Landtagswahl 2026

Wie sich die AfD in Baden-Württemberg ausbreitet

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die AfD ihr Ergebnis von 2021 verdoppelt. Eine Vergleich mit vergangenen Landtagswahlen zeigt, wo die Partei besonders Fuß gefasst hat.

Bei der Landtagswahl hat die AfD in mehreren Kommunen die meisten Stimmanteile gewonnen.

© Christoph Reichwein/dpa/Grafik: Chiara Sterk

Bei der Landtagswahl hat die AfD in mehreren Kommunen die meisten Stimmanteile gewonnen.

Von Chiara Sterk

Die AfD ist nach Grünen und CDU die drittstärkste Kraft bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Nachdem die Partei bei der Landtagswahl 2021 Stimmen einbüßen musste, hat sie dieses Jahr in mehreren Kommunen die meisten Stimmen geholt – darunter auch mehrere in der Region Stuttgart. Eine Zeitreise zu den vergangenen Landtagswahlen.

2016 wird die AfD aus dem Stand stärkste Kraft in vier Gemeinden

Als die AfD 2016 erstmals bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg antrat, wurde sie sofort stärkste Oppositionspartei und war in vier Kommunen die meistgewählte Kraft. Die folgende Karte zeigt, welche Partei in den einzelnen Kommunen die meisten Stimmen erhielt und wo die AfD schon damals punkten konnte:

So war die AfD stärkste Kraft in Spiegelberg (Rems-Murr-Kreis) in der Region Stuttgart sowie in Pforzheim, wo die Partei auch 2026 wieder die meisten Stimmen holte. Diese Erfolge decken sich weitgehend mit den Hochburgen der Partei in den vergangenen Wahlen: Orte wie Pforzheim, Burladingen oder Teile des Schwarzwalds gehörten schon 2016 zu den Gebieten mit den höchsten AfD-Stimmanteilen, heute liegt sie in diesen Orten teils bei knapp 30 Prozent.

Dabei zeigt sich auch recht deutlich, dass die AfD schon damals im ländlichen Raum mehr Zuspruch erfahren hat als in städtischen Ballungsgebieten – wie auch Analysen unserer Zeitung zur Bundestagswahl und der Europawahl schon zeigten.

2021 muss die AfD zurückstecken – vor allem in Städten

Bei der Landtagswahl 2021 verlor die AfD deutlich an Stimmanteilen. Einzig in Spiegelberg konnte sie sich als stärkste Kraft behaupten, wie diese Karte zeigt: 

Doch auch in Spiegelberg büßte die AfD fünf Prozentpunkte ein (2021: 21,7 %, 2016: 26,6 %). Besonders wenig Stimmen gewann die AfD damals in der Region Stuttgart ebenso wie in Städten wie Freiburg, Ulm, Aalen oder Mannheim.

In den meisten Kommunen konnte die AfD dennoch zwischen zehn bis 15 Prozent der Stimmen für sich gewinnen. Auf mehr als 15 Prozent der Stimmen kam die Partei etwa in Spiegelberg (Rems-Murr-Kreis), Zaberfeld oder Hüffenhardt (Landkreis Heilbronn) oder aber in Börslingen (Alb-Donau-Kreis).

2026 gewinnt die AfD Gemeinden zurück und breitet sich weiter im Land aus

Bei der jüngsten Landtagswahl 2026 kann die AfD ihre Ergebnisse deutlich ausbauen. In Pforzheim, Hügelsheim (Landkreis Rastatt) und Möckmühl (Landkreis Heilbronn) erhielt die AfD wieder die meisten Zweitstimmen, dort war sie bereits 2016 stärkste Kraft gewesen.

In einigen Fällen kann die AfD zudem Nachbargemeinden von Kommunen für sich gewinnen, in denen sie schon vorher stark war. Beispiele dafür sind Großerlach und Althütte bei Spiegelberg (Rems-Murr-Kreis), Rastatt nahe der AfD-Hochburg Hügelsheim oder das neben Möckmühl liegende Roigheim (Landkreis Heilbronn). Details der Wahlgewinner zeigt diese Karte:

Im Landkreis Heilbronn wird die AfD erstmals in zahlreichen Kommunen stärkste Kraft: In zehn der 46 Gemeinden des Landkreises erhielt sie die meisten Zweitstimmen, darunter in der Kreisstadt Eppingen (29,7%) oder in Bad Friedrichshall (28%). In Hüffenhardt holte die Partei zudem mit 31,4 Prozent der Stimmen landesweit eines der besten Ergebnisse.

Zudem erschloss die AfD weitere Teile des Landes wie etwa im Schwarzwald – darunter in Vöhringen (Landkreis Rottweil), Glatten (Landkreis Freudenstadt) sowie in mehreren Gemeinden noch weiter südlich im Landkreis Tuttlingen. Dort holte sie in Reichenbach am Heuberg mit rund 38 Prozent ihr bestes Zweitstimmenergebnis in Baden-Württemberg. Und auch das zweitbeste AfD-Ergebnis liegt mit Bubsheim im Landkreis Tuttlingen (36,2%).

AfD-Zuwachs in ländlichen Gebieten hängt mit kriselnder Industrie zusammen

Dass sich die AfD nun auch im Kreis Tuttlingen stark zeige, habe neben den Effekten des ländlichen Raums auch mit der kriselnden Industrie zu tun, sagt der Politikwissenschaftler Rolf Frankenberger von der Universität Tübingen: „Tuttlingen selbst ist industriell geprägt, aber es gibt auch viel ländlichen Raum drumherum. Dort treffen also Stadt-Land-Unterschiede und Industrie zusammen.“

Ähnliches zeige sich auch im Zollernalbkreis, wo die AfD in Grosselfingen mit 34 Prozent die meisten Zweitstimmen holte – oder in Mannheim. Dort holte die AfD zwar lediglich 16,7 Prozent der Zweitstimmen, aber verdoppelte damit ihr Ergebnis von 2021 um rund sieben Prozentpunkte und gewann das Direktmandat im Wahlkreis Mannheim I.

„Zudem hat die AfD gemeinsam mit dem Zentrum versucht, gesellschaftliche Ängste vor wirtschaftlichem Abstieg politisch zu mobilisieren“, sagt Frankenberger. Beim Zentrum handelt es sich um einen rechten Verein, der sich als alternative Gewerkschaft insbesondere in der Autoindustrie im Land und darüber hinaus engagiert. Im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen ist mit Kay Rittweg für die AfD ein Kandidat angetreten – und in den Landtag gewählt worden – , der nun auch für das Zentrum am Sindelfinger Standort von Mercedes-Benz im Betriebsrat sitzen wird.

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Erstellt:
10. März 2026, 15:28 Uhr
Aktualisiert:
10. März 2026, 16:05 Uhr

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