

Wie ist die Lage aktuell in Frankreich?

Von Lukas Böhl

Nach den verheerenden Regenfällen der vergangenen Tage hat sich die Wetterlage in den besonders betroffenen Regionen Frankreichs deutlich beruhigt. Am Donnerstag, dem 22. Oktober, stehen vor allem die Aufräumarbeiten im Mittelpunkt. Auf Korsika und im südfranzösischen Département Bouches-du-Rhône hatten außergewöhnliche Niederschlagsmengen am Dienstag schwere Überschwemmungen verursacht. Menschen wurden von den Wassermassen eingeschlossen, Straßen überflutet und Gebäude beschädigt.

Die höchsten Unwetterwarnstufen sind inzwischen aufgehoben. Dennoch ist die Gefahr nicht überall vorüber. Besonders auf Korsika können beschädigte Straßen, instabile Hänge und starker Wind weiterhin zu Problemen führen.

Korsika: Aufräumarbeiten dauern an

Besonders angespannt bleibt die Lage an der Ostküste Korsikas. Dort hatten die Wassermassen am Dienstag ganze Straßenzüge überschwemmt. Nach Angaben von Météo-France fielen bei Solenzara innerhalb von sechs Stunden 538,5 Liter Regen pro Quadratmeter – ein außergewöhnlicher Rekordwert für Frankreich.

Die Folgen sind weiterhin sichtbar. Am Mittwochmorgen waren nach Angaben des Energieversorgers EDF noch rund 2.500 Haushalte ohne Strom. Auf dem Höhepunkt der Unwetter waren es etwa 8.500 gewesen.

Wie das regionale Nachrichtenportal Corse Net Infos berichtete, mussten außerdem zahlreiche Straßen gesperrt werden. Besonders schwerwiegend ist der Einsturz einer Brücke auf der Départementstraße RD 645, die zum Bergdorf Chisa führt. Auch die RD 268 zwischen Bavella und Ponte Grosso war aufgrund von Überschwemmungen unpassierbar.

Die Behörden arbeiten daran, die Verkehrsverbindungen wiederherzustellen und beschädigte Versorgungsleitungen zu reparieren. Rund 350 Feuerwehrleute waren nach Angaben der Präfektur Haute-Corse für Rettungs- und Aufräumarbeiten mobilisiert worden.

Immerhin gibt es eine Entspannung beim Wetter: Für Donnerstag rechnet der französische Wetterdienst auf Korsika wieder mit längeren sonnigen Abschnitten. Allerdings bleibt der Wind ein Problem. Die Behörden warnten vor möglichen umstürzenden Bäumen und weiteren Behinderungen bei den Aufräumarbeiten.

Südfrankreich: Hochwasser geht zurück, Schäden bleiben

Auch rund um Marseille hat sich die Situation inzwischen verbessert. Besonders schwer getroffen wurden Städte westlich der Metropole, darunter Saint-Chamas, Istres, Martigues und Saint-Mitre-les-Remparts.

In der Nacht zum Dienstag hatten die Regenfälle Straßen in Flüsse verwandelt und zahlreiche Keller sowie Wohnungen überflutet. Nach Angaben der französischen Behörden mussten Rettungskräfte mehr als 200-mal im Département Bouches-du-Rhône ausrücken.

Die orangefarbene Unwetterwarnung wurde dort bereits am Dienstag aufgehoben. Seitdem konzentrieren sich die Arbeiten auf die Beseitigung der Schäden.

Auch der öffentliche Verkehr war erheblich beeinträchtigt. Unter anderem musste der Bahnverkehr zwischen Marseille und Miramas sowie auf der Küstenstrecke Côte Bleue zeitweise eingestellt werden.

Für Donnerstag zeichnet sich in Südostfrankreich eine weitere Wetterberuhigung ab. Laut Météo-France sind dort und auf Korsika längere Auflockerungen zu erwarten. Eine Wiederholung der extremen Regenfälle vom Dienstag wird für diese Regionen zunächst nicht vorhergesagt.

Neue Unwetterwarnung: Sturmtief Austen erreicht Frankreich

Während sich die Lage im Süden entspannt, richtet sich der Blick der Meteorologen bereits auf ein neues Tiefdruckgebiet. Sturmtief Austen soll in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, den 23. Oktober, den Nordwesten Frankreichs erreichen.

Météo-France warnt vor kräftigen bis stürmischen Böen, insbesondere entlang der Ärmelkanalküste. Besonders betroffen sein dürften die Bretagne, die Normandie und die Region Hauts-de-France.

An der Küste können die Windgeschwindigkeiten stellenweise mehr als 100 Kilometer pro Stunde erreichen. Besonders im Norden der Bretagne sind noch stärkere Böen möglich.

Aber auch weiter im Landesinneren wird es windig. Von den Pays de la Loire über die Region Paris bis in die Champagne-Ardenne erwartet Météo-France verbreitet Böen zwischen 70 und 90 Kilometern pro Stunde.

Hinzu kommen Regenfälle, die mit einer Kaltfront von Westen nach Osten über das Land ziehen.

Die französischen Wetterexperten weisen darauf hin, dass starke Windböen Bäume entwurzeln und Gebäude beschädigen können. Gerade im Herbst ist das Risiko erhöht, weil viele Bäume noch einen großen Teil ihres Laubes tragen.

Wetterprognose: So wird das Wetter am Wochenende

Freitag, 23. Oktober: Im Norden und Nordwesten Frankreichs wird es besonders ungemütlich. Sturmtief Austen bringt kräftigen Wind und zeitweise Regen. An den Küsten des Ärmelkanals sind schwere Sturmböen möglich. Die Wetterlage bleibt dort deutlich angespannter als im Süden.

Samstag, 24. Oktober: Die Vorhersagen deuten auf weiterhin wechselhaftes Wetter hin. Nach einer zwischenzeitlichen Beruhigung können im Laufe des Tages neue Regengebiete aufziehen. Besonders im Norden und Westen ist mit weiteren Niederschlägen zu rechnen.

Sonntag, 25. Oktober: Auch am Sonntag bleibt es gebietsweise windig und regnerisch. Vor allem in der ersten Tageshälfte sind weitere Regenfälle möglich. Später können sich regional wieder sonnige Abschnitte durchsetzen.

Ab Montag, 26. Oktober: Die Wettermodelle zeigen zunächst weiterhin wechselhafte Bedingungen. Im weiteren Wochenverlauf zeichnet sich in Teilen Frankreichs eine ruhigere Wetterphase mit mehr Sonnenschein ab. Die Prognose ist allerdings noch mit Unsicherheiten verbunden.

Drohen weitere Überschwemmungen in Frankreich?

Für die am stärksten betroffenen Regionen im Südosten Frankreichs und auf Korsika zeichnet sich zunächst keine Wiederholung der außergewöhnlichen Starkregenlage vom Dienstag ab. Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Gefahren verschwunden sind.

Überflutete Straßen, beschädigte Brücken und aufgeweichte Böden können auch nach dem Ende der Niederschläge gefährlich bleiben. Hinzu kommen örtlich erhöhte Flusspegel.

Die neue Wetterlage mit Sturmtief Austen betrifft dagegen vor allem andere Regionen Frankreichs. Dort stehen zunächst starke Windböen im Vordergrund. Begleitender Regen kann örtlich zusätzliche Probleme verursachen.

Wer in den kommenden Tagen nach Frankreich reist, sollte deshalb die aktuellen Warnungen von Météo-France beachten. Besonders an der Ärmelkanalküste und in den zuvor überschwemmten Regionen empfiehlt es sich, die Wetterlage und mögliche Verkehrssperrungen regelmäßig zu überprüfen.

Zum Artikel

Erstellt:
22. Oktober 2026, 10:46 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Frankreich

50 Millionen Euro: Rekordpreis bei Versteigerung von Monet-Gemälde in Paris erzielt

Ein Gemälde von Claude Monet ist am Donnerstagabend in Paris zum Rekordpreis von 50 Millionen Euro versteigert worden. Es ist der höchste Preis, der bei einer Versteigerung eines Kunstwerks in Frankreich jemals erzielt wurde.

Autonome Region Tibet

Starkes Erdbeben erschüttert China

Im Westen Chinas hat die Erde gebebt. Es trifft die Autonome Region Tibet. Ob Menschen dabei zu Schaden kamen, war zunächst nicht bekannt.

Nach Ausschreitungen bei Protesten

„Rückkehr zur Ruhe“: Demonstrationsverbote und weitere Einschränkungen in Frankreich

Mit Demonstrationsverboten am Samstag will Frankreich Ausschreitungen wie am vergangenen Wochenende verhindern. Oberstes Ziel sei eine „Rückkehr zur Ruhe“.